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Städte in NRW sparen sich die Rasenpflege und die Blumen

06.03.2013 | 05:45 Uhr
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Städte in NRW sparen sich die Rasenpflege und die Blumen
Der Frühling lässt grüßen - leider nicht überall.Foto: Volker Speckenwirth

Essen.  In vielen Kommunen an Rhein und Ruhr ist kaum noch Geld für Rasenpflege und Blumen da. Die Folge ist ein trübes, graues Stadtbild. Einige Kommunen setzen deshalb auf Wildblumen. Und mancherorts packen Bürger selbst mit an, um ihren Ort optisch aufzupäppeln.

Wüste Grünflächen, verwilderte Parks und wenig bunte Blumen: So sieht es zur Zeit in vielen Städten der Region aus. Das Geld für die Grünpflege ist knapp. „Es wird nur das Nötigste gemacht“, sagt zum Beispiel Sylvia Waage vom Grünflächenamt der Stadt Mülheim. Und das sieht der Bürger. Einige aber greifen selbst zur Schüppe, um das Stadtbild fröhlicher zu machen.

Nicht nur ein Geld-, sondern auch ein Vandalismus-Problem

Zehn Rasenschnitte im Jahr, das sei der Mindeststandard, erklärt Waage. So könne man eine Grünanlage halten. Qualität spiele dabei aber keine Rolle. „Die Politik diskutiert weitere Einsparungsmöglichkeiten“, so Waage. Doch weniger Rasenmähen lässt die Wiesen sprießen. Und darin verfängt sich der Müll. Das ist „kontraproduktiv für das Stadtbild“, merkt Waage an.

Auch in Duisburg gibt es schon viele Jahre keine Extra-Bepflanzung mehr. Aber: „Damit es bunter aussieht, pflanzen wir, wenn irgendwo gebaut wird, immer ein paar Blumenzwiebeln“, so Stadtsprecher Peter Hilbrands. Immerhin: Im Sommer gibt es dann doch ein bisschen mehr. 55 Blumensäulen und 50.500 Blumen sollen vor allem die Innenstadt farbiger machen, so Hilbrands. Kosten: rund 45.000 Euro. Für das gesamte Grün stehen in Duisburg 2013 rund 8,7 Mio. Euro zur Verfügung. Damit spart die Stadt gegenüber den vergangenen vier Jahren 1,74 Mio., so Hilbrands. Vor allem weniger Pflanzen und Rasenmähen sorgen für die Ersparnis.

Moers: Kein Geld für Wechselbepflanzung im Sommer

Die Stadt Oberhausen sparte vor allem, indem sie die bepflanzten Flächen verkleinerte - von 1600m² auf 1045m². Nun wachsen auf den gesparten Flächen Bodendecker und Rasen. Das senke die Kosten, so Alexander Höfer vom Oberhausener Gebäudemanagement. Statt 9000 zahlt die Stadt für Blumen jetzt 6000 Euro.

Viel Geld, das in Emmerich manchmal schnell seinen Wert verliert. „Wenn Sie für 1000 Euro Blumen pflanzen und nach drei Wochen nur noch eine müde Primel übrig ist, dann ist das nicht schön“, sagt Pressesprecher Herbert Kleipass. Er spricht damit ein weiteres Problem an: Vandalismus. Viele neue Pflanzen würden direkt zerstört. Kleipass spricht nicht nur von einem Spar-, sondern auch von einem gesellschaftlichen Problem.

In Moers und Kleve haperts vor allem am Budget: In Moers gibt es kein Geld für Wechselbepflanzung im Sommer, Kleve beklagt ein schrumpfendes Budget und setzt nun mehr auf Wildblumen.

Wildblumen? Die Stadt Düsseldorf züchtet ihre Pflanzen in einer eigenen städtischen Gärtnerei. Hunderttausende kämen jährlich in die Erde, sagt Sprecher Volker Paulat. Das Grün-Budget beträgt 27 Mio. Euro. „Ein weicher Standortfaktor, die Menschen nehmen das wahr“, so Paulat.

Bürgergemeinschaft unterstützt ihre Stadt bei der Grünpflege

Wer nicht so viel Geld hat, packt selber an. Wie die Bürgergemeinschaft Oberilp in Heiligenhaus. Vor zwei Jahren hat die Stadt mit dem Verein einen Vertrag geschlossen. Jetzt sind die Mitglieder für die Pflege und Betreuung von 18 Blumenkübeln zuständig. „Seitdem ist die Pflege besser geworden“, so Heidi Busse, erste Vorsitzende. Die Mitglieder sammeln den Müll aus den Kübeln auf und jäten Unkraut. Aber: „Der Ein oder Andere hat seinen Blumenkübel sehr ins Herz geschlossen und pflanzt selbst ein Blümchen ein“, so Busse. Die Stadt bezahlt dem Verein dafür 250 Euro jährlich. Aber: „Wir haben vor, das Geld in Blumen zu investieren, um den Stadtteil noch schöner zu machen“, sagt Busse. „Es sind alle glücklich und strahlen, dass sie hier wohnen dürfen, wenn die Frühlingsblumen rauskommen.“

Arne Schleef und Alina Thieme

Kommentare
06.03.2013
12:09
.. wo ist das Geld?
von BorbeckerBefreiungsFront | #3

Hätten wir nur 1% des Geldes für die Bankenrettung (West LB, HRE etc) bekommen, sähen unsere Städte aus wie botanische Gärten.
Natürlich hat #1 auch Recht.
Irgendwann rächt sich das neolliberale Geschwätz, dass der schlanke Staat uns das Heil bringt.

06.03.2013
08:56
Städte in NRW sparen sich die Rasenpflege und die Blumen
von Wurzelputz | #2

Ich kann #1 voll und ganz zustimmen!

Und wenn Sie in die südlichen Länder in Urlaub fahren, achten Sie mal selbst in den heißen Ländern auf die üppig blühenden und gepflegten Blumenrondelle und Anpflanzungen sowie trotz Wassermangel sprudelnden Fontänen und Brunnen.
Da müssen nicht die eigenen Bürger in Selbsthilfe ran.

Oh Gott, was sind wir für ein erbärmliches Land geworden!!!!

06.03.2013
08:24
Städte in NRW sparen sich die Rasenpflege und die Blumen
von B.Schmitz | #1

Bei uns wird gespart. Im Osten und für andere Länder ist Geld da. Als Bürger müsste man ja bescheuert sein, selber zur Schüppe zu greifen. Aber leider gibt es so Bescheuerte. In Deutschland gilt das Motto: Geld ist nur für ander da aber nicht für die eigene Bevölkerung. Hauptsache wir zahlen immer noch für den Osten die uns von Anfang an nur ausgebeutet haben und immer noch ausbeuten. Der Westen sieht schon aus wie in der DDR. Danke liebe Politiker. Ihr habt es geschafft aus dem Westen eine zweite DDR zumindestens optisch zu machen und der Rest wird noch kommen dank der super schlauen DDR Frau die das Land regiert oder zumindestens so tut.

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