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Jährlich rollen unbemerkt hunderte Atomtransporte durch NRW

07.03.2016 | 20:43 Uhr
Jährlich rollen unbemerkt hunderte Atomtransporte durch NRW
Die Konditionierungsanlage in Duisburg-Wanheim soll nächstes Jahr den Betrieb einstellen.Foto: Metzendorf

An Rhein und Ruhr.  Auf Straßen und Schienen rollten 2015 hunderte Atom-Lieferungen durch NRW. Umweltschützer fordern jetzt ein öffentliches Gefahrguttransport-Register.

Hunderte Atomtransporte durchqueren jedes Jahr Nordrhein-Westfalen – und das in aller Heimlichkeit. Im Jahr 2015 gab es auf Straße und Schiene allein 133 Transporte (Gesamtmenge: 630 Tonnen) von und zur GNS-Konditionierungsanlage im Duisburger Stadtteil Wanheim. Dort werden schwach- und mittelbelastete Stoffe für Zwischenlager aufbereitet. Das geht aus einer Antwort des Wirtschaftsministeriums in Düsseldorf auf eine Anfrage des Abgeordneten Hanns-Jörg Rohwedder (Piraten) hervor. Sechs Anlieferungen - aber keine mit Kernbrennstoffen - zählte das Zwischenlager im münsterländischen Ahaus. Und die Uran-Anreicherungsanlage in Gronau zählte knapp 180 Transporte.

Transitverkehr von und nach Belgien und die Niederlande

Aus Sorge vor Protesten von Umweltaktivisten werden die Transporte nicht bekanntgegeben. Die Landesregierung informiert bis heute auch im Nachhinein nur auf Anfrage aus dem Parlament. Aus Sicht von Dirk Jansen, Geschäftsleiter des BUND in NRW, ist das der völlig falsche Umgang mit dem heiklen Thema: „Die Bevölkerung muss doch wissen, welche gefährlichen Stoffe hier durchs Land gekarrt werden!“ Und nicht nur die Bevölkerung: Laut Jansen wird auch die Feuerwehr nicht informiert. „Wir brauchen ein öffentliches Gefahrgut-Transportregister, in das auch schwach radioaktive Stoffe aufgenommen werden“, so der BUND-Vertreter.

Die Transporte von und zu den drei Atomeinrichtungen sind aber nicht alles: Es gibt auch Transitverkehr. Wie das Wirtschaftsministerium weiter mitteilte, haben 76 Transporte auf dem Weg nach Belgien oder von dort aus kommend NRW durchquert und fünf kamen aus den Niederlanden oder gingen dorthin. Weiterer Transitverkehr kam aus den deutschen Häfen.

NRW ist "wichtige Atomdrehscheibe"

BUND-Mann Jansen wundert sich nicht über die hohe Zahl von Transporten: „Sie zeigt, dass NRW eine wichtige Atomdrehscheibe ist und wir vom Atomausstieg noch weit entfernt sind.“ Für den Ausstieg sei es nicht nur nötig, Atomkraftwerke abzuschalten, „wir müssen auch aus der Vorproduktion raus“. Umweltschützer fordern daher, dass die „Urenco“-Anlage in Gronau stillgelegt wird. Dort wird Uranhexafluorid angereichert - der Grundstoff für Brennelemente, die dann im niedersächsischen Lingen gefertigt werden und z. B. im belgischen Krisenreaktor Doel zum Einsatz kommen.

Bereits beschlossene Sache ist das Ende der Konditionierung in Wanheim. 2017 soll der Betrieb enden, der Rückbau wird wohl bis 2019 dauern. Laut GNS ist die Anlage im Zuge des Atomausstieges schon lange nicht mehr ausgelastet und nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Die Verpackung der schwachradioaktiven Abfälle soll künftig direkt an den Kraftwerksstandorten stattfinden.

Holger Dumke

Kommentare
09.03.2016
21:37
Jährlich rollen unbemerkt hunderte Atomtransporte durch NRW
von haweef | #14

...und wer eine große Pauke hat, kann viel Lärm machen, mit Luft. Da platzen Trommelfelle. Also auf in die Gefahrgut-Transport-Liste! Denn irgendwie...
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