„Viele fühlen sich allein gelassen“

An Rhein und Ruhr..  Kommen ältere Menschen in ein Pflegeheim, reicht die Rente für die Betreuungskosten oft nicht aus. Dann müssen entweder Angehörige oder der Staat für sie einspringen, um die Finanzierungslücke zu schließen. Darüber berichteten wir in der vergangenen Woche in der NRZ - und fragten unsere Leserinnen und Leser nach ihren eigenen Erfahrungen mit diesem Thema. Es gab viele Reaktionen, für die wir uns herzlich bedanken. Hier lesen Sie eine Auswahl der Briefe und Mails, die die Redaktion erreichten:

„Unsere Erfahrungen mit Pflege waren vielschichtig. Unsere Mutter wurde plötzlich zum Pflegefall. Es hätte zuhause nicht geklappt. Dann steht man plötzlich vor der Situation, wie soll es gehen. Kurzzeitpflegeplatz muss her. Alle Heime angerufen. Entweder wird man vertröstet oder es gibt keinen Platz. Dann gerieten wir im Krankenhaus an einen menschlichen Sozialarbeiter, der es schaffte, uns einen Platz zu besorgen. Erleichterung pur. Sofort ging es mit den Formularen los. Wie schaffen wir es finanziell? Können wir unseren Verpflichtungen nachkommen. Unserem Kind weiterhin das Studium finanziell ermöglichen??

Neben der Belastung, wie kann man für die Mutter da sein, damit sie sich nicht alleine fühlt, kamen dann auch die Sorgen, wie man Arbeit und Familienleben weiterführen soll. (...)

Unsere Generation 1960-1970 betrifft es ja. Wir hatten Glück mit dem Heim. Aber im Bekanntenkreis hört man viele, die nicht zufrieden sind mit der Pflege der Eltern und viele fühlen sich alleingelassen.“ Christiane Fustig

„Meine Eltern wohnen in einer kleinen Einliegerwohnung in unserem Haus! Meine Mutter hat seit sechs Jahren diagnostiziert Alzheimer! Wir versorgten und pflegten zu Hause ! Die Tagespflege drei mal in der Woche war uns eine sehr große Hilfe! Hier bedarf es mehr Aufklärung, wie sie finanziert wird und wie gut es auch dem Betroffenen tut!! Durch mehrere Aufenthalte in der Kurzzeitpflege lernten wir hier in der Nähe auch die ansässigen Pflegeheime kennen. Unsere Kriterien waren: Das Haus sollte hell sein und einladend wirken. Die Pflege sollte ausreichend da sein und das soziale Umfeld stimmen, Programme vom Haus (Singkreis, Märchenrunde, Dämmerschoppen) waren wünschenswert, so dass der Mensch sich aufgenommen und wie zu Hause fühlt ! Das war für unsere Entscheidung das allerwichtigste ! (...)“

Marita Quant

„Ich bin 22 Jahre alt, Student und habe mich in den letzten Jahren intensiv mit der Thematik „Altenpflegeheime“ auseinandergesetzt, da meine Großmutter vor rund sechs Jahren an Demenz erkrankt ist und rund 4 bis 5 Jahre in zwei verschiedenen Pflegeheimen in Oberhausen verbracht hat. Vor rund einem Monat ist meine Großmutter leider an den Folgen der Demenz verstorben.

Da die Demenzerkrankung bereits in den ersten anderthalb Jahren der Erkrankung immens vorangeschritten war und alle Möglichkeiten meiner Familie ausgeschöpft wurden, meine Großmutter zu Hause bzw. durch ambulante Pflege zu unterstützen, begaben wir uns auf die Suche nach einem Altenpflegeheim in der Umgebung.

Insgesamt wurde meine Großmutter in beiden Heimen größtenteils gut umsorgt, was meiner Meinung nach jedoch auch daran lag, dass meine Familie häufig „Kontrollen in den Heimen“ durchgeführt und Kritik angemerkt hat.

Die Kosten für den Aufenthalt wurden zunächst zu Teilen von der Pflegeversicherung und zum anderen Teil (Eigenanteil) von ersparten Mitteln und der Rente meiner Großmutter finanziert. Nachdem die ersparten Mittel meiner Großmutter aufgebraucht waren (bereits nach rund 1,5 Jahren nach Beginn des Aufenthaltes), mussten meine Eltern den Eigenanteil in Kombination mit der Rente meiner Großmutter beisteuern. (..)

Insgesamt möchte ich im Hinblick auf meine persönlichen Erfahrungen noch einmal deutlich hervorheben, dass der dargestellte Eindruck in Ihrem Bericht, nachdem die Pflegekräfte (gerade in kirchlichen Einrichtungen) ausreichend entlohnt werden, keineswegs richtig ist. (..)

Sowohl in privaten als auch staatlichen Einrichtungen werden die Pflegekräfte viel zu gering entlohnt (..).“ Alexander Ristau

„Mein Mann kam 2008 mit Pflegestufe III in ein Rheinberger Pflegeheim. (...) Er war durch einen Schlaganfall rechtsseitig gelähmt und konnte auch nicht mehr sprechen. Leider wurde die Bedarfsleistung für seine Pflegestufe (mind. vier Stunden täglich) nicht erbracht. Daraufhin habe ich mich öfters beschwert, umsonst. Zum Beispiel sollte er passiertes Essen bekommen, doch das gab es nicht. Wenn er es nicht anrührte, wurde einfach abgeräumt.

So war ich gezwungen, ihn täglich zu füttern. Mein Mann wurde nie gebadet und bekam kaum etwas zu trinken, da er nicht selbst zur Flasche und zum Glas greifen konnte. Nach seinem Tod habe ich das Heim verklagt. Nach drei Prozessjahren bekam ich Recht und mein zu viel gezahltes Geld zurück, da das Heim die Bedarfsleistung für die Pflegestufe III bei meinem Mann nicht beweisen konnte. Meiner Ansicht nach können Pflegeheime eigentlich nur eine geringe Anzahl von Menschen mit Pflegestufe III aufnehmen, da sie die Bedarfsleistungen nicht erbringen können - einfach wegen Personal- und Zeitmangel.“ Gisela Dietze