Urne kam zu spät zur Beerdigung

Düsseldorf..  Mehr als 100 Trauergäste versammelten sich in der Kapelle des Stoffeler Friedhofes in der Landeshauptstadt, sie alle wollten sich vom verstorbenen Joachim Kluth verabschieden. Der 56-jährige Düsseldorfer war vor rund vier Wochen bei einem Verkehrsunfall in der Vulkaneifel ums Leben gekommen. Doch in der Kapelle wartete ein Schock: Bei der Trauerfeier fehlte die Urne mit der Asche des Toten. Sie liegt im bis dato bestreikten DHL-Frachtzentrum in Krefeld, auch heute noch.

„Es herrschte Enttäuschung, Frust, Unverständnis und Wut darüber, dass ein Toter behandelt wird wie ein Paar Schuhe“, sagt Klaus Jonas, ein Freund der Familie. „Alle waren fassungslos, dass die Urne fehlte.“ Zwar sei es dann doch noch eine würdige Verabschiedung gewesen. Kluths alte Schulfreunde, Kollegen und Mitspieler beim Handballverein Turu Düsseldorf waren gekommen, einige von weither angereist. „Diese Trauerfeier wird aber negativ in Erinnerung bleiben“, ist sich Jonas sicher und macht dem Bestattungsunternehmen Kreusch aus Mayen in der Vulkaneifel, das Kluth einäschern und verschicken ließ, schwere Vorwürfe: „Ein sorgsamer Bestatter wäre selbst nach Düsseldorf gefahren und hätte sichergestellt, dass die Urne ankommt.“

Der Urnenspezialversandkostet 85 Euro

Jürgen Kreusch, Chef der Bestattungsfirma, tut die Situation zwar „außerordentlich leid“, allerdings wehrt er sich gegen den Vorwurf, etwas falsch gemacht zu haben. „Wir haben ordentlich gearbeitet.“ Als er die Urne am 17. Juni aufgeben ließ, will er vom Poststreik nichts gewusst haben. Daher habe er sich auch nicht für den unbestreikten Expressversand entschieden, bei dem die Post die Zustellung am nächsten Tag garantiert. „Wir hatten bisher nie Probleme mit DHL“, sagt Kreusch.

Für Antje Bisping, Justiziarin des Bundesverbands Deutscher Bestatter, hat das Unternehmen im vorliegenden Fall jedoch „Qualitätsmaßstäbe klar missachtet“. Denn der Verband empfiehlt seinen Mitgliedern den eigens mit der DHL ausgehandelten Urnenspezialversand. Dieser ist allerdings deutlich teurer. Die Post berechnet für jeden Geschäftskunden individuelle Preise, eine so verschickte Urne im Spezialkarton kann aber durchaus 85 Euro kosten. „Dafür wird er aber von Hand zu Hand weitergegeben“, sagt Postsprecher Rainer Ernzer, und es ist ebenfalls garantiert, dass das Paket pünktlich ankommt.

Die Verwandtenmüssen trotzdem zahlen

Dass der Bestatter während des Streiks nur den Normal-Versand wählte, ärgert Freund Klaus Jonas nicht mal am meisten. „Es ist ein Unding, dass eine Urne überhaupt mit der normalen Post verschickt werden darf.“ Das passe nicht zu den sonst strengen Regelungen im Umgang mit Verstorbenen.

„Die Familie ist in mehrfacher Hinsicht der Leidtragende in diesem Fall“, sagt Ivona Husemann, Juristin bei der Verbraucherzentrale NRW. Sofern nämlich mit dem Bestatter kein Spezialversand für die Urne vereinbart war, müssen die Verwandten die verpatzte Beisetzung bezahlen – übrigens auch, wenn kein Streik gewesen wäre.

Immerhin ist Bestatter Kreusch regelmäßig mit der Post in Kontakt. Jetzt wurde ihm mitgeteilt, dass nach Streikende die Urne noch in dieser Woche ausgeliefert wird. Dann kann Joachim Kluth endlich beerdigt werden.