Ticket nicht entwertet - ganze Schulklasse muss Zug verlassen

Aussteigen oder 40 Euro Strafe pro Kopf - das waren die Alternativen, vor die eine Schaffnerin eine Schulklasse in Ostwestfalen stellte.
Aussteigen oder 40 Euro Strafe pro Kopf - das waren die Alternativen, vor die eine Schaffnerin eine Schulklasse in Ostwestfalen stellte.
Foto: Ralf Rottmann / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Weil ihre Lehrerin vergessen hatte, das Gruppenticket abzustempeln, ist eine komplette Schulklasse in Ostwestfalen aus einem Regionalzug geworfen worden. Einziges Alternativangebot der barschen Schaffnerin: 40 Euro Strafe - für jeden der mehr als 20 Schüler.

Bad Oeynhausen.. In Ostwestfalen ist eine Schulklasse an eine kompromisslose Schaffnerin geraten und hat einen Regionalzug verlassen müssen. Die Lehrerin habe vergessen, das Gruppenticket für die kurze Fahrt zwischen Bad Oeynhausen und Herford zu entwerten, sagte der Leiter des Immanuel-Kant-Gymnasiums, Klaus Keßler, am Dienstag auf Anfrage und bestätigte damit Medienberichte.

Die Schaffnerin habe die Lehrerin und mehr als 20 Schüler am vergangenen Donnerstag (20.11.) vor die Wahl gestellt, entweder 40 Euro pro Kopf zu zahlen oder an der nächsten Station auszusteigen, sagte Keßler. Die Klasse 7e habe daraufhin in Löhne den Zug verlassen und sei mit dem Bus zur Schule gefahren. Die 7e hatte in Herford die Synagoge besucht.

Zugbegleiterin soll äußert barsch reagiert haben

"Die Lehrerin war damit beschäftigt, die Schüler durchzuzählen, es war ziemlich wuselig", beschreibt Schulleiter Keßler die Situation an dem Tag, wie sie ihm die Lehrerin geschildert hatte. Im Zug habe es keinen Entwerter gegeben. Darum habe die Lehrerin der Schaffnerin das Problem geschildert. "Diese hat die Klasse barsch, in sehr unhöflichem Tonfall vor die Wahl gestellt", sagte Keßler. "Das sind doch keine notorischen Schwarzfahrer."

Die Bahn betonte, wenn das so vorgefallen sei, habe die Schaffnerin zwar korrekt, aber ohne Augenmaß gehandelt. "Wir müssen sie erst noch befragen", sagte ein Bahnsprecher. "Wenn sich das aber so bestätigen sollte, dann müssen wir mit der Kollegin mal über das Thema "Umgang mit Kunden" sprechen."

Deutsche Bahn will auf die Schulklasse zugehen

Der Bahn zufolge hätte die Kontrolleurin einen Abwägungsspielraum gehabt. "Die bessere Entscheidung wäre gewesen, die Tickets zu entwerten und die Klasse nach einer Ermahnung weiterfahren zu lassen", sagte der Bahnsprecher.

Die Deutsche Bahn will, wenn sich der Sachverhalt bestätigen sollte, auf die Klasse zugehen. "Dann wären etwa ein Reisegutschein oder ein Blick hinter die Kulissen der Bahn ein mögliches Angebot", sagte der Sprecher. (dpa)