Warum die NRW-Regierung Prinzessinnen in Drachenburgen sucht

Foto: Archiv/Getty/istock
Was wir bereits wissen
Untote auf Fußballplätzen und Prinzessinnen in Drachenburgen: Eine Anfrage der Piraten mit Computerspiel-Anspielungen sorgt für Aufsehen im Landtag.

Düsseldorf.. Von der Fraktion der Piraten im NRW-Landtag, seit 2012 im Düsseldorfer Abgeordnetenhaus vertreten, nimmt politisch kaum noch jemand Notiz. Allenfalls, wenn sie mit Kuriositäten auf sich aufmerksam macht. So wurde während der Plenarsitzungen schon mal über sexuelle Vorlieben getwittert. Der inzwischen zurückgetretene Parlamentsvizepräsident der Piraten nutzte seine Dienstlimousine zu privaten Spritztouren. Es gab eine kleine Meuterei gegen das Laptop-Verbot in den Abgeordnetenbänken. Und hin und wieder musste Landtagspräsidentin Carina Gödecke (SPD) die Neulinge für Verstöße gegen Kleidungs- und Verhaltenkodex im Hohen Hause rügen.

Ironische Anfrage mit Gamer-Anspielungen

Am Dienstag nun sorgte eine Kleine Anfrage des Piraten Daniel Schwerd an die Landesregierung für Aufsehen. Die Exekutive ist gegenüber dem Parlament zur Auskunft verpflichtet, weshalb der einzelne Abgeordnete mit schriftlichen Anfragen politische Akzente setzen oder Themen beleuchten kann. Schwerd überschrieb sein Anliegen an die Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien, Angelica Schwall-Dürek (SPD), mit dem ungewöhnlichen Titel „All your base are belong to us“ (Übersetzt etwa: Euer ganzer Stützpunkt gehört uns). Es ist ein Zitat aus der Eröffnungssequenz des Computerspiels „Zero Wing“.

Aprilscherze Schwerd hatte die Kleine Anfrage am 1. April eingereicht und fand es offenbar amüsant, die Landesregierung darin mit Anspielungen zu Computergames zu befragen. Für einen Nicht-Gamer wirkt das alles sehr befremdlich. So fragte Schwerd nach dem Verbleib von dreiköpfigen Affen, einem Untoten auf dem Fußballfeld oder der Prinzessin in der Drachenburg. Die Staatskanzlei ließ sich auf den Spaß ein und beantwortete mit der gebotenen bürokratischen Ernsthaftigkeit die Fragen des April-Spaßvogels.

Was hält der Steuerzahlerbund davon?

Der Steuerzahlerbund findet eine solche zweiseitige amtliche Drucksache vermutlich weniger komisch, da hier immerhin ein mit mehr als 10.000 Euro im Monat entlohnter Landtagsabgeordneter den teuren Beamtenapparat von wesentlicheren Aufgaben abhielt. Der Landtag NRW werde „für die Piraten ein einzigartiges Traumschloss bleiben müssen“, antwortete die Staatskanzlei an einer Stelle der Aprilscherz-Anfrage. Vermutlich ist selbst darin nach der nächsten Landtagswahl 2017 kein Platz mehr für sie.

Die Antwort der Landesregierung im Wortlaut:

Die Landesregierung gönnte sich eine Antwort auf Daniel Schwerds Anfrage und blieb darin ironisch-ernst. Hier das Schreiben im Wortlaut:

Vorbemerkung der Kleinen Anfrage: „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Johann Christoph Friedrich von Schiller

Spiele, ob als Brettspiel, Rollenspiel oder in digitaler Form, sind Bestandteil unseres sozialen Zusammenlebens. Spielen ist als wichtiger Beitrag zur gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung anzuerkennen. Insbesondere aus dem Bereich der Jugendkultur sind moderne Spiele wie Computer- und Actionspiele nicht mehr wegzudenken.

Spielen fördert unabhängig vom Medium Lernprozesse und Kommunikation, Vernetzung und soziale Interaktion. Sowohl Video- und Computerspiele als auch Actionsportarten sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Nutzung moderner Medien baut soziale sowie nationale Grenzen ab und fördert mit Online-Spielen das gegenseitige Verständnis.

NRW ist Vorreiter der Kreativ- und eSports-Branche und somit ein kultureller Innovationsmotor. Analoge und digitale Spielkultur muss anerkannt und gefördert werden. Zensur- und Verbotsforderungen sind da kontraproduktiv. Der verantwortungsbewusste Umgang mit dem Medium Video- und Computerspiel kann nicht durch Verbote, sondern durch Aufklärung und Schaffung von Medienkompetenz erreicht werden.

1. Ist es nach Auffassung der Landesregierung zutreffend, dass der Kuchen eine Lüge ist?

Die Landesregierung hat in der laufenden Legislaturperiode bislang 530 Kleine Anfragen der PIRATEN beantwortet und konnte deshalb als Folge der notwendigen Konzentration der Kräfte nicht der Frage nachgehen, ob der Kuchen eine Lüge ist.

2. Wie viele dreiköpfige Affen weiß die Landesregierung hinter sich?

In wie weit dieses zoologische Phänomen weltweit aufgetreten ist, kann nur durch eine umfassende Expertise in allen Zoologischen Gärten auf allen Kontinenten und in allen Ursprungsgebieten der Primaten eruiert werden. Hierfür ist leider die Frist zur Beantwortung der Kleine Anfrage nicht ausreichend.

3. Was tut ein Untoter nach Ansicht der Landesregierung auf dem Fußballfeld?

Weder der Landesregierung noch den hiesigen Fußballvereinen (soweit in der Kürze der Beantwortungsfrist ermittelbar) liegen hierzu Erkenntnisse vor. Auf eine Abfrage bei den Beerdigungsinstituten wurde daher verzichtet.

4. Wird man nach Meinung der Landesregierung von einem Pfeil ins Knie davon abgehalten, ein Abenteurer wie früher zu sein?

Im Namen des Windes kann festgestellt werden: In Himmelsrand ist das offenkundig so, in Temerant wahrscheinlich nicht.

5. Warum, glaubt die Landesregierung, erfährt man immer erst im Anschluss, dass die Prinzessin in der anderen Drachenburg ist?

Bei der ausführlichen Suche nach schlossartigen Anwesen auf Drachenfelsen im Land Nordrhein-Westfalen konnten bedauerlicherweise keine Prinzessinnen gefunden werden. Aus Kostengründen musste die Landesregierung leider von weltweiten Vor-Ort-Untersuchungen Abstand nehmen. Daher wird der Landtag NRW für die PIRATEN ein einzigartiges Traumschloss bleiben müssen.