Das aktuelle Wetter NRW 20°C
Amazon

Amazon schmeißt hunderte Aushilfskräfte raus

13.01.2012 | 18:25 Uhr
Amazon schmeißt hunderte Aushilfskräfte raus
Arbeitsminister Schneider will Amazon die Förderung kappen lassen.Foto: WAZ FotoPool

Dortmund.   Mithilfe von staatlichen Förderungen hat Amazon am Standort Werne tausende Leute eingestellt. Doch kurz nach dem Weihnachtsgeschäft stehen viele von ihnen wieder auf der Straße. NRW-Arbeitsminister Gruntram Schneider hat genug. Er will Amazon die Förderung streichen lassen.

Der Internethändler Amazon hat sich im letzten Jahr 1629 Arbeitsplätze an seinem Standort in Werne öffentlich fördern lassen. Doch mehrere hundert Beschäftigte waren nach dem Weihnachtsgeschäft ihren Job schon wieder los. Wie viel Menschen genau derzeit überhaupt noch hier in Arbeit sind, wollten weder das Unternehmen noch das zuständige Jobcenter nennen. Angeblich gibt es darüber ein Stillschweigeabkommen.

Auf die Praxis, „billige Arbeitskräfte zu rekrutieren “, reagierte NRW-Arbeits- und Sozialminister Guntram Schneider (SPD) empört. Nachdem er von der WR über die Zustände erfahren hatte, wandte er sich jetzt an das Bundesarbeitsministerium. In einem Schreiben an Ursula von der Leyen (CDU), das der WR vorliegt, appelliert er, dass bei der Förderung von Trainingsmaßnahmen künftig nicht mehr nach dem „Gießkannenprinzip“ verfahren werden solle. Prüfungen seines Hauses hatten die umstrittene Praxis bestätigt.

INFO
Jobs für gering Qualifizierte

Noch in diesem Jahr plant Amazon die Eröffnung von zwei neuen Logistikzentren: eines in Koblenz (Rheinland-Pfalz), das zweite in Pforzheim (Baden-Württemberg). Für den Standort in Werne hat Amazon im April bekanntgegeben, das Logistikzentrum für die nächsten fünf Jahre zu nutzen – mit einer Option auf Verlängerung.

Vertreter der Städte und Arbeitsagenturen bezeichnen die Ansiedlung von Amazon als „Glücksfall“ und „Lottogewinn“. Der Chef des Jobcenters Kreis Unna, Uwe Ringelsiep, betont: „Amazon ist ein wichtiger Arbeitgeber für die Region, weil er Jobs schafft, bei denen man auch mit geringer Qualifikation schnell Fuß fassen kann.“

Die meisten Arbeitslosen, die zum Logistikzentrum in Werne vermittelt wurden, mussten zunächst ein zweiwöchiges „Praktikum“ ohne Bezahlung absolvieren. Geld erhielten sie statt dessen weiterhin von den Jobcentern. Nur für das Weihnachtsgeschäft im November/Dezember wurde diese Förderung eingestellt. Schneider hält es „nach wie vor für nicht vertretbar, wenn durch mehrwöchige Trainingsmaßnahmen beim Arbeitgeber öffentliche Gelder eingesetzt werden, obwohl eine Nachhaltigkeit der Arbeitsmarktintegration offensichtlich in vielen Fällen verfehlt wird.“ Bei der Anpassung der Förderkriterien durch die Bundesagentur für Arbeit gebe es „dringenden Handlungsbedarf“.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi begrüßte gestern Schneiders Vorstoß. „Es ist nicht der Job von Steuerzahlern, solche Unternehmen zu sponsern“, sagte der Sprecher von Verdi NRW, Günter Isemyer. Er kritisierte zudem, dass zwei Drittel der Arbeitsplätze bei Amazon befristet seien. „Die Menschen dort stehen ständig unter Druck und müssen immer Angst haben, ihren Job zu verlieren. Und wenn man bedenkt, dass Amazon der größte Online-Versender der Welt ist, wird einem Angst und Bange, wenn man die Unternehmenspolitik sieht, die da betrieben wird.“

Katja Sponholz

Facebook
 
Kommentare
17.01.2012
10:15
Am besten
von freier_buerger | #55

von denen, die Fördergelder erhalten auch später höhere Steuern verlangen, sozusagen als Ausgleich für den erwirtschafteten Traumgewinn.

15.01.2012
18:15
Amazon schmeißt hunderte Aushilfskräfte raus
von justuser | #54

@ tom009 | #22

"noch was vergessen

den drei monatsjob hatte ich vor gut 28 jahren und nannte sich saisonarbeit.

also gibt es diese praxis nicht erst seit gestern.

diese hat es auch schon davor gegeben."

Ja aber dann wird mit offenen Karten gespielt! D.h. ich weiß bei der Einstellung, worauf ich mich einlasse und nur 3 Monate beschäftigt werde.

Aber ich glaube nicht, dass Amazon mit offenen Karten gespielt hat. Sonst hätte hier bei sogar nur 2 Monaten, das Arbeitsamt, nicht 2 Wochen Einarbeitungszeit subventioniert...

15.01.2012
17:18
Amazon schmeißt hunderte Aushilfskräfte raus
von teamtronic | #53

Der ganze Kokollores mit den Fördergeldern stinkt zum Himmel!

1. Werden sauber arbeitende Betriebe mit ihren eigenen gezahlten Steuergeldern, die in Form von Fördergeldern an andere Firmen fließen benachteiligt.
2.Werden Firmen innerhalb NRWs mit Steuergelder umgesiedelt. Es bringt keinen einzigen zusätzlichen Arbeitsplatz in NRW.

Beispiele?
Alltours von Kleve nach Duisburg.
Wir machen das Tor von Bocholt nach Dortmund
Winergy von Bocholt nach Voerde

15.01.2012
12:51
Das Arbeitsamt schmeisst die öffentlichen Gelder zum Fenster hinaus
von xxyz | #52

Dass sich jetzt Politiker gegen ein Unternehmen stellen ist sehr durchsichtig. Die Lösungen sind komplex, wenn sinnlose Mittel gekürzt werden sollen (z.B. Probesupermarkt mit Plastikeiern, um das Einsortieren zu üben - mehrere Bewerbungstraining), schimpfen die Politiker. Jetzt spielen sie den Wendehals. Eine Fernsehreportage hatte so viele sinnlose Massnahmen und die davon profitierden Wohlfahrtsindustrie ziemlich genau beschrieben.

Hier müssen die Ämter endlich die Leute für den Arbeitsmarkt sinnvoll fitmachen. Dortmunds Arbeitsmarkt ist doch eine Katastrophe. Die Menschen sind arm und verschuldet. Das System funktioniert nicht. Wenn die Presse einen Fall veröffentlich sind die Politiker direkt auf der Welle, ohne das Gesamtsystem zu ändern. Es gibt genug Firmen, die von der Verschwendung profitieren.

15.01.2012
05:49
Amazon schmeißt hunderte Aushilfskräfte raus
von dany | #51

Seit sehr vielen Jahren werden nur solche Massnahmen ( Arbeitsgelegenheiten, Jobpersektive, Bürgerarbeit, ABM ) von örtlichen Behörden,
wie Jobcenter , Agentur für Arbeit oder damals Arbeitsamt und Sozialamt
gefördert!!! Und immer wieder kommt das gleiche raus!!!!! nur absoluter Mist!!!!!

Es wundert mich nicht, das Dortmund und Kreis Unna
als Armenhaus bezeichnet werden!!!!!! Denn die Armut ist hier sehr groß!!!!
und kann eigentlich nur durch eine Ausbildung, Schulbildung und gesellschaftliche
Teilhabe ausgeschlossen werden!!!!!!!!!

Sehe auch einen dringenden Handlungsbdarf von Seitens der Behörden!!!!!!
Rückforderung der Fördergelder usw. !!!!!!!!


14.01.2012
20:19
Amazon schmeißt hunderte Aushilfskräfte raus
von joergel | #50

Das ist ja ein Ding: Aushilfskräfte sind gar nicht längerfristig eingestellt.
Wer hätte das gedacht...

Was sagt denn der Begriff "Aushilfekräfte" aus?
Eben das Kräfte zur Aushilfe eingestellt werden - und zwar so lange diese Aushilfe benötigt wird. Der Begriff sagt von vornherein aus, dass es sich nur um kurzzeitige und befristete Stellen handelt.

Was ist also das Problem?
Alle die als Aushilfskraft bei Amazon oder irgend einem anderen Unternehmer angefangen haben, wußten genau so wie Arbeitsamt und Jobcenter, dass diese Aushilfen eben nur kurzfristig aushelfen.

Nur der Herr Arbeitsminister Schneider offenbar nicht. Er hat wohl auch nicht bemerkt, dass die Förderung dieser Stellen durch Arbeitsamt und Jobcenter speziell für das Weihnachtsgeschäft, nämlich November/Dezember, deswegen bereits eingestellt war - und somit die 14 tägigen Praktika für diese Zeit gar nicht mehr finanziert wurden.

Und weil er offenbar gar nichts merkt, will er Amazon jetzt die komplette Förderung streichen lassen: "NRW-Arbeitsminister Gruntram Schneider hat genug. Er will Amazon die Förderung streichen lassen."

Wohlgemerkt nur Amazon, alle anderen subventionierten Aushilfsjobs interessieren ihn nicht, ebenso wie das Gleichheitsprinzip. Wahrscheinlich weil andere Unternehmen nicht publikumswirksam genug sind...

Naja, dann wollen wir doch mal sehen, wie sein Appell bei Ursula von der Leyen ankommt. Die hat hoffentlich etwas mehr Durchblick als der Schnellmerker Schneider...

14.01.2012
18:17
Amazon schmeißt hunderte Aushilfskräfte raus
von wohlzufrieden | #49

Abhilfe ist solange nicht in Sicht, wie CDU oder sPD regieren.

14.01.2012
13:54
Weg aus der Misere - "angebliche" Leistungsdefizite
von nachdenken | #48

nachzuweisen wie #29 geschrieben hat, wäre nicht schlecht.
Da das aber keiner macht, werden die Arbeiter am Besten mal das Wort Sabotage und dessen Herkunft bei Wikipedia nachlesen...
Wenn es viele Pakete mit falschen Artikeln gibt, sind das halt die Holzschuhe im logistischen Ablauf.... bei entsprechender Rücklaufqoute könnte ein Umdenken bei Amazon einsetzten.
Irgendwann muss der Widerstand von unten kommen.

14.01.2012
13:35
Amazon schmeißt hunderte Aushilfskräfte raus
von Walks | #47

War doch klar, dat die Studentenjobs bei Amazon nach den Feiertagen wegfallen.

Man sollte sich viel lieber über die Abschaffung der Leiharbeit kümmern, dat is doch die reinste Abzocke!

14.01.2012
13:27
Amazon schmeißt hunderte Aushilfskräfte raus
von bernddd | #46

Ach der Haufen von Verdi wird auch mal aktiv. Dieser Haufen sieh doch diesem Treiben seit Jahren zu ohne tatsächlich was für die Arbeiter zu tun. Scheinheilige Gewerkschaft
die für den Arbeiter nix tut,als nur sich in solchen Situationen mal wieder zu zeigen. Auch Verdi ist nicht anders als Amazon. Dort werden auch seit Jahren Billiglöhne bezahlt und Leute ausgebeutet.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6243365/create

Aktuelle Fotos und Videos
Tanzhommage an Queen
Bildgalerie
Kultur Pur 2012
Dachstuhlbrand in Hagen
Bildgalerie
Feuer
Tödlicher Unfall bei Hagen
Bildgalerie
Polizei
Heftige Unwetter in NRW
Bildgalerie
Unwetter
Aus dem Ressort
Wie Envio-Mitarbeiter um Anerkennung kämpfen
PCB-Vergiftung
Im PCB-Skandal kämpfen nun 47 Menschen darum, dass ihre Gesundheitsschäden als Berufskrankheit anerkannt werden. Es geht um Einzelfallentscheidungen, denn nicht die PCB-Vergiftung als solche kann als Berufskrankheit anerkannt werden, nur daraus resultierende Beeinträchtigungen.
Foto Video 2 Kommentare 2
Das ist los an Pfingsten - Tipps fürs lange Wochenende
Freizeit
Die Wettervorhersage verspricht ein sensationelles Pfingstwochenende. Also: Ab vor die Tür. Wir haben Tipps zusammengetragen, wie Sie die freien Tage zum echten Kurzurlaub vor der Haustür machen können - egal ob Sie im Ruhrgebiet, im Sauerland, am Niederrhein oder im Raum Düsseldorf zu Hause sind.
Foto 2 Kommentare 2