Stadt will sich von Amtsleitern trennen

Gelsenkirchen..  Nach der umstrittenen Vermittlung von Heimkindern nach Ungarn will sich die Stadt Gelsenkirchen so schnell wie möglich von den Leitern des Jugendamtes trennen. „Die bisherigen Erkenntnisse haben uns dazu veranlasst, personalrechtliche Konsequenzen zu ziehen“, sagte Oberbürgermeister Frank Baranowski (SPD) gestern Abend bei einer Sitzung des städtischen Hauptausschusses. Details nannte Baranowski im öffentlichen Teil der Sitzung nicht.

Der Jugendamtsleiter und sein Vertreter hatten im Jahr 2004 die Firma „Neustart“ ins Leben gerufen, die Kinder in Ungarn betreut hatte. Laut einem Bericht des ARD-Magazins „Monitor“ sollen sie eine Überbelegung des Kinderheims St. Josef in Gelsenkirchen verursacht haben, von wo aus dann Kinder zu „Neustart“ in Ungarn geschickt wurden. Die Männer wurden vom Dienst freigestellt, der Vertreter des Amtsleiters lässt zudem sein Amt als Vizevorsitzender des örtlichen Kinderschutzbundes ruhen. Beide bestreiten die gegen sie erhobenen Vorwürfe.

1% der Maßnahmen im Ausland

Landesweit werden derzeit 29 000 Kinder und Jugendliche in Hilfe-Einrichtungen betreut, etwa 1% der Maßnahmen findet im Ausland statt. Die Aufsicht haben dabei die Landesjugendämter bei den Landschaftsverbänden Rheinland und Westfalen-Lippe. Eine Erweiterung von deren Kontrollmöglichkeiten halten Fachleute für sinnvoll. Derzeit laufen dazu Gespräche mit dem NRW-Jugendministerium.