Spektakuläre Flucht nach Schwerte – Lange Haft für Gangster

Foto: Marcus Simaitis/dpa
Was wir bereits wissen
"Bonnie und Clyde" wurden sie in den Medien genannt. Doch mit Film-Romantik haben die Niederländer nichts zu tun: Sie legten eine Spur der Gewalt.

Assen/Schwerte.. Nach einem wochenlangen und äußerst gewalttätigen Raubzug ist ein niederländisches Gangster-Paar zu hohen Haftstrafen verurteilt worden. Antonio Marcos van der P. (26) muss für 16 Jahre ins Gefängnis, seine 20-jährige Freundin Enise B. wird mit 12 Jahren Haft bestraft. "Sie haben in kurzer Zeit eine große Anzahl sehr schwerer und sehr gewalttätiger Verbrechen verübt", begründete das Strafgericht das Urteil am Donnerstag in Assen im Nordosten der Niederlande.

Das Pärchen hatte Anfang 2014 eine Spur von Gewalt vor allem im Osten des Landes gezogen. Brutale Überfälle, Geiselnahmen, Erpressungen, versuchter Totschlag und Diebstahl gingen auf ihr Konto. Nach einer intensiven Jagd waren sie im Februar 2014 nach Deutschland geflohen und dann in einem Hotel in Schwerte (Kreis Unna) festgenommen worden. Die Angeklagten, die bei der Urteilsverkündung nicht im Gerichtssaal waren, hatten die Taten gestanden.

Die Staatsanwaltschaft hatte die beiden als "berechnend und kaltblütig" geschildert. Sie seien "bestialisch" vorgegangen, berichteten auch die Opfer. Viele litten noch immer schwer psychisch unter den Folgen, betonte das Gericht und lastete es den Angeklagten an, dass sie keine Reue gezeigt hatten. "Das find' ich billig, schlapp", hatte Enise B. während des Prozesses gesagt.

Wilde Verfolgungsjagd von Groningen nach Schwerte

Die große Flucht hatte im Dezember 2013 begonnen. Nach einer wilden Verfolgungsjagd war das Pärchen in Groningen im Norden festgenommen, dann aber wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Ab Januar zog es dann kreuz und quer durchs Land. Bei Einbrüchen misshandelten die Täter die Bewohner schwer. Auf einem Campingplatz schoss Antonio van der P. einen Mann in den Bauch. Eine Oma wurde mit ihren beiden Enkelkindern stundenlang festgehalten.

Flucht Die Angeklagten selbst fanden sich nicht besonders brutal. Gewalt hätten sie nur eingesetzt, wenn die Opfer nicht mitgearbeitet hätten.

Enise B. schlug einer 52-jährigen Frau hart mit einem Topf auf den Kopf, "weil sie so hysterisch schrie". Ihr Freund stach die Frau dann mehrfach mit einem Messer, um sie zur Herausgabe der Kombination des Safes zu zwingen. Danach wurde sie im Auto mitgenommen. Unterwegs hätten sie ihre Geisel gut behandelt, meinten beide. "Wenn sie etwas trinken wollte, bekam sie es. Wir haben auch Mitleid gezeigt. Wir sind nicht unmenschlich." Später ließen sie die blutende Frau nachts zurück, gefesselt an einen Baum in einem Naturgebiet im nordwestlichen Lelystad. Dort wurde sie am nächsten Tag gefunden.

Vor der Großfahndung flohen sie nach Deutschland. Am 26. Februar wurden sie in Schwerte erkannt und wenig später von der Polizei in einem Hotel widerstandslos festgenommen. Die niederländischen Medien nannten sie Bonnie und Clyde. Während des Prozesses hielten sie sich stundenlang an den Händen.

Das Gericht verhängte für die junge Frau eine niedrigere Strafe als die von der Staatsanwaltschaft geforderten 14 Jahre. Die Beweise gegen sie seien weniger stark. Sowohl sie als auch ihr mehrfach vorbestrafter Komplize wurden für voll zurechnungsfähig erklärt. (dpa)