Torten zum Verlieben

An Rhein und Ruhr..  Limette, Mango oder doch Himbeere? So kurz vor der Ehe sind Tortenfüllungen für manche Paare eine echte Bewährungsprobe. Wäre doch die Auswahl der Hochzeitstorte bloß so einfach wie die Entscheidung beim Standesamt: ja oder nein. Aber Heiko Peter mag nun mal keine Himbeeren, seine Verlobte Julia Schiffels jedoch hätte in der dreistöckigen Torte gerne noch eine fruchtige Füllung. Also vielleicht Limette, schlägt Heiko Peter vor. „Damit sollte man aber aufpassen. So ein bisschen säuerlich, das ist nicht jedermanns Sache“, merkt Barbara Werntges an.

„Traumtorten“ heißt das Geschäft der Konditormeisterin in Essen-Werden. Für den „schönsten Tag des Lebens“ kreiert sie hier Hochzeitstorten – und besonders viele jetzt von Mai bis August. Da gibt es fünfstöckige, dreistöckige oder flache Torten, solche mit einem Überzug aus weißer Zuckermasse, verziert mit Rosenblättern oder einem Meer aus Herzen oder verspielte Ranken und Schriftzügen auf rosafarbenem Marzipan. Essbare Kunstwerke schafft Barbara Werntges hier.

Die Torte gibt’s zum Kaffee

Heiko Peter und Julia Schiffels heiraten im September und haben ganz spezielle Vorstellungen von ihrer Torte. Mit romantisch-verspielten Verzierungen und feinen Rosen können sie weniger anfangen. „Für eine Hochzeit in einem Ballsaal ist das bestimmt schön. Unsere ist aber rustikaler und findet auf einem Hof statt. Dazu muss dann auch die Torte passen“, sagt Heiko Peter. Sie haben sich in eine Torte aus dem Internet verliebt. Die einzelnen Etagen der dreistöckigen Torte sehen aus wie dicke Baumscheiben mit einer Birkenrinde. Auf eine dieser Scheiben soll ein Herz mit den Initialen der beiden eingeritzt werden.

Während andere Paare ihre Torte erst um Mitternacht anschneiden, möchten Heiko Peter und Julia Schiffels sie schon am Nachmittag nach der Trauung präsentieren. „Sie soll ja auch gewürdigt werden. Später sind alle schon viel zu satt“, sagt Heiko Peter.

Modellieren, kratzen, pinseln und spachteln kommt dann auf Barbara Werntges und ihr etwa 40-köpfiges Team zu. Viele ihrer Kunden kommen mit konkreten Vorschlägen, sagt sie. Manche brauchen nur zehn Minuten, bis sie sich entschieden haben, bei anderen braucht es einige Stunden.

Auch wenn die Sonderanfertigungen immer häufiger werden, am beliebtesten ist auch im Jahr 2015 noch eine klassische Variante: die Rosenregen-Torte. Eine weiße Torte, von der die Blüten wasserfallartig herunterfallen. Hinten in der Modellierstube lagern die Rosen in verschiedenen Rottönen. Aber nicht nur das: Auch Berge von Marzipan, aus denen Hochzeitspaare, Zahlen oder Schriftzüge geformt werden. Mitarbeiterin Miki Ono-Zimmermann hat den Modellierstift an einem Känguru angesetzt, das auf die Hochzeitstorte für Australien-Liebhaber kommt. Der Boden aus Schokolade-Sacher ist mit hellem Marzipan überzogen, darauf hat Miki Ono-Zimmermann den Ayers Rock nachgebildet, ein Känguru mit Menschenbaby im Beutel und das glückliche Paar daneben.

Es scheint, als könnten Barbara Werntges und ihr Team hier jeden Tortenwunsch möglich machen. Bei manchen Ideen der Kunden muss sie aber auch ablehnen. Eine Sahnetorte beispielsweise lasse sich nicht dekorieren, zu schwer sei das Marzipan, auch Cremefüllungen wie Himbeere oder Maracuja könnten so einen Berg wie den Ayers Rock nicht halten. „Inzwischen kommen auch viele Kunden zu uns, die im Internet amerikanische Torten entdeckt haben. Viele sind aber für uns viel zu hart oder zu süß. Es muss schließlich nicht nur gut aussehen, sondern auch schmecken“, sagt Barbara Werntges, die die Traditions-Konditorei 1993 von ihrem Vater übernommen hat. Ein Trend sei es, immer größere, pompösere und floralere Torten zu wollen. Statt fünf Zentimeter hoch müssten die einzelnen Etagen der Torte nun doppelt so dick sein. Vor zehn Jahren seien sie außerdem noch drei- bis vierstöckig gewesen, nun verlangten die Kunden auch fünf bis sieben Etagen.

Was aber schmeckt und den Kunden glücklich macht, versucht Barbara Werntges umzusetzen. „Am schönsten ist es, das Feedback zu bekommen, wenn die Kunden die Torte abholen“, sagt sie. Heiko Peter und Julia Schiffels müssen sich noch gedulden, bis sie ihre Torte zu sehen bekommen. Die Entscheidung über die Füllung fällt, als Julia Schiffels ihrem Schatz ein Stück Mango-Maracuja in den Mund schiebt. Einverstanden, es schmeckt!

Für solche Paare, die sich nicht nur bei der Hochzeitstorte uneinig sind, hat Barbara Werntges auch gesorgt: mit einer Scheidungstorte und dem eindeutigen Schriftzug: „Der Arsch ist weg!“NRZ