So teuer ist die Sanierung des Welterbes Zollverein wirklich
13.09.2012 | 19:33 Uhr 2012-09-13T19:33:00+0200
Essen. Die Kosten für die Sanierung des Weltkulturerbes wurden nie veröffentlicht. Recherchen ergaben: Sie liegen um fast das Fünffache höher als ursprünglich veranschlagt. Den Zollverein-Fans ging es von Beginn an darum, eine öffentliche Diskussion um die Kosten zu vermeiden.
Das Weltkulturerbe Zollverein kostet die Menschen in NRW viel Geld. Wie teuer die ehemalige Zeche tatsächlich ist, war bis jetzt weitgehend unbekannt. Nach Recherchen dieser Zeitung flossen saftige dreistellige Millionenbeträge ins Projekt – dabei sollte es einst nur 90 Millionen Euro kosten. Nun wird deutlich: Die Sanierung hat den Steuerzahler bis dato fast das Fünffache gekostet. Aktuelle Schätzungen lagen dagegen meist bei rund 160 Millionen Euro.
Aus Projektlisten der Bezirksregierung Düsseldorf und des Wirtschaftsministerium NRW geht hervor, dass die Sanierung fast 440 Millionen Euro verschlungen hat. Die EU, der Bund und das Land NRW haben davon mindestens 350 Millionen Euro bezahlt. Der Restbetrag ist offen, die Stadt Essen sagte auf Anfrage nicht, wie hoch ihr Anteil an den Gesamtkosten ist.
„Wir machen alles platt“
Wären die Zahlen vor 25 Jahren absehbar gewesen, Zollverein wäre in dieser Form niemals saniert worden. Karl Ganser war Ende der 80er Jahre im Bauministerium für den Denkmalschutz und damit die Zeche Zollverein zuständig. „Die Position der Stadt Essen war damals: ‚Wir machen alles platt‘“, sagt Ganser heute. „Jede Zahl wäre illusorisch gewesen, die wollten doch nur den Doppelbock stehen lassen. Ich hab’ damals gesagt: Lass uns mal mit zehn Millionen anfangen, dann sehen wir weiter.“
Allein die Standorte des Weltkulturerbes verschlangen nach Angaben des Landes mit Kokerei, Schacht XII und Schacht 1/2/8 eine Fördersumme von rund 251 Millionen Euro. Doch das ist längst nicht alles. 15 Millionen Euro Zustiftung des Landes für die Stiftung Zollverein müssen addiert werden. Weitere 13,45 Millionen Euro fließen als institutionelle Förderung des Landes in die alte Zeche, 1,4 Millionen Euro zahlt der Regionalverband Ruhr, 13,75 Millionen Euro fließen aus dem Bundesprogramm für Welterbestätten und eine Million Euro kommt vom Bundesbeauftragten für Kultur für die Kulturhauptstadt. Das ergibt: 295 515 278 Euro.
Wohin die Millionen im Detail geflossen sind - der Überblick
Zollverein-Sanierung hat den Steuerzahler 335,6 Millionen Euro gekostet - mindestens
Diese 295 Millionen beziehen sich allein auf den Hauptstandort. Will man wissen, wie viel die Sanierung der gesamten Zeche gekostet hat, muss das Geld addiert werden, das in andere Zollverein-Standorte geflossen ist, unter anderem Schacht 3/7/10 und Schacht 4/5/11. Hier haben Land, Bund und EU noch einmal mehr als 40 Millionen Euro investiert. Insgesamt hat die Sanierung des gesamten Geländes den Steuerzahler damit mindestens 335,6 Millionen Euro gekostet.
Was fehlt? Der Anteil der Stadt Essen. Deren Ausgaben konnten weder Bezirksregierung, noch Wirtschaftsministerium mitteilen. Auch die laufenden Kosten der Zeche sind bislang nicht bekannt. Die Stadt schreibt auf Anfrage, dass die Liste der Bezirksregierung Düsseldorf „sämtliche Fördermaßnahmen für die Förderkulisse der ‚Sozialen Stadt‘ Katernberg aufführt. Die benannten Fördermaßnahmen kommen dementsprechend nicht ausschließlich Zollverein zugute.“ Das ist nach Aussage des Wirtschaftsministeriums falsch.
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17:51
kopfgeburten der politischen kaste werden immer teuer. na und-sie brauchen es doch nicht bezahlem. gibt doch genug beispiele-hamburg, flughafen berlin usw.
diese verschwender müssten öffentlich geächtet werden, kein hund dürfte von denen noch einen knochen annehmen.
@marcwause
schön das essen viel geld bekommt-von wem wohl??fällte es als geschenk vom himmel.
erst denken dann schreiben!!
14:53
Liebe WAZ,
was soll dieser Artikel?
Kaum gibt es mal etwas positives in unserer Stadt, schon macht Ihr es wieder mit Eurem kaputt.
Freut Euch doch mit den anderen Essenern, dass endlich mal wieder viel Geld in unsere Stadt fließt.
23:03
Die Sanierung an sich hat nur einen Bruchteil der Kosten ausgemacht. Teuer waren die ganze typische Klotzerei und Großkotzigkeit, mit der man in manchen Ruhrgebietsstädten immer wieder an solche Themen herangeht. Da müssen eben immer gleich Star-Architekten sich ein Denkmal setzen dürfen, Leuchtturmprojekte, teure GmbH-Konstrukte mit teuren Geschäftsführungen, Mega-Rolltreppen usw. usf. her - das Beste und Größte ist gerade gut genug.
Der Landschaftspark Duisburg Nord wurde deutlich bescheidener erhalten, Industrie-Weltkulturerbe in anderen deutschen Städten (Völklingen, Goslar) längst nicht so spinnert und teuer erhalten. Das Problem auf Zollverein war nicht der Erhalt, sondern der Hang der Handelnden sich unbedingt sündhaft teure Denkmale setzen zu müssen. Woanders denkt man viel bescheidene und lässt auch jede Menge Ehrenamtler an entscheidenden Stellen ran. An der Ruhr wird solches Engagement eher unterbunden, auf Gästeführer, "Volunteers" usw. beschränkt.
18:09
Das Problem ist nicht das Kulturerbe an sich,
das eigentliche Problem (nicht nur für Essen), wenn die Bürgerlichen zuschlagen, dann darf es richtig teuer werden.
der kleine Mann wirds schon richten,
dann dürfen es goldene Wasserhähne sein, Sessel für den Preis für einen guten Gebrauchtwagen und so weiter und sofort!
Stoppt die bürgerlcihen Kulturbanausen.
Begriffe wie "goldene Wasserhähne" sind ja wohl weit übertrieben was Zollverein angeht - sowas gibt es ja wohl eher in VIP-Logen der Fußballtempel. Und wenn wir schon bei solchen Vereinfachungen sind: Wer sind denn "die Bürgerlichen" ? Wir leben doch in einer Gesellschaft der verschiedensten Milieus. Da so zu tun als wenn es "die Bürgerlichen" gäbe ist so simpel, als wenn Fußball mehrheitlich was für "Proleten" wäre - so einfach ist das nun wirklich nicht!!!
@ mit_offenen_Augen | #25
Die assozialen linken oder die Sozis lassen doch nur Ihre Stadtteile verkommen und kümmern sich nicht um ihr Umfeld.
Ohne die Bürgerlichen wäre Essen nur noch ein Schutthaufen.
18:09
Warum wird nur über Kosten und nicht über den Nutzen gesprochen? Die Summe bezieht sich auf einen Zeitraum von gut 25 Jahren seit der Stilllegung!!!!
Und ist es nicht sinnvoll, im Bestand viele neue Nutzungen zu haben als hohe Abrisskosten mit zusätzlichen Kosten für Neubauten mit derart vielen diversen Nutzungen wie auf Zollverein. Immerhin arbeiten inzwischen in gesamten Zollverein-Areal rund 1500 Menschen dort in diversen Bereichen und Unternehmen, auch in Privatunternehmen!!! Tendenz weiter steigend. Und wer dies nicht weiß, sollte sich mal genauer erkundigen.
Hinzu kommt, dass Gelder über die Vermietung und Vermarktung und erbrachte Leistungen auch retour fließen u.a. auch ins Steuersäckel.
Nicht zu vergessen, der ideelle Wert als Denkmal. Weltkulturerbe und Lernort mit unzähligen Bezügen zu Gestern, Heute und Morgen - wir brauchen doch den zunehmend wichtigeren Rohstoff der Bildung!! Lernen an dem was war und ist und wird!
16:03
Na und?!
Na toll liebe WAZ ! Da habt ihr ja wieder ein Fass aufgemacht!
13:41
Bin da zwiegespalten. Das die wirklichen Kosten unter die Decke der öffentlichen Hand gehalten werden ist nicht zu tolerieren und macht den Bürger unmündig. Wir Ruhris brauchen aber auch Vorzeigeobjekte wie sie jede Region hat. Ob Köln seinen kostenintensiven Dom, Berlin sein Schloß oder Neuschwanstein im Süden. Jetzt muß aber dafür auch die Relation der Investition stimmen. Was bekomme ich an kulturellen Wert, an Besuchern und Image, an neuen Firmen und Steuergeldern und die müssen an die Kosten gegengerechnet werden. Wie sieht es mit dem Erhaltungsaufwand aus bei den vielen verrosteten Stahl? So kommt dann wirklich heraus ob es sinnvoll ist. Ich selber bin dort erst zweimal gewesen und hätte mehr von besseren Nahverkehr, schöneren Stadtbild, besserer Grünpflege, neuen Linien, eigenes Essener Erlebnisbad mit Saunalandschaft und ein sofortiges komplettes Stadion sowie eine nachhaltige bessere Finanzausstattung unserer Theater und Jugendeinrichtungen.
13:38
...das Projekt Zollverein ist vermutlich wie die Eurorettung "alternativlos".
13:18
#13 Es geht hier nicht um kulturelle Veranstaltungen, sondern um Exzesse bestimmter Projekteure, die sich für die Ewigkeit verwirklichen wollen, aber nicht haften müssen.
Aber was soll man auch von einem doppel Dr erwarten, der wahrscheinlich nur
copy and paste kennt ...
Ihren unsachlichen Kommentar bezüglich eines Doppeldoktors übersehe ich mal, da dieser auf sie selbst zurückfällt. Wenn Sie mal den Kommentar von Boisfeuras lesen, wissen Sie, dass es eben nicht nur um Verschwendung bei Großprojekten geht, sondern generell um die Legitimität von Kulturausgaben in unserer Gesellschaft und um Verteilungskämpfe knapper ressourcen. Wenn sie diesen Zusammenhang nicht erkennen können, ist das ihr Problem aber pöbeln Sie bitte andere Kommentatoren nicht an.
12:27
Ich kann das Wort "Projekt" nicht mehr hören.