Terrorangst verdrängt den Frohsinn

Braunschweig..  Es ist alles angerichtet für das Spektakel. Die Motivwagen für den traditionsreichen Braunschweiger Karnevalsumzug „Schoduvel“ stehen bereit, die Jecken sind in Feierlaune. Die Straßensperren für den sechs Kilometer langen Umzug sind aufgestellt. Als Indianer, Maikäfer oder gar als Attentäter verkleidete Menschen strömen in die Stadt. Doch statt ausgelassener Stimmung herrscht schnell Terrorangst.

Keine zwei Stunden vor dem Start bläst die Polizei den Umzug ab. Die Fahnder haben einen konkreten Hinweis auf einen Terroranschlag mit islamistischem Hintergrund. Die Gefahr für die erwarteten zehntausenden Besucher ist enorm.

„Der Hinweis kam von einem Zeugen aus der islamistischen Szene“, sagt Braunschweigs Polizeichef Michael Pientka. Am Samstag gibt es eine erste Meldung, danach verdichtet sich bei den Ermittlern der Verdacht. Ein Terroranschlag bei solchen Menschenmengen, das Risiko ist Verantwortlichen bei Stadt, Polizei und Karnevalisten zu hoch.

Statt Ausgelassenheit herrscht am Sonntagmittag eine beklemmende Atmosphäre in der Stadt. Polizisten patrouillieren, Spürhunde suchen in der Innenstadt nach Sprengstoff. Überall sind Polizeifahrzeuge mit Blaulicht zu sehen, Sirenen zu hören. Vor dem Gewandhaus stehen verwaiste Bier- und Würstchenbuden. Pientka zufolge war die Gefahr eines Anschlags sehr konkret auf das Ereignis des Umzugs ausgelegt.

Die Enttäuschung ist den Menschen ins Gesicht geschrieben. Ein Jahr lang wurde auf das Ereignis hingearbeitet, alles umsonst. „Ich bin sehr traurig – aber auch froh, dass bis jetzt nichts passiert ist und kein Mensch zu Schaden gekommen ist“, sagt der Präsident der Braunschweiger Karnevals-Gesellschaft, Bernd Ratayczak.