Abends lauert Fieber, morgens Rheuma
30.03.2011 | 17:37 Uhr 2011-03-30T17:37:00+0200
Dortmund.Pünktlich wie die Kirchenuhr meldet sich der Schmerz zurück: Rheumakranke klagen immer morgens über die schlimmsten Gelenkschmerzen. Bei Asthmatikern steigt nachts der Hustenreiz. Und bei Grippepatienten steigt das Fieber und sinkt der Blutdruck stets in den späten Abendstunden. Auch Krankheiten und ihre Symptome haben ihre eigene Zeit – gesteuert werden sie von der „inneren Uhr“.
Die Pharmaindustrie hat dies längst erkannt. Drei Mal täglich eine – ein Satz, der in Arztpraxen ausgestorben ist. „Es ist nicht nur wichtig, die richtige Menge der richtigen Substanz an das richtige Zielorgan zu bringen – sondern auch zur richtigen Zeit“, sagt WR-Experte Prof. Dr. Björn Lemmer. Denn: Wirkstoffe wirken nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit gleich; und auch Schmerzen werden zu unterschiedlichen Zeiten anders empfunden. „Man sollte deshalb die Medikamente so nehmen, dass die Dosis zu der Zeit am Zielort ankommt, zu der der Patient über die stärksten Schmerzen klagt“, empfiehlt Lemmer.
Weil abends die Empfindlichkeit der Schleimhäute der Lunge viel höher ist als tagsüber und zugleich die Lungenfunktion geringer ausgeprägt ist, ist die Atemnot in der Nacht am größten. „Medikamente sollten daher so spät wie möglich genommen werden“, rät Lemmer. Auch Allergiker leiden aus denselben Gründen eher nachts. Auch, weil der Pollenflug höher ist. „Fenster zu und Balkonabende vermeiden“, rät Professor Lemmer von der Universität Heidelberg.
Der Mensch erneuert sich nicht alle sieben Jahre
Dass das Fieber immer abends steigt, stammt ebenfalls nicht aus dem Reich der Einbildungen. „Die Körpertemperatur steigt abends sowieso an – hat der Mensch also Fieber, setzt sich dieses auf die physiologische Erhöhung drauf. Und wir spüren es umso heftiger“, erklärt Lemmer.
Bleibt zuletzt die Volksweisheit, der Körper erneuere sich alle sieben Jahre. Stimmt das? „Nein, dafür gibt es keine Belege“, sagt Björn Lemmer. Zwar sterben ständig Körperzellen ab und werden erneuert, doch ist der Rhythmus von Gewebe zu Gewebe unterschiedlich. „Die Hautzellen an den Füßen werden etwa alle 19 Tage ersetzt, die der Knochen nur alle 25 bis 30 Jahre“, sagt Lemmer.
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