Von Sommer- zu Winterwetter - "nur alle 20 bis 30 Jahre"

Diese Spaziergänger genießen den Schnee.
Diese Spaziergänger genießen den Schnee.
Foto: dapd
Was wir bereits wissen
Der plötzliche Wintereinbruch hat viele Autofahrer eiskalt erwischt. In der Nacht kam es auf überfrierender Nässe zu zahlreichen Unfällen. Im Sauerland war am Wochenende bereits der erste Schnee gefallen. Der extreme Wechsel von Sommer- zu Winterwetter ist sehr selten.

Essen.. Gerade mal eine Woche ist es her, da konnte man im dünnen Pullover, vielleicht sogar T-Shirt die Herbstsonne genießen. Und jetzt geht ohne Winterjacke gar nichts mehr. Innerhalb weniger Tage von Sommer auf Winter - dieser krasse Wetterumschwung hat Seltenheitswert, wie der Wetterdienst Meteomedia in Bochum bestätigt. "Etwa alle 20 bis 30 Jahre", schätzt Meteorologe Rainer Buchhop, erleben wir so einen heftigen Temperatursturz im Herbst.

Kaum zu glauben: Am Sonntag vor einer Woche wurden in Hemer 25 Grad gemessen, Rekordwert für Nordrhein-Westfalen an diesem Tag. Am Montag kam Essen immer noch auf stolze 23 Grad. Die Betreiber von Straßencafés und Biergärten konnten sich noch einmal über zahlreiche Gäste freuen, die die sommerlichen Temperaturen nach draußen gelockt hatten.

Frostiger Spitzenreiter Netphen: -7 Grad

An diesem Wochenende dann der Einbruch: eisige Temperaturen in ganz NRW. "Im Südosten des Landes hat es in der Nacht zu Samstag und am Samstagmorgen geschneit", berichtet Oliver Klein vom Wetterdienst Meteomedia im Gespräch mit der WAZ Mediengruppe. Im Sauer- und Siegerland, in Teilen des Oberbergischen und im Rothaargebirge an der Grenze zu Hessen seien die ersten Flocken heruntergekommen. Zwei bis sechs Zentimeter Schnee habe es etwa auf dem Kahlen Asten gegeben, sagt der Wetterfachmann. Frostiger Spitzenreiter ist laut Meteomedia Netphen: -7 Grad wurden dort in der Nacht zu Sonntag gemessen. In Bochum-Stiepel waren es -6 Grad. Aber der Wetterdienst gibt auch gleich Entwarnung. In den nächsten Tagen soll es wieder wärmer werden.

Zahlreiche Unfälle auf eisglatten Straßen

Eisglätte hat in der Nacht zu Sonntag zu Unfällen auf den Straßen in NRW geführt. Im Raum Düsseldorf gab es mehrere Unfälle wegen glatter Straßen. Bei Düsseldorf und Duisburg gab es wegen des Glatteises mehrere Unfälle auf Autobahnbrücken. Betroffen waren nach Angaben der Polizei die A 1 in Remscheid, die A 3, A 40 und A 42 in Duisburg sowie die A 42 und A 52 in Essen. Zwei Menschen erlitten leichte Verletzungen.

Die Polizei in Bielefeld meldet zwischen 23.30 und 0.30 Uhr fünf Verkehrsunfälle mit zehn beteiligten Fahrzeugen und zwei verletzten Personen. Auf der A 44 zwischen dem Autobahnkreuz Wünnenberg-Haaren und der Anschlussstelle Lichtenau kam es innerhalb kurzer Zeit zu vier Unfällen mit neun Fahrzeugen und zwei leicht verletzten Personen. Bei einem weiteren Unfall schleuderte ein Pkw seitlich in einen Lkw. Hierbei wurde der Dieseltank aufgerissen, so dass mehrere hundert Liter Dieselkraftstoff ausliefen und die Fahrbahn auf einer Länge von etwa 250 Metern verschmutzten. Die Polizei gibt die Höhe des Gesamtschadens mit etwa 50 .000 Euro an. Auf der A 33 in Höhe Schloß Holte-Stukenbrock kam es in der Nacht zu einem Glätteunfall, bei dem niemand verletzt wurde.

Etliche Kreis- und Landstraßen für den Verkehr gesperrt

Überfrierende Nässe führte auch im Norden in der Nacht zu zahlreichen Verkehrsunfällen, wie ein Polizeisprecher in Kiel sagte. Vorübergehend mussten Abschnitte der Autobahnen 1, 20, 21 und 23 nach Unfällen gesperrt werden. Über die Zahl der Verletzten konnte die Polizei zunächst keine Angaben machen.

Nach den heftigen Schneefällen am Samstag waren in Baden-Württemberg nach Auskunft der Polizei am Sonntagfrüh wegen umgestürzter Bäume noch immer etliche Kreis- und Landstraßen für den Verkehr gesperrt. Am Samstagabend war ein 18-Jähriger auf schneebedeckter Fahrbahn zwischen Villingen und Obereschach mit seinem Cabrio ins Schleudern gekommen und mit einem entgegenkommenden Reisebus kollidiert. Dabei kam der junge Mann ums Leben. Der Busfahrer erlitt leichte Verletzungen.

Fahrbahnen durch umgestürzte Bäume blockiert

Auch im nördlichen Oberbayern kam es in den Landkreisen Starnberg und Fürstenfeldbruck zu Verkehrsbehinderungen durch Bäume, die unter der Schneelast umgeknickt waren und Fahrbahnen blockierten. Eine S-Bahn-Strecke war zeitweilig blockiert. In der Oberpfalz registrierte die Polizei in der Nacht sechs wetterbedingte Verkehrsunfälle mit Blechschäden. In München waren mehrere Abschnitte der S-Bahn die Nacht über durch umgestürzte Bäume blockiert.

In Hessen gab es noch vereinzelt Verkehrsbehinderungen. So musste die Bundesstraße 47 im Oderwaldkreis zwischen Dorf-Erbach und Eulbach wegen umgestürzter Bäume und abgerissener Äste in der Nacht gesperrt werden.

Für Sonntag hat der Deutsche Wetterdienst abermals verbreitete Schneefälle für den Süden und Südosten vorhergesagt. Am frühen Vormittag könne es teil unwetterartige Verwehungen mit Schneebruch und Glättegefahr geben. Im südlichen Bayern werden im Tagesverlauf nochmals bis zu zehn Zentimeter, im Schwarzwald, auf der Alb und in Teilen des Bayerischen Waldes um fünf Zentimeter Neuschnee erwartet.

Schneeflocken im Sauerland

Im Rest des Landes können die Menschen indes ein schönes, wenn auch kaltes Sonnen-Wochenende genießen. Auch am Sonntag, sagt Klein voraus, bleibe es in NRW "trocken und richtig schön sonnig." Autofahrer sollten jedoch vor allem in den Abend- und Nachtstunden aufpassen: "Es wird weit verbreitet leichten Frost geben", warnt der Meteorologe. In den höheren Lagen erwartet er sogar mäßigen Frost - also 5 bis 7Grad unter Null. Da können die Straßen glatt werden.

Wintereinbruch legt Zugverkehr lahm

Anderswo in Deutschland hat der Wintereinbruch dagegen zu Verkehrsbehinderungen geführt. In Thüringen und Sachsen war der Bahnverkehr betroffen, die Deutsche Bahn kündigte Zugausfälle und erhebliche Verspätungen an. In vielen Regionen Mitteldeutschlands fiel in der Nacht zum Samstag Schnee. Bei Autounfällen blieb es jedoch bei Blechschäden.

Im Bahnverkehr war vor allem der Streckenabschnitt Weimar über Jena nach Gera und Glauchau beeinträchtigt. Der Zugverkehr zwischen Weimar und Schmölln wurde eingestellt. Insbesondere die Regionalzüge von Göttingen über Erfurt und Weimar nach Gera und Glauchau sowie von Erfurt nach Altenburg waren laut Bahn betroffen. Im Fernverkehr wurde der ICE zwischen Leipzig und München umgeleitet. Auch die Regionalverbindungen von Saalfeld nach Lichtenfels und zwischen Probstzella und Saalfeld in Thüringen waren eingeschränkt.

Zentimeterdicke Schneedecke auf dem Brocken

Vom Thüringer Wald bis zum Erzgebirge in Sachsen fiel nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes in der Nacht zum Samstag Schnee. Auf dem Brocken im Harz bildete sich eine zentimeterdicke Schneedecke. Im Tagesverlauf sollte es vor allem in den Mittelgebirgen ab 200 bis 300 Metern weiter schneien.

Autounfälle gab es laut Polizei vor allem mit Fahrzeugen, die noch mit Sommerreifen unterwegs waren. Auch unvorsichtige Fahrer gerieten auf den mitteldeutschen Straßen ins Rutschen.

Schnee auch in Rheinland-Pfalz und Hessen

Auch in Rheinland-Pfalz gab es am Samstag einen ersten Vorgeschmack auf den Winter. Bei verbreiteten Niederschlägen fiel vielerorts der erste Schnee, in wärmeren Regionen wie am Rhein oft aber auch nur Schneeregen, wie der Deutsche Wetterdienst in Offenbach mitteilte. In der Eifel sei der Schnee zum Teil auch liegen geblieben.

In Hessen zeigte sich ebenfalls in der Nacht zu Samstag verbreitet der erste Schnee. Laut Wetterdienst gab es am Samstag auch tagsüber landesweit Niederschläge, die zum Teil bis in die Niederungen hinein als Schnee fielen. Noch in Frankfurt habe es am Samstagvormittag leichten Schneefall gegeben, die kleinen Flocken seien aber auf dem Boden sofort geschmolzen.

Und die Aussichten? "Am Wochenende", sagt Meteomedia-Fachmann Oliver Klein, "bleibt es kalt und sonnig." Ab Montag werde es aber "schmuddelig" - und dann auch wieder milder. (dapd/shu)