Um 17 Uhr stürmen die Sondereinheiten

Paris..  Schießereien, Geiselnahmen, ein Großaufgebot der Polizei im Einsatz – in Frankreich überschlugen sich am Freitag die Ereignisse. Wir zeichnen die Chronologie dieses dramatischen Tages nach.


9.15 Uhr, Paris.
Erste Meldungen über einen Schusswechsel und eine Verfolgungsjagd nahe Paris. Es läuft ein Großeinsatz der Polizei.


9.35 Uhr, Dammartin-en-Goële.
Die Polizei hat eine Druckerei in dem Ort 50 Kilometer nordöstlich von Paris umstellt. Im Gebäude werden die Attentäter vermutet, die Brüder Chérif (32) und Said Kouachi (34). Die Polizei weist die Anwohner an, ihre Häuser nicht zu verlassen.


9.40 Uhr, Paris.
Präsident Hollande unterbricht die ­Krisensitzung des Kabinetts im Elysée-Palast. Der Staats-Chef will den aktuellen Fortgang der Ereignisse verfolgen.


9.50 Uhr,
Dammartin-en-Goële. Der Ort ist von der ­Polizei abgeriegelt. Alle Zufahrtsstraßen sind gesperrt.


10.12 Uhr, Paris.
Medien berichten, dass der Luft­verkehr zum und vom Flughafen „Charles De Gaulle“ in der Hauptstadt wegen des Einsatzes teilweise umgeleitet wird. Zwei Lande­bahnen sind gesperrt.


10.28 Uhr, Paris.
Innenminister Bernard Cazeneuve bestätigt offiziell vor der Presse, dass der Einsatz läuft, um die Urheber des Anschlags auszuschalten.


10.52 Uhr, Dammartin-en-Goële.
Es verdichtet sich: Die Verdächtigen in der Druckerei haben eine Geisel in ihrer Gewalt. Die Polizei geht mit Hunderten von Einsatzkräften in Stellung.


11.05 Uhr, Paris.
Staatspräsident Hollande spricht zu den Bürgern. Er sagt: „Frankreich steht unter Schock. Gerade läuft der Polizeieinsatz, um die Täter festzusetzen.“ Frankreich durchlebe eine schwere Prüfung.


12.05 Uhr, Montrouge.
Zwei Verdächtige werden in der Region Essonne südlich von Paris gefasst. Sie sollen am Vortag an der Ermordung einer Polizistin im Pariser Vorort Montrouge beteiligt gewesen sein. Offenbar gibt es eine Verbindung zu den Kouachi-Brüdern.


12.16 Uhr,
Dammartin-en-Goële. Die Polizei fährt mit einem Panzer am Ort der Geiselnahme vor.


12.45 Uhr, Mossul (Irak).
Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bezeichnete den Anschlag auf „Charlie Hebdo“ als Start einer größeren Terrorkampagne. „Wir haben mit der Operation in Frankreich begonnen, für die wir die Verantwortung übernehmen“, sagte der Prediger Abu Saad al-Ansari beim Freitagsgebet in einer Moschee der irakischen Stadt Mossul. „Morgen werden es Großbritannien, die USA und andere sein.“


13 Uhr,
Dammartin-en-Goële. Die Polizei versucht, mit den eingekesselten Attentätern in Kontakt zu treten. Es sei wichtig, einen Dialog mit den Terroristen herzustellen, sagte ein Sprecher. Man wolle die Situation ohne Gewalt lösen.
13.25 Uhr, Paris.
Die nächste Schockmeldung: Im Osten von Paris kommt es zu einer weiteren Schießerei und einer Geiselnahme. Ein bewaffneter Mann stürmt in ein Geschäft für koschere Lebensmittel und bringt mehrere Menschen in seine Gewalt. Ist das die nächste Aktion der vom IS angekündigten Terror-Offensive?


14.30 Uhr, Paris.
Die Polizei veröffentlicht Fotos von einem 32-jährigen Mann und einer 26-jährigen Frau, die in die Schießerei mit der Polizistin auf einer Straße in Paris und in die Geiselnahme in Paris verwickelt sein sollen. Es handelt sich dabei um Amedy Coulibaly und Hayat Boumeddiene. Coulibaly, ist bisher eher als Kleinkrimineller aufgefallen. Von 2010 bis 2014 hat er eine Haftstrafe abgesessen. Er soll einer Pariser Dschihadistenzelle an­gehören. Auch die Kouachi-Brüder waren in der Zelle aktiv. Hayat Boumeddiene war 2010 die Lebensgefährtin von Coulibaly. Boumeddiene hat Coulibaly nach Murat begleitet, einem Dorf im Central Massiv, um den Dschihadisten Djamel Beghal zu besuchen. Dieser soll ei­ne Art Mentor für Coulibaly Chérif Kouachi gewesen sein. In einer Polizeivernehmung hatte sie ausgesagt, dass sie mit Beghal unter anderem Armbrustschießen übten.


16.20 Uhr, Paris.
Es mehren sich die Indizien, dass der Pariser Geiselnehmer mit den Chérif-Brüdern in Dammartin-en-Goële zusammenarbeitet. „Die beiden Ereignisse hängen eindeutig zusammen“, so die Polizei. Demnach soll der Geiselnehmer gedroht haben, seine Geiseln zu töten, falls die Spezialeinheiten die Druckerei stürmen.


17 Uhr,
Dammartin-en-Goële und Paris. Offenbar gleichzeitig stürmen Sondereinheiten der Polizei die umstellte Druckerei und den jüdischen Laden in Paris. Die Geiselnehmer werden getötet. Auch unter den Geiseln gibt es Tote. Es ist das blutige Ende eines Alptraums.