Tumult im Dano-Mordprozess - Richter ermahnt Großvater

Der Angeklagte zum Prozessauftakt.
Der Angeklagte zum Prozessauftakt.
Foto: Ina Fassbender/Archiv
Was wir bereits wissen
Der Mordprozess um den erdrosselten Dano (5) hat mit Tumulten begonnen: Von Weinkrämpfen geschüttelt, hat der Großvater des Opfers die Aussage eines Polizisten gestört. Der 43-jährige Beschuldigte soll das Kind geprügelt und erdrosselt haben. Er selbst will ihn in einer Decke erstickt haben.

Bielefeld.. Nach Tumulten im Mordprozess um den im März getöteten kleinen Dano vor dem Landgericht Bielefeld hat der Vorsitzende Richter zum Auftakt Zuhörer auf den Besucherplätzen beruhigen müssen. Der Großvater des getöteten 5-jährigen Jungen hatte von einem Weinkrampf geschüttelt die Aussagen eines Polizisten mit lauten Rufen gestört. Daraufhin ermahnte ihn der Richter.

Als erster Zeuge schilderte der 53-jährige Beamte die ersten Vernehmungen nach der Festnahme des Beschuldigen am 3. April 2014. Im Interesse des Gerichts standen dabei die Umstände des Geständnisses und die Widersprüche zwischen der Aussage des Beschuldigten und den Ergebnissen der Rechtsmedizin. Während der 43-Jährige den Jungen mit Bettzeug erstickt haben will, fanden die Ermittler Hinweise auf eine Erdrosselung und ausgeschlagene Zähne.

Ermittlungen auch wegen Todes einer Achtjährigen

Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, Dano am 14. März 2014 heftig geprügelt und erdrosselt zu haben. Die Leiche soll er versteckt haben. Sie wurde erst fast drei Wochen später gefunden. Der Mann behauptet, er habe Dano nur eine Decke übergeworfen und festgehalten, bis er nicht mehr atmete. Der Obduktion zufolge wurde der Junge aber stranguliert. Fünf Prozesstage sind angesetzt.

Dano Darüber hinaus ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover gegen den 43-Jährigen wegen des Todes der achtjährigen Jenisa im Jahr 2007. Das Mädchen wollte seine Tante in Hannover besuchen. Die Frau war aber nicht zu Hause. Jenisa verschwand. Im Gefängnis soll der 43-Jährige Mithäftlingen den Mord an Jenisa gestanden und die Stelle verraten haben, wo er die Leiche versteckte. Die Mithäftlinge informierten die Polizei. Die Leiche wurde tatsächlich an der Stelle gefunden.

Verhandlung kurz unterbrochen worden

Nach Verlesung der Anklage wurde die Verhandlung am Mittwoch für kurze Zeit unterbrochen. Die Anwältin des Angeklagten hatte eine Aussetzung des Verfahrens bis Mitte Oktober beantragt. Sie warf der Staatsanwaltschaft vor, nicht über neue Ermittlungsschritte und einen neuen Gutachter informiert zu haben. Nach kurzer Beratung lehnte das Gericht den Antrag ab und setzte das Verfahren fort. Die Anwältin des Angeklagten kündigte für den zweiten Prozesstag eine Erklärung des Beschuldigten an. (dpa)