Warten in Wien

Was machen Sie eigentlich in den letzten 30 Sekunden, bevor die Mikrowelle „pling“ macht? Die Durchschnittsfrau räumt die Spülmaschine aus, wischt Krümel vom Tisch, gießt die Blumen und tippt ungefähr 47 Kurzmitteilungen ins Handy. Der Durchschnittsmann hingegen zählt leise den Countdown mit und ist damit völlig ausgelastet.

Vermutlich ist es vor der roten Ampel ähnlich, selbstverständlich nur beim Fußgänger. Der Autofahrer macht sich illegal am Handy zu schaffen, sucht einen neuen Radiosender und bohrt in der Nase.

In Wien jedoch haben Fußgänger nun vor der roten Ampel Gelegenheit, in der Stadt Freuds und Conchita Wursts in aller Ruhe ein halbes Minütchen über Genderforschung im Allgemeinen und Geschlechtergerechtigkeit im Besonderen nachzudenken.

Denn Wien hat die deutsche Debatte um Ost- und Westampelmännchen und -frauchen locker getoppt, indem es jetzt mit Ampelpärchen aufwartet, bei denen Mann und Frau, zwei Männer oder zwei Frauen, geduldig warten oder gemeinsam glücklich vereint bei Grün über die Straße stapsen.

Sofern man an roten Ampeln vorner als vorn sein kann, ist Wien jetzt uneinholbar weit vorn. Jedenfalls so lange, bis endlich Farbendiskriminierungsbeauftragte darauf hinweisen, dass es auf der Palette mehr als nur rot und grün gibt. Wo, um der Vielfalt willen, bleibt die Regenbogenampel?

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE