Weltrekord zum "Day of Song" bei Dinslakener Seemännern

Thomas Baumann dirigiert die 1867 singenden Seeleute – für ihn war es ein vorgezogener Geburtstag.
Thomas Baumann dirigiert die 1867 singenden Seeleute – für ihn war es ein vorgezogener Geburtstag.
Foto: kai kitschenberg
Was wir bereits wissen
Weltrekord beim dritten „Day of Song“: Auf der Dinslakener Trabrennbahn sammelten sich 1867 Shanty-Sänger und intonierten Lieder von Fernweh und Wiederkehr in die Heimat. Sie bildeten so den größten Seemanns-Chor der Welt.

Dinslaken.. Gedanklich ist es von Seemannsliedern zu Gesangsgruppen von der Dimension der Fischer-Chöre ja nur ein kleiner Schritt – bloß hat ihn vor Thomas Baumann noch keiner getan.Gestern jedoch versammelte der Leiter des Shanty-Chores Hiesfeld 1867 Sängerinnen und Sänger in der Südkurve der Trabrennbahn Dinslaken – zum größten Shanty-Chor der Welt.

Denn auch, wenn die offizielle Anerkennung noch aussteht, so galt doch im Vorfeld: Wird die Zahl von 1700 Sängern übertroffen, so ist es gelungen, zum dritten Day of Song den bislang größten Shanty-Chor der Welt zusammenzutrommeln. Für Thomas Baumann war es so etwas wie ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk: Am heutigen Montag feiert der Chorleiter, Berufsmusiker aus Versehen und bekennender Universaldilettant seinen 50. Geburtstag.

Und das alles in einer Stadt ohne nennenswertes Gewässer

Da kann man sich ja schon mal ein kleines Ständchen gönnen, auch, wenn man in einem Städtchen ohne nennenswerte Gewässer und mit gerade einmal 300 Meter Rheinufer lebt. Rauschebart, Bass und eine ordentliche Stimme samt ordentlich Wasserverdrängung sind schließlich Qualifikation genug.

Doch es dauert eine ganze Weile, bis die Sänger aus Belgien, Holland und Deutschland wirklich Kurs auf den Weltrekord nehmen. Es sitzt sich halt gut am Rande des Geläufs der Trabrennbahn, wo Bierwagen und Erbsensuppe mehr locken, als die Aussicht, in der Sonne zu singen. Eine Viertelstunde wartet Thomas Baumann, dann sticht er mit je drei Schifferklavier-Spielern, Gitarristen und Sängern auf der kleinen Bühne in See – mit dem berühmten Hamburger Veermaster. Und die zumindest schon mal vierstellige Zahl der Sängerinnen und Sänger brummt freundlich zurück „Blow, boys, blow for Californio...“

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Ganz allmählich werden die hoffentlich noch nicht trunkenen Seemänner, – frauen und Leichtmatrosen munter und kommen hinzu. Der Altersschnitt ist ungefähr so wie auf dem Traumschiff: Ein Blick über eher weißliche Wogen. Baumann sieht’s ein wenig mit Bedauern: „Es gibt beim Shanty zwei Richtungen. Zum einen die eher schlagerlastige Richtung, und die traditionellen Arbeitslieder der Segelschiffbesatzungen., die näher an der Folkmusik sind.“

Und die schanghait in anderen Ländern auch junge Menschen für die Shanty-Welt. „Wir haben kürzlich in Polen gesungen, da war das Publikum im Schnitt um die 20“, sagt Baumann. Hier in Dinslaken kreuzt er zwischen den beiden Polen des Shanty-Gesangs. „Esequibo River“ hat mit stampfenden, fast karibischen Rhythmen etwas von Harry Belafontes „Banana-Boat-Song“. Kurz danach sind eindeutig Schunkel-Wellen auszumachen bei den Chorsängern, als sie anstimmen „Wir gehören zusammen wie der Wind und das Meer“.

Mit Dudelsäcken zum Gänsehautgefühl

Noch treffender wäre wohl gewesen: „Wir stehen zusammen“, denn ungefähr zu diesem Zeitpunkt muss die Flut der Mitsänger die magische Zahl von 1700 Teilnehmern überschritten haben. Auch ohne dass Dinslakens Bürgermeister, wie von Thomas Baumann vehement gefordert, die Feuerwehr zum Stimmband-Einsatz für die gute Sache bitten musste.

Vielleicht hatten die Sängerinnen und Sänger auch deswegen dieses Gänsehautgefühl, als Daniele Remling, Jutta Finkelmeier und Jim Wood-Mercado die Dudelsäcke schultern und eines der zahllosen Abschiedslieder anspielen: Schon bevor Thomas Baumann den Einsatz gibt, ertönt ein vielhundertfaches Summen, noch ehe der Rekord-Chor die deutsche Fassung von „Amazing Grace“ anstimmt: „Ein schöner Tag voll Harmonie“. Dem ist an diesem Tag nichts hinzuzufügen.