Amazon schmeißt hunderte Aushilfskräfte raus

Arbeitsminister Schneider will Amazon die Förderung kappen lassen.
Arbeitsminister Schneider will Amazon die Förderung kappen lassen.
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Was wir bereits wissen
Mithilfe von staatlichen Förderungen hat Amazon am Standort Werne tausende Leute eingestellt. Doch kurz nach dem Weihnachtsgeschäft stehen viele von ihnen wieder auf der Straße. NRW-Arbeitsminister Gruntram Schneider hat genug. Er will Amazon die Förderung streichen lassen.

Dortmund.. Der Internethändler Amazon hat sich im letzten Jahr 1629 Arbeitsplätze an seinem Standort in Werne öffentlich fördern lassen. Doch mehrere hundert Beschäftigte waren nach dem Weihnachtsgeschäft ihren Job schon wieder los. Wie viel Menschen genau derzeit überhaupt noch hier in Arbeit sind, wollten weder das Unternehmen noch das zuständige Jobcenter nennen. Angeblich gibt es darüber ein Stillschweigeabkommen.

Auf die Praxis, „billige Arbeitskräfte zu rekrutieren“, reagierte NRW-Arbeits- und Sozialminister Guntram Schneider (SPD) empört. Nachdem er von der WR über die Zustände erfahren hatte, wandte er sich jetzt an das Bundesarbeitsministerium. In einem Schreiben an Ursula von der Leyen (CDU), das der WR vorliegt, appelliert er, dass bei der Förderung von Trainingsmaßnahmen künftig nicht mehr nach dem „Gießkannenprinzip“ verfahren werden solle. Prüfungen seines Hauses hatten die umstrittene Praxis bestätigt.

Jobs für gering Qualifizierte

Die meisten Arbeitslosen, die zum Logistikzentrum in Werne vermittelt wurden, mussten zunächst ein zweiwöchiges „Praktikum“ ohne Bezahlung absolvieren. Geld erhielten sie statt dessen weiterhin von den Jobcentern. Nur für das Weihnachtsgeschäft im November/Dezember wurde diese Förderung eingestellt. Schneider hält es „nach wie vor für nicht vertretbar, wenn durch mehrwöchige Trainingsmaßnahmen beim Arbeitgeber öffentliche Gelder eingesetzt werden, obwohl eine Nachhaltigkeit der Arbeitsmarktintegration offensichtlich in vielen Fällen verfehlt wird.“ Bei der Anpassung der Förderkriterien durch die Bundesagentur für Arbeit gebe es „dringenden Handlungsbedarf“.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi begrüßte gestern Schneiders Vorstoß. „Es ist nicht der Job von Steuerzahlern, solche Unternehmen zu sponsern“, sagte der Sprecher von Verdi NRW, Günter Isemyer. Er kritisierte zudem, dass zwei Drittel der Arbeitsplätze bei Amazon befristet seien. „Die Menschen dort stehen ständig unter Druck und müssen immer Angst haben, ihren Job zu verlieren. Und wenn man bedenkt, dass Amazon der größte Online-Versender der Welt ist, wird einem Angst und Bange, wenn man die Unternehmenspolitik sieht, die da betrieben wird.“