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Wutrede: Rheinischer Präses kritisiert Flüchtlingspolitik

11.01.2016 | 13:40 Uhr
Präses Manfred Rekowski.
Präses Manfred Rekowski.Foto: Thomas Frey/Archiv/dpa

Bad Neuenahr.  Der rheinische Präses Manfred Rekowski hat Deutschland trotz der jüngsten Aufnahme Hunderttausender Flüchtlinge jahrelange Versäumnisse und eine "unverantwortliche Untätigkeit" vorgeworfen. Die seit Jahren bestehenden "unmenschlichen Zustände" an den EU-Außengrenzen und im Mittelmeer seien von Politik und Gesellschaft "mit einer fast entspannten Gelassenheit" hingenommen worden, so lange die Menge der Flüchtlinge in Italien und Griechenland geblieben sei, sagte Rekowski am Montag im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr bei der Synode der rheinischen evangelischen Kirche. "Aber nun ist ein Weltproblem zu unserem Problem geworden."

Eine wirksame Unterstützung der Nachbarländer von Krisenherden, die Millionen von Flüchtlingen aufgenommen hätten, erfolge bis heute nicht. "Dies ist inhuman und fördert eine Perspektivlosigkeit, die weitere Fluchtbewegungen auslösen wird." Deutschland trage dadurch, dass Waffen auf direkten oder verschlungenen Wegen in Krisenländer gelangten, sogar zur Verschärfung von Fluchtursachen bei. "Flucht trägt das Label "Made in Germany"", sagte Rekowski.

Für ihn sei auch nicht ersichtlich, dass eine Wertegemeinschaft die Staaten Europas verbinde. "Ob Europa mehr ist als ein überdimensionierter Förderverein zur Rettung maroder Banken, muss sich jetzt erst noch zeigen." Doch selbst die evangelischen Kirchen in Europa kämen zu unterschiedlichen Antworten auf die Flüchtlingsfrage, beklagte er.

Nach den massenhaften Übergriffen besonders auf Frauen in der Silvesternacht in Köln forderte Rekowski einen entschiedenen Einsatz gegen Gewalt - unabhängig von wem sie verübt werde. "Es darf nicht ansatzweise rechtsfreie Orte geben." Gewaltbereitschaft und Gewalttätigkeit müsse "mit allen Mitteln des Rechtsstaats entgegengesteuert werden, von wem auch immer Gewalt ausgeht". Die Tatverdächtigen sind nach Darstellung von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) fast nur Menschen mit Migrationshintergrund, vor allem Männer aus Nordafrika und arabischen Ländern.

Rekowski warnte zugleich vor Zulauf für die islamfeindliche Pegida-Bewegung. Es gehe nicht um "besorgte Bürger", sondern um Klartext. "Wer denen folgt, die Galgen durch die Straßen führen, will etwas ganz anderes als Besorgnis ausdrücken." Wer mitlaufe, sei auch "für die gewalttätigen Folgen des Verbalradikalismus verantwortlich", sagte Rekowski. Er bezog sich dabei auf das Attentat auf die heutige Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker kurz vor ihrer Wahl.

(dpa)

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Wutrede: Rheinischer Präses kritisiert Flüchtlingspolitik
Wutrede: Rheinischer Präses kritisiert Flüchtlingspolitik
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2016-01-11 13:40
Kirche, Flüchtlinge, Nordrhein-Westfalen
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