Tierschützer fordern nach tödlichem Unfall im Zoo Köln Tiger-Verbot

Im Kölner Zoo hat ein Tiger eine Pflegerin attackiert und tödlich verletzt. Tierschützer fordern nun, dass Raubkatzen nicht mehr in Zoos gehalten werden dürfen
Im Kölner Zoo hat ein Tiger eine Pflegerin attackiert und tödlich verletzt. Tierschützer fordern nun, dass Raubkatzen nicht mehr in Zoos gehalten werden dürfen
Foto: dapd
Was wir bereits wissen
Nach dem Angriff eines Tigers auf eine Pflegerin im Kölner Zoo gehen Tierschützer in die Offensive: Sie fordern, dass Raubkatzen nicht mehr in Zoos gehalten werden dürfen. Unfälle wie dieser seien "vorprogramiert", weil die Tiere artwidrig gehalten würden. Auch der Zoodirektor wird kritisiert.

Köln.. Der Tod einer Tierpflegerin im Kölner Zoo hat unter Tierschützern eine lebhafte Debatte über die Haltung von Wildkatzen in Zoos befeuert. Die Tierrechtsorganisation Peta fordert, die Haltung von Großkatzen in Zoos zu verbieten. "Durch die artwidrige Haltung in viel zu kleinen Gehegen nutzen die Raubkatzen jede sich bietende Möglichkeit, ihrem Gefängnis zu entkommen", warnt Peta. "Ausbrüche und tödliche Unfälle sind daher vorprogrammiert."

„Bestimmte Tierarten wie Großkatzen, Eisbären oder Menschenaffen leiden immens unter der Gefangenschaft und müssen aus den Zoos verschwinden“, sagte Petas Zoo-Experte Peter Höffken. Die Tierschützer weisen daraufhin, dass Tiger in freier Wildbahn ein Revier von 300 Quadratkilometern durchstreifen würden, im Zoo aber auf wenigen Quadratmetern eingesperrt seien.

WWF: "Tiger im Zoo sind alle verhaltensgestört"

Auch die Tierschutzorganisation WWF hat sich zu dem Unfall im Kölner Zoo geäußert. Sprecher Jörn Ehlers sagt, die in Zoos gehaltenen Tiger seien allesamt verhaltensgestört und würden in freier Wildnis nicht überleben.

Am Samstag hatte ein Tiger eine 43-jährige Tierpflegerin im Kölner Zoo angegriffen und tödlich verletzt. Nach Angaben von Zoo-Direktor Theo Pagel war die Pflegerin sehr erfahren und arbeitete schon seit mehreren Jahren mit Großkatzen.

Pflegerin vergaß wohl, den Tiger einzusperren

Nach derzeitigem Kenntnisstand habe die Frau vor Beginn der täglichen routinemäßigen Reinigung versäumt, den Tiger abzusperren, erklärte der Zoo. Vermutlich habe das Tier sie von hinten angefallen, ihr einen tödliche Biss am Hals zugefügt und dann von ihr abgelassen.

Die Polizei leitete nach dem Unglück ein Todesermittlungsverfahren ein, um den genauen Hergang des Geschehens zu klären.

Facebook-User greifen Kölner Zoo-Direktor an

Auf der Facebook-Seite des Kölner Zoos diskutieren Zoo-Fans und Tierschützer, ob der Tiger nach seinem Angriff getötet werden musste. "Meiner Meinung nach hätte man den Tiger nicht sofort erschießen müssen", schreibt eine Userin, "Eine Betäubung hätte gereicht, man hätte ihn bis zur Klärung der traurigen Tatsachen isolieren können. Ich denke, das wäre auch im Sinne der Tierpflegerin gewesen." Ein anderer Nutzer fasst seine Auffassung allgemeiner zusammen: "Wir Menschen haben verdammt nochmal nicht das Recht Lebewesen zu töten. Der Zoodirektor gehört bestraft."

Andere verteidigen die Entscheidung, das Tier zu erschießen: "Ich denke, dass es sicher dem Zoodirektor nicht leicht gefallen ist, das Tier zu erschießen, aber Menschensicherung geht in solch einem Fall vor und die Rettungskräfte sollten ja so schnell als möglich zur Verletzten", schreibt einer. Andere weisen daraufhin, dass eine Betäubung des Tieres zu lange gedauert hätte.

Zoodirektor Pagel hat den Tiger nach der Attacke auf Anweisung von Polizisten von einem Dach aus erschossen. Das Tier sei sofort tot gewesen, sagte er. In Bezug auf den Tod der Pflegerin sagte Pagel: "Dies ist der schwärzeste Tag meines Lebens." (mit afp, dapd)