Viele Reisende stranden im Sturm

An Rhein und Ruhr..  Die Bahnsteige am Essener und am Duisburger Hauptbahnhof sind wie leer gefegt, dafür drängen sich jetzt Hunderte Fahrgäste in der Bahnhofshalle und vor den Infoschaltern. Viele waren bis eben trüber Hoffnung, vielleicht doch noch wegzukommen im Sturm: Diese Hoffnung klammerte sich an kuriose Laufschriften auf der Anzeigetafel wie „Circa 210 Minuten später“.

Doch jetzt ist alles aus: Die Bahn hat gerade den Nahverkehr in ganz NRW für den Rest des Tages abgesagt, und auch der Fernverkehr stottert nur noch. An Ruhr und Rhein geht nach elf Uhr fast nichts mehr. Und alles nur wegen der Bäume! Einer hat sich auch noch in den Bahnverkehr geworfen in: Duisburg-Großenbaum.

Gerade einmal 16 Minuten benötigt die S1 von Duisburg bis zum Düsseldorfer Airport – normalerweise. Am Dienstag machte ein Schaden an der Oberleitung die Fahrt schon um 5.15 Uhr am Morgen für die rund drei Dutzend Fahrgäste zur Odyssee. Zwischen Angermund und dem Flughafen stoppte der Zug Nummer 30106. „Man hat uns gesagt, dass der Notfallmanager unterwegs sei und es schnell weitergehen würde“, sagt ein Fahrgast der NRZ. Aus „schnell weitergehen“ wurden am Ende aber rund drei Stunden Wartezeit – ohne Toiletten, ohne Getränke an Bord. Erst nach schier endlosem Warten und als schon einige ihre Flüge längst verpasst hatten, wurden die Insassen aus dem Zug evakuiert und mit Taxen an ihre Ziele gebracht.

Von umstürzendem Baumschwer verletzt

„Eigentlich wollte ich von Bremen nach Mannheim“, erzählt Catharina Lingens, „jetzt endet meine Reise aber wohl hier.“ Weil Sturmtief „Niklas“ den Bahnverkehr auch schon am frühen Morgen völlig verwirbelt hat, sitzt sie, die doch eigentlich nach Mannheim will, plötzlich in einem Zug in Gegenrichtung: von Düsseldorf nach Essen, um von dort aus ihre Reise fortzusetzen – eventuell.

Hier trifft sie zwei andere Frauen im Sturm, Christina Drunagel, Ziel Osnabrück, und Irmi Heinen, die sich vor über fünf Stunden von Kerpen aus auf den Weg nach Bremen gemacht hat: „Ich wollte meinen Sohn besuchen, den ich nur zweimal im Jahr sehe. Jetzt muss ich wohl erstmal wieder nach Hause“, sagt sie. Um die drei gestrandeten Frauen herum geht es chaotisch zu in der Bahnhofshalle. In Essen wie in Duisburg: Viele der Reisenden telefonieren oder verschicken Nachrichten, suchen nach einem Weg, doch noch an ihr Ziel zu kommen. Oder, später am Tag, nach Hause: All die Pendler, die mit dem Zug zur Arbeit fuhren, müssen sich anders nach Hause organisieren.

Es trifft nicht nur die Bahn an diesem Tag: So ist die Sauerlandlinie von Hagen südwärts für Stunden gesperrt, weil ein Laster verunglückt ist und quer steht – die Bergung ist schwierig auf der Talbrücke! In Lippstadt wirft „Niklas“ einen Lkw um, der mit Styropor beladen ist. Und überall im Land kommt es zu diesen sturmtypischen Blechschäden: Fahrer will aussteigen, öffnet die Tür, der Sturm erfasst sie von hinten – und haut sie gegen das Auto daneben.

In Neukirchen-Vluyn wurde ein Mann wurde während des Sturms schwer verletzt: Der 64-Jährige, der in Begleitung eines weiteren Fußgängers auf der Niederrheinallee im Ortsteil Vluyn unterwegs war, wurde durch einen umstürzenden Baum schwer verletzt und zur stationären Behandlung ins Krankenhaus gebracht. In Emmerich wurde die Rheinbrücke gesperrt, nachdem auf ihr am Morgen ein Anhänger eines Pkw umgekippt und später ein Lkw in die Leitplanken gedrückt worden war.

Die Stadt Duisburg hat ihren Mitarbeitern am Dienstag sturmbedingt vorzeitig freigegeben. Alle Beschäftigten konnten ab 15 Uhr ihre Arbeitsplätze verlassen, um ohne weitere Gefahr nach Hause zu kommen, teilte die Stadt mit. Man habe sich zu diesem Schritt entschlossen, weil der Deutsche Wetterdienst (DWD) seine Sturmwarnung verschärft habe.