Sechs Jahre Gefängnis für Priester wegen Kindesmissbrauchs

Sechs Jahre Haft: So lautet das Urteil im Krefelder Missbrauchsprozess.
Sechs Jahre Haft: So lautet das Urteil im Krefelder Missbrauchsprozess.
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Was wir bereits wissen
Wegen 25-fachen Kindesmissbrauchs muss ein Krefelder Priester sechs Jahre ins Gefängnis. Der Mann hatte sein Patenkind und dessen Bruder missbraucht.

Krefeld.. Ein katholischer Priester ist wegen Kindesmissbrauchs in Krefeld zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht sprach den 56-Jährigen am Freitag wegen schweren sexuellen Missbrauchs, Kindesmissbrauchs und Missbrauchs von Schutzbefohlenen schuldig. Das Gericht sah 25 Taten als erwiesen an. Der Geistliche habe sein Patenkind und dessen jüngeren Bruder missbraucht. Dabei sei er einer Strategie gefolgt, sagte der Vorsitzende Richter: "Er wollte sich die jungen Menschen als seine Partner heranziehen." Das Gericht ging mit seinem Urteil noch über den Strafantrag der Staatsanwältin hinaus, die fünfeinhalb Jahre beantragt hatte.

In seinem Schlusswort hatte sich der Pfarrer bei den Opfern entschuldigt. Sein Verteidiger hatte in dem Prozess bereits eingeräumt: "Der größte Teil der Vorwürfe ist richtig."

Der Pfarrer soll sich an seinem Patenkind vergangen haben, seit der Junge elf Jahre alt war. Der Missbrauch erstreckte sich seit 2001 über einen Zeitraum von fünf Jahren. Die Hoffnung seines Bistums, der suspendierte Pfarrer möge mit einem raschen Geständnis seinen mutmaßlichen Opfern erneutes Leid durch den Auftritt vor Gericht ersparen, erfüllte sich in dem Prozess nicht. Beide Opfer, inzwischen erwachsen, mussten unter Ausschluss der Öffentlichkeit aussagen.

Weitere Missbrauchs-Vorwürfe in Südafrika

Der Priester war zuletzt im Auftrag der Auslandsseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz in Südafrika eingesetzt. Nach Missbrauchs-Vorwürfen dort und entsprechenden Ermittlungen war er suspendiert worden. Das Strafverfahren in Südafrika wurde im Juni 2014 allerdings eingestellt. Wegen eines internationalen Haftbefehls wurde er wegen der erhobenen Vorwürfe ausgeliefert.

Nach der Selbstanzeige des Pfarrers hatte Aachens Bischof Heinrich Mussinghoff den Geistlichen vom Priesterdienst suspendiert und die Glaubenskongregation in Rom über die Vorwürfe informiert. Sie wird über die Entlassung des Pfarrers aus dem Priesteramt entscheiden, sobald das Urteil rechtskräftig ist.

Ob der Verurteilte in die Revision geht, blieb am Freitag unklar. "Wir hoffen sehr, dass er sich nun seiner Verantwortung stellt und das Urteil annimmt. Alles andere halten wir, auch im Sinne der Opfer, für inakzeptabel", sagte Bistumssprecher Stefan Wieland. (dpa)