Statistik-Schere: Weniger Pflegekräfte und mehr Ärzte

Während die Ansprüche und Patientenzahlen steigen, geht die Zahl der Pflegekräfte in nordrhein-westfälischen Krankenhäusern immer weiter zurück: Arbeiteten 1991 noch 76 600 Männer und Frauen in diesem Beruf, waren es im Jahr 2013 nur noch 73 500. Das entspricht einem Rückgang von knapp vier Prozent, wie aus einer Statistik der Deutschen Stiftung Patientenschutz hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Bei den Ärzten kletterte die Stellenzahl dagegen sehr deutlich von 22 100 auf 33 800.

Düsseldorf.. Dabei ist der Bedarf an Pflege akut: Nach einer Prognose des Landesgesundheitsministeriums wird die Zahl pflegebedürftiger Menschen in NRW bis zum Jahr 2050 um geschätzt fast 400 000 auf etwa 946 000 steigen. Zudem ist die Zahl der Patienten in NRW-Krankenhäusern nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums von 1995 bis 2013 um gut ein Viertel auf rund 4,4 Millionen gestiegen.

In den vergangenen 20 Jahren habe sich die Verweildauer in den Krankenhäusern halbiert, berichtete der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Gleichzeitig sei die Zahl der alten und pflegebedürftigen Menschen auf den Stationen gestiegen, die mehr Betreuung brauchen. "Das bedeutet: Die Akutpflege ist auf Krisenmanagement beschränkt. Deshalb ist und bleibt Pflege in den Krankenhäusern hoffnungslos überfordert, wenn sich nichts ändert." Er kritisierte ein Konzept, "nach dem Ärzte Geld bringen und Pflege Geld kostet".

Um die Entwicklung zu stoppen, forderte Brysch einen deutschlandweit verbindlichen Personalschlüssel. "Dann wären wenigstens die Regeln für alle gleich."

Hoffnung könnte den Pflegekräften auch in NRW die zwischen Bund und Ländern ausgehandelte Krankenhausstrukturreform machen, die am 1. Januar 2016 in Kraft treten soll. Durch sie soll die in den vergangenen Jahren kontinuierlich abgebaute Zahl der Pflegekräfte wieder aufgestockt werden. Dafür werden 2016 bis 2018 bis zu 660 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Nach Schätzungen des NRW-Gesundheitsministeriums vom vergangenen Dezember könnte die Reform dem Land rund 3000 zusätzliche Stellen ab 2016 bringen. Die Pflegekräfte seien angesichts wachsender Zahlen von Patienten mit Demenz oder mehreren Erkrankungen "absolut überfordert", hieß es damals.

Mit den Trends bei Ärzten und Pflegekräften liegt Nordrhein-Westfalen im bundesweiten Trend. In ganz Deutschland sank die Zahl der Pflegekräfte im besagten Zeitraum um 3 Prozent auf 316 300, die Zahl der Ärztestellen kletterte um 54,31 Prozent auf 146 900. Nur in Bayern, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Hessen ging die Zahl der Pflegekräfte in den untersuchten Jahren nicht zurück. Auch interessant: Laut Statistik sind die höchsten Zuwachsraten bei den Ärzten in den alten Bundesländern zu verzeichnen. An der Spitze der abgebauten Pflegestellen liegt mit Abstand Berlin.