Das aktuelle Wetter NRW 8°C
Asylbewerber

St.-Alexius-Krankenhaus in Neuss will keine Roma aufnehmen

12.10.2012 | 12:45 Uhr
Flüchtlinge in Dortmund. Wer in dem ehemaligen Krankenhaus in Neuss untergebracht wird, ist noch offen.Foto: Ralf Rottmann

Neuss.  Den Flüchtlingen in NRW droht weiterer Ärger: Das Krankenhaus in Neuss, wo ursprünglich bis zu 500 Flüchtlinge Unterschlupf finden sollten, will maximal 150 Flüchtlinge aufnehmen. Zudem hat der Betreiber, ein katholischer Orden, klare Vorstellungen, welche Flüchtlinge dort unterkommen sollen.

Die Landesregierung war voll des Lobes für die Stadt Neuss, die so schnell und unkompliziert Hilfe angeboten hatte, als das Land nach Unterbringungsmöglichkeiten für Asylbewerber suchte. Das Innenministerium, die Bezirksregierung Arnsberg, sogar die Stadt Dortmund lobten die niederrheinische Stadt, die so viel schneller reagierte als die Metropolen Essen und Köln. Doch wie viel Unterstützung Neuss tatsächlich bieten kann, ist seit Donnerstag Abend sehr fraglich.

Denn die Alexianer-Brüder, ein katholischer Orden und Betreiber des ehemaligen Krankenhauses, um das es geht , ist "not amused" darüber, dass sie so spät über die Pläne der Stadt informiert wurden. "Das hat uns schon iritiert", sagt Bruder Benedikt Ende, Sprecher des Provinzrates der Bruderschaft.

Nur 150 statt 500 Plätze für Asylbewerber in Neuss

Um selbst wieder die Kontrolle zu erlangen, hat der Provinzrat der Bruderschaft "Eckpunkte" erarbeitet, die der Nutzungsvertrag enthalten soll, den die Brüder nun mit der Bezirksregierung Arnsberg aushandeln. Und diese Punkte dürften der Bezirksregierung Kopfschmerzen bereiten. So heißt es darin unter anderem, das Krankenhaus sei nur bereit, 150 Flüchtlinge aufzunehmen. Zuvor war verlautbart worden, in dem ehemaligen Krankenhaus fänden bis zu 500 Flüchtlinge Platz.

Doch noch ungewöhnlicher ist eine andere Forderung der Mönche: Sie wollen, "dass Asylbewerber nur aus Kriegsgebieten aufgenommen werden". Wer sich anguckt, aus welchen Ländern die Flüchtlinge stammen, die derzeit nach NRW kommen, kann durchaus zu dem Schluss kommen, dass es den Brüdern nicht um kriegsversehrte Flüchtlinge geht - sondern darum, die Roma auszusperren, die zu hunderten aus Mazedonien und Serbien kommen. Länder, in denen zumindest derzeit kein Krieg herrscht.

Video
Zirndorf, 12.10.12: Wegen des erhöhten Asylbewerber-Aufkommens ist die Aufnahmestelle im bayerischen Zirndorf inzwischen derart überbelegt, dass nun ausgerechnet zur kalten Jahreszeit Flüchtlinge vorübergehend in Zelten untergebracht werden sollen.

"Alle Flüchtlinge sind gleich zu behandeln"

"Die Erklärung ist wahrscheinlich", sagt Birgit Naujoks, Geschäftsführerin des Flüchtlingsrats NRW. Eine solche Praxis lehnt sie ab: "Natürlich geht das so nicht. Alle Flüchtlinge sind gleich zu behandeln."

Die Alexianer widersprechen der Darstellung: Man habe nicht die Roma aussperren wollen, sondern sich auf die Kriegsversehrten konzentrieren, "um diesen in einem adäquaten Umfeld den Abbau ihrer Traumatisierungen zu ermöglichen", wie es in der Pressemitteilung heißt. Auf die Frage, was das denn konkret bedeute, spricht Bruder Benedikt Ende von der "großen psychiatrischen Kompetenz", der Mitarbeiter. Schon im nächsten Satz rudert er allerdings zurück: Eigenes Personal wolle man für die Flüchtlingsbetreuung nicht einsetzen. "Das ist Sache der Landesregierung."

Gerrit Dorn



Aus dem Ressort
NRW-Millionen können Etat-Loch in Gelsenkirchen nicht füllen
Stadtfinanzen
Das Land NRW hat die aktuellen Zahlen für Gelsenkirchen vorgelegt: Im nächsten Jahr sollen voraussichtlich 319 Millionen Euro an die Stadt überwiesen werden. Doch trotz der Zuwendungen des Landes und der eigenen Steuereinnahmen bleibt im nächsten Jahr ein Haushaltsloch von 43,8 Millionen Euro.
Vermüllte Dächer in Duisburg-Marxloh sind teilweise geräumt
Wilde Müllkippe
Der Protest hatte Erfolg: Am Mittwochmittag wurde der Sperrmüll von einem Teil der Hausdächer in Duisburg-Marxloh geräumt. Die Kosten dafür übernimmt der Hauseigentümer. Auf anderen Dächern indes liegen noch Berge von Abfällen – und auf einem Wirtschaftsweg türmt sich der Müll weiterhin.
Mord an Madeleine W. - Angeklagter Stiefvater ist Psychopath
Prozess
Dem Mann, der seine Stieftochter, Madeleine W., umgebracht und in seinem Kleingarten einbetoniert haben soll, bescheinigt die psychiatrische Gutachterin vor dem Landgericht Essen „psychopathische Züge“. Er manipuliere und kontrolliere sein Umfeld, denke immer nur an eigene Interessen.
Polizei findet Toten an Umspannwerk in Oberhausen
Leichenfund
In einem Umspannwerk in Oberhausen hat die Polizei am Mittwoch die Leiche eines Duisburgers (38) gefunden. Der Mann hatte sich offenbar schon vor mehreren Tagen Zutritt auf das gesicherte, umzäunte Gelände verschafft. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.
Windböe löste wohl Kölner Seilbahn-Panne aus
Seilbahn
Der Notfall an der Kölner Seilbahn über den Rhein vom Dienstag ist wahrscheinlich durch eine Windböe mit einer Geschwindigkeit von mehr als 100 Stundenkilometern verursacht worden. Eine Gondel sprang aus der Führung. Eine Familie mit zwei Kleinkinder musste Stunden in der Luft ausharren, bis...
Umfrage
Die Stadt Duisburg will Schul-Parkplätze an Lehrer vermieten – aber auch an Anwohner. Eine gute Idee?

Die Stadt Duisburg will Schul-Parkplätze an Lehrer vermieten – aber auch an Anwohner. Eine gute Idee?

 
Fotos und Videos
Flug über Frankreich 1
Bildgalerie
In 500 Metern Höhe...
Ehrengäste in lockerer Runde
Bildgalerie
NRZ Sportfete
Rockerkrieg in NRW
Bildgalerie
Bilderchronik
Forschung über Street Art in Siegen
Bildgalerie
Street Art