Tragödie in Kleve – zwei tote Jungen

Kleve..  Wo gestern noch Fenster waren, sind nur noch schwarze, verrußte Löcher übrig. Halb geschmolzene Rollos hängen an den Wänden. In der Einfahrt vor dem Backsteinhaus steht noch ein Kinderfahrrad. In einem Einfamilienhaus in der Klever Oberstadt hat sich eine Tragödie ereignet, die zwei Kindern, drei und acht Jahre alt, das Leben kostete. Gegen 1.15 Uhr brach das Feuer in dem freistehenden Einfamilienhaus aus, in dem sich zu dem Zeitpunkt neun Kinder und ihre 42-jährige Mutter aufhielten. Die Brandursache konnte nach intensiven Ermittlungen gestern Nachmittag festgestellt werden. Die Familie hatte vergessen, die Kerzen auf dem Adventskranz vor dem Zubettgehen zu löschen.

Furchtbare Szenen spielten sich in der Nacht ab, und nur dem mutigen Eingreifen von Nachbarn und dem ältesten Sohn der Familie ist es zu verdanken, dass nicht noch mehr Menschen ihr Leben lassen mussten. Der 19-Jährige, das bestätigt auch die Polizei, hatte bis zum Eintreffen der Feuerwehr sechs seiner Geschwister gerettet. Er hat die Kinder an den Armen aus dem Fenster des bereits lodernd brennenden Hauses gehalten, wo sie Nachbarn entgegennahmen und in Sicherheit brachten. Einige Kinder sprangen auch aus dem Fenster und wurden von Rettern gefangen. Schließlich war die Feuersbrunst zu gewaltig, der 19-Jährige musste aufgeben, sich selbst retten, zwei Brüder zurücklassen.

Nachbar ist Notarzt

Die 42-jährige Mutter arbeitet in Kleve als Chirurgin, sie bewohnte das Haus mit insgesamt elf Kindern im Alter von drei bis 19 Jahren, zwei der Kinder waren in der Brandnacht nicht daheim. Die Überlebenden wurden mit Schocksymptomen in das Klever St. Antonius-Hospital gebracht. Sie werden vom polizeilichen Opferschutz und der Notfallseelsorge betreut.

Ein unmittelbarer Nachbar, selbst jahrelang Notarzt im Kreis Kleve, leistete mit einigen Anwohnern sofortige Notfallhilfe. Gemeinsam mit seiner Frau habe er in der Nacht die Schreie auf der Straße vernommen und habe schnell begriffen, was los war. Er habe dann die Leitende Notarztfunktion übernommen.

Die Anwohner der Schüttestraße zeigten sich gestern Morgen geschockt. Eine Nachbarin erzählt: „Der Notarzt lehnte verzweifelt an der Garagenwand. Dieses Bild bekomme ich nicht aus dem Kopf. Gegen halb zwei habe ich Sirenen gehört und aus dem Fenster gesehen. Ich sah einige Flammen, die aus den Fenstern schossen, und unvorstellbar viel Qualm.“

Brandherd im Erdgeschoss

Ein 45-Jähriger, der mit seiner Familie erst vor einer Woche in das Haus gegenüber gezogen ist, hat zwei der Kinder bei ihrem Sprung aus dem brennenden Haus auffangen können. „Ich habe Schreie von Kindern gehört. Als ich das Feuer sah, bin ich sofort raus“, berichtet er noch sichtlich geschockt. Hinter ihm hört man seinen Sohn im Flur weinen. „Was heute Nacht passiert ist, ist schrecklich - eine Tragödie. Es sind so freundliche Leute“, sagt eine andere Nachbarin leise.

Ralf Benkel von der Klever Feuerwehr hatte in dieser Nacht die Einsatzleitung. 55 Feuerwehrleute waren bei der Bekämpfung der Flammen dabei, auch sie erhielten nach dem Einsatz auf Wunsch psychologische Betreuung. Benkel: „Das war auch für uns ziemlich schrecklich. Wir konnten die beiden vermissten Kinder zwar schnell finden und ins Freie bringen. Leider blieben die Reanimationsversuche erfolglos.“

Unterdessen stellen zwei junge Leute vor der Einfahrt des Brandhauses zwei Grablichter auf - ein Zeichen des Gedenkens an die beiden toten Kinder und die Familie, deren Leben sich in wenigen Augenblicken in einen Albtraum verwandelt hat.