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Streusalz

Städte verbieten Bürgern Streusalz, verwenden es aber selbst

12.12.2012 | 11:27 Uhr
In den meisten Städten dürfen Bürger offiziell kein Streusalz verwenden, verkauft wird es trotzdem.Foto: Sebastian Willnow/dapd

Essen.  Streusalz lässt sich einfach lagern, einfach verteilen und es sorgt zuverlässig dafür, dass das Glatteis schmilzt. Doch Pflanzen und Tiere leiden darunter, deshalb verbieten die meisten Städten ihren Bürgern, Streusalz zu verwenden. Bei ihrem eigenen Winterdienst sind die Kommunen nicht so streng.

Kaum war der Sommer vorbei, gratulierten sich die Winterdienste der Kommunen selbst: Hunderte Tonnen Streusalz hätten sie eingelagert , teilten sie mit. Das Land NRW bunkerte eine "Rekordmenge" von 220.000 Tonnen . Das sei auf jeden Fall ausreichend, um über den Winter zu kommen, ohne dass die Vorräte ausgehen.

In der Jubelarie ging fast unter, dass der Einsatz von Streusalz sehr umstritten ist. Wegen der Belastung für Pflanzen und Tiere haben die meisten Städte ihren Bürgern das Streuen mit Salz sogar untersagt, nur in Ausnahmefällen ist es gestattet, etwa bei Eisregen oder an besonders gefährlichen Stellen wie Treppen oder Rampen. Wer seine Einfahrt mit Salz streut, ohne dass eine solche Ausnahme vorliegt, riskiert vielerorts ein Bußgeld von bis zu 1000 Euro.

Salz schädigt Bodenstruktur und macht Tieren das Leben schwer

Trotzdem verkauft sich Streusalz gut. Nicht nur Baumärkte merken das, inzwischen gehört das Salz auch bei vielen Supermärkte zum Sortiment. Umweltschützer warnen allerdings ausdrücklich davor, es zu verwenden: Das Salz sickere in den Boden ein und schädige die Bodenstruktur und damit auch Bäume und Sträucher. Holger Sticht, stellvertretender Landesvorsitzender des BUND rät deshalb, auf Gehwegen, die an Bäumen oder Hecken liegen, auf den Einsatz von Salz zu verzichten. "Es gibt Pflanzenarten, die mit so viel Salz klarkommen", sagt der Umweltschützer, diese kämen aber nicht im Binnenland, sondern nur an der Küste vor.

Video
Der Winter hat Nordrhein-Westfalen wenige Tage vor Weihnachten fest im Griff. DerWesten wagte eine Fahrt in Gellinghausen auf dem schwierigen Untergrund. Video: Frank Tischhart und Kerstin Eigendorf

Bäume und Sträucher sind nicht die einzigen, die unter Streusalz leiden. Das aggressive Salz setzt sich auch in den Pfoten von Hunden fest und greift die Haut an. Wenn die Tiere daran lecken, können sie zusätzlich Magenprobleme bekommen. Hundebesitzer sollten deshalb, so raten es Tierschützer, ihren Vierbeiner nach jedem Spaziergang die Pfoten reinigen.

Streusalz kann ins Trinkwasser gelangen

Wird im Winter viel gestreut, macht sich das Salz sogar im Trinkwasser bemerkbar. Im harten Winter 2009/2010 stellten die Wasserwerke Schwerte eine deutlich höhere Salzkonzentration im Wasser fest. Gefährlich für Menschen sei das aber nicht, erklären Experten. Die Salz-Konzentration im Mineralwassern oder beim Kochen sei deutlich höher.

Zudem greift das Salz die Lackierung an Autos an und führt langfristig auch zu Korrosion von Stahlbauwerken wie Brücken. Die Schäden entstehen dabei nicht an der Oberfläche, sondern im Innern, wo sie nur schwer entdeckt werden können.

StadtSalz für Bürger erlaubt?AusnahmenBußgeldNutzt die Stadt Salz?
     

Bochum

neinbei besonderen klimatischen Verhältnissen und an gefährlichen Stellenbis 500 Euroja

 

    
Bottropneinbei besonderen klimatischen Verhältnissen und an gefährlichen Stellen5-1000 Euroja
     
Dortmund bei besonderen klimatischen Verhältnissen und an gefährlichen Stellenmöglich, bislang aber nie verhängtja, wenn die Verkehrssicherheit es erfordert, sonst Granulat
     
Düsseldorfneinan besonders gefährlichen Stellenbis zu 500 Euroja, auf Hauptstraßen
     
Duisburgneinbei besonderen klimatischen Verhältnissen und an gefährlichen Stellenk. A.nein
     
Essenneinbei besonderen klimatischen Verhältnissen und an gefährlichen Stellenbis 500 Euro bei Fahrlässigkeit, bis 1000 Euro bei Vorsatzja,  wenn die Verkehrssicherheit es erfordert
     
Gelsenkirchenneinbei besonderen klimatischen Verhältnissen und an gefährlichen Stellen5-1000 Euroja
     
OberhausenDie Stadt Oberhausen hat auf unsere Anfrage bislang nicht reagiert.
  
Recklinghausenneinbei besonderen klimatischen Verhältnissen und an gefährlichen Stellen5-1000 Euroja
     
Wittenneinbei besonderen klimatischen Verhältnissen und an gefährlichen Stellenab 100 Euroja, bei maschineller Streuung, sonst Granulat

Quelle: Angaben der Städte

Sollte der Verkauf von Streusalz verboten werden?

Wegen dieser bekannten Nachteile ziehen Umweltschützer sogar ein Verkaufsverbot für Streusalz in Erwägung. "Darüber kann man nachdenken", sagt BUND-Landesvize Sticht. Prinzipiell finde er aber, dass der Appell an die Eigenverantwortung der Menschen ausreichen müsse. "Schließlich schädigen sie mit dem Salz auch ihre eigenen Pflanzen."

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    Seite 2: Städte selbst streuen häufig mit Salz

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Kommentare
16.12.2012
22:19
Städte verbieten Bürgern Streusalz, verwenden es aber selbst
von Karl-Napp | #42

Bei mir auf dem Bürgersteig rutscht keiner aus. Da habe ich schön dick Granulat drauf gestreut (so eine richtig schöne flächendeckende Schicht).
Nach dem Winter wird´s in den Graben gefegt und dann vom Fegewagen weggefegt.

15.12.2012
00:30
Städte verbieten Bürgern Streusalz, verwenden es aber selbst
von buerger99 | #41

Wenn Streusalz so gefährlich ist, dann dürfte neben Autobahnen und Landstraßen nichts grünes mehr wachsen.
Auf der einen Seite wird man als Bürger verdonnert zu räumen und falls sich mal jemand niederwirft wird man verklagt.
Aus welchen Grund darf man als Bürger seinen Bürgersteig nicht mit Salz streuen, wenn auf der Straße die städtischen Streuwagen gleich Kiloweise das Salz auf die Straße werfen ?
Offensichtlich scheinen die Behörden jede Menge langeweile zu haben.
Aber gut, dann greife ich mir halt 2,3 Schüppen städtisches legales Salz von der Straße wenn der Streuwagen vorbei gefahren ist und verteile es auf dem Bürgersteig ;-)
Es läuft ja in den gleichen Gülli und die Menge an Salz bleibt die gleiche.

Das ist der gleiche Schwachsinn wie mit den Umweltzonen. Autobahnen, Bahntrassen und Flüsse und Kanäle sind ausgenommen.

13.12.2012
09:32
Städte verbieten Bürgern Streusalz, verwenden es aber selbst
von Schwarz-Gelb | #40

Sicher ist das verwendete Streuzalz der Kommunen umweltfreundlicher.

13.12.2012
08:45
Städte verbieten Bürgern Streusalz, verwenden es aber selbst
von essenerjung60 | #39

Dass es verboten ist, wusste ich bereits. Aber dass es auch Bußgelder gibt, das ist mir neu. Da kann man seinen lieben Nachbarn - wenn sie dann Salz getreut haben - mal mit einer netten Anzeige richtig Freude bereiten. Denn auf einen geraden, ebenen Bürgersteig bei normaler Schneelage kann bei der Verwendung von Streusalz von Vorsatz ausgegangen werden. Und dass, so lese ich hier, kostet dann in Essen bis zu 1000 Euro. Da ist bei ein paar Anzeigen das Weihnachtsgeld aber schnell aufgebraucht.

13.12.2012
08:07
Städte verbieten Bürgern Streusalz, verwenden es aber selbst
von Otto99 | #38

Dabei fällt mir ein, dass ich ja noch einen Sack Salz kaufen wollte.

13.12.2012
08:00
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #37

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

13.12.2012
07:34
Stadt Duisburg verwendet kein Streusalz.
von notarius | #36

Radio DU:
07.12.2012 09:30

Die Duisburger Wirtschaftsbetriebe sind auf den ersten kräftigen Schnee in unserer Stadt gut vorbereitet, sagte uns eine Sprecherin.

Die Salzlager sind bis unters Dach gefüllt. Die knapp 50 Streufahrzeuge sind unterwegs. Wegen der Minusgrade wird der Schnee wohl auch liegen bleiben.

13.12.2012
06:53
Städte verbieten Bürgern Streusalz, verwenden es aber selbst
von bderks | #35

@rrduisburg: Eine Stadtverwaltung wird nicht gewählt...

13.12.2012
04:45
Die Rechnung kommt für uns alle...!
von FilouDuisburg | #34

Die Verwendung von Streusalz ist nicht nur -wie richtig im Artikel erwähnt- für Pflanzen und Tiere schlimm, sondern ebenfalls für unsere Böden und somit für uns Menschen. Immer mehr schädliche, giftige Stoffe versickern somit auch in das Grundwasser. Eines Tages kommt die Einsicht - wahrscheinlich zu spät. Was vorrangig zählt sind Bequemlichkeit und das liebe Geld! Mit meinen bereits 67 Jahren stimmt mich manches im menschlichen Umgang mit unserer Natur in Bezug auf die Zukunft unserer Kinder und Enkel sehr nachdenklich und traurig...

Heinz-Werner Geisenberger

13.12.2012
00:43
Städte verbieten Bürgern Streusalz, verwenden es aber selbst
von dutsche | #33

Bevor bei mir einer auf die ****** fällt, streue ich Salz. Da kann die S tadt erzählen was sie will. Wer ist überhaupt "die Stadt"? Das sind wir doch alle, oder?

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