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Sozialbericht warnt vor wachsender Armut in NRW

05.09.2012 | 16:26 Uhr

Die Landesregierung warnt vor einem weiteren Auseinanderdriften der sozialen Schere in Nordrhein-Westfalen. Trotz Wirtschaftswachstums drohten immer mehr Menschen in die Armut abzurutschen, warnte Sozialminister Guntram Schneider (SPD) am Mittwoch in Düsseldorf.

Düsseldorf (dapd-nrw). Die Landesregierung warnt vor einem weiteren Auseinanderdriften der sozialen Schere in Nordrhein-Westfalen. Trotz Wirtschaftswachstums drohten immer mehr Menschen in die Armut abzurutschen, warnte Sozialminister Guntram Schneider (SPD) am Mittwoch in Düsseldorf.

Nach dem von Schneider vorgelegten Sozialbericht NRW 2012 stieg im Vorjahr die Zahl der einkommensarmen Personen gegenüber 2010 um 200.000 oder 7,6 Prozent auf rund 2,8 Millionen. Das sind 15,8 Prozent der Bevölkerung des Landes. Als einkommensarm gilt, wer monatlich weniger als 833 Euro zur Verfügung hat.

"Der Anstieg dieser Armutsrisikoquote zeigt, dass immer mehr Menschen von der wirtschaftlichen Entwicklung abgehängt werden", sagte Schneider. Ein weiteres Alarmzeichen sieht der Minister in der wachsenden Zahl der Geringverdiener.

Inzwischen arbeitet laut dem Bericht jeder fünfte sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte in NRW im Niedriglohnsektor. Das ist ein Zuwachs um vier Prozentpunkte gegenüber 2000. Als Niedriglohn gilt ein monatliches Bruttoarbeitseinkommen von unter 1.890 Euro. Unter dieser Entwicklung leiden insbesondere jüngere Menschen. Mehr als die Hälfte der Vollzeitbeschäftigten unter 25 Jahre zählte 2010 zu den Geringverdienern, stellt der Sozialbericht fest.

Vor diesem Hintergrund forderte Schneider einen "Umverteilungsprozess", der die "unverhältnismäßige Belastung" kleinerer Einkommen zurücknehme. Gefordert seien ein gesetzlicher Mindestlohn sowie die "adäquate" Besteuerung von Vermögen. Auch eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes gehöre dazu. "Starke Schultern können und müssen mehr tragen als schwache", sagte der Minister.

Auch die Wohlfahrtsverbände forderten mit Blick auf den Sozialbericht mehr Initiativen der Politik zur Eindämmung der Armut. "Die Wucht, die Armutsbekämpfung braucht und verdient, wurde bislang nicht entfaltet", sagte Frank Hensel vom Vorstand der Freien Wohlfahrtspflege NRW. Notwendig seien mehr Engagement und Unterstützung insbesondere für Familien sowie Kinder und Jugendliche. Wenn junge Menschen ohne Schul- und Berufsabschluss blieben, gefährde das auch die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft.

dapd

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