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Schon nach 20 Tagen an der Schule verantwortlich für Unterricht

Unterrichtsausfall – verkürzte Lehrerausbildung bringt Schulen in Nöte
Unterrichtsausfall: 2100 Lehramtsanwärter in NRW machen im kommenden Januar ihre Abschlussprüfung - und bringen viele Schulen in NRW damit in Personalschwierigkeiten.Foto: Archiv/Udo Prechtl

„Ihre Kenntnisse sind sehr unterschiedlich“, sagt der Oberhausener Schulleiter Willert zum Leistungsstand seiner Referendare. Entsprechend schwer haben es die Referendare zum Teil, sich in den Schulbetrieb einzufinden. „Die Lehramtsanwärter wurden nach der alten Ausbildungsverordnung ausgebildet, werden aber in die neue hinein gezwängt“, bemängelt Willert.

So hatten Referendare bis dato insgesamt eine sechs Monate lange Einarbeitungszeit. Jetzt ist sie reduziert auf drei Monate, was bei Willerts Lehramtsanwärter, die zum 1. Mai an der Schule angefangen haben, auf etwas mehr als 20 Schultage hinauslief, an denen sie tatsächlich in der Schule waren und von erfahrenen Lehrkräften aufs Unterrichten vorbereitet werden.

„Man wird krass ins kalte Wasser geworfen“, beschreibt Marcel Groth die Situation. Der 28-Jährige startet diesen November in sein Referendariat. Was er jetzt schon weiß: Bereits nach eineinhalb Monaten an der Schule wird er erstmals von einer Ausbildungs-Kommission im Unterricht begutachtet werden. „Weil das noch vor Weihnachten erfolgen soll“, erklärt Groth, der Lehrer für Geschichte und praktische Philosophie werden will. Groth kritisiert zudem, dass die Zeit zwischen Uni-Abschluss und Start ins Referendariat bei ihm vier Monate gedauert hat; eigentlich soll der Übergang ohne große Lücke verlaufen. Aber Examens-Zeiten an den Hochschulen und die Einstellungs-Termine der Schulen seien nicht aufeinander abgestimmt.

Neue Aufnahme-Termine bringen Personalplanung an den Schulen durcheinander

Dass er künftig verstärkt mit Unterrichtsausfall zu kämpfen haben wird, ergibt sich aus Sicht von Harald Willert zwangsläufig mit der verkürzten Lehrerausbildung: „Die neun Referendare entsprechen bei uns etwa dreieinhalb Lehrerstellen“. Und auch Willert muss sich auf einer Lücke bei der Personalplanung einstellen. „Früher konnten wir besser mit den Referendaren planen, weil sie zwei komplette Schuljahre bei uns waren.“ Jetzt ist der Hauptaufnahme-Termin der 1. Mai und je nach Ausbildungsort der 1. November. Das heißt aber, dass Schulen künftig aufs Schuljahr berechnet drei Monate lang auf neue Lehramtsanwärter warten müssen.

Wann Lehramtsanwärter an die Schulen kommen ist regional unterschiedlich und hängt davon ab, welchem der landesweit 33 „Zentren für die schulpraktische Lehrerausbildung“ sie zu zugeteilt sind. So wird an den Schulen in Oberhausen, Düsseldorf und Krefeld zum Beispiel künftig stets zum 1. Mai eingestellt. Schulen in Duisburg, Solingen und Neuss wiederum haben den Einstellungstermin zum 1. November.

Schul-Ministerium räumt negative Folgen an den Schulen ein

Im NRW-Schulministerium gesteht man ein: „In der einzelnen Schule können durch den nicht durchgängigen Einsatz der Lehramtsanwärter Schwankungen in der Unterrichtserteilung entstehen.“ Um das zu verhindern, müssten die Schulen eben organisatorisch „gegensteuern“, sagt ein Ministeriums-Sprecher. Und: „Den Schulleitungen stehen zum Ausgleich vorübergehender Schwankungen ihres Stundendeputats die Instrumente der flexiblen Stundentafeln und des flexiblen Einsatzes der Lehrkräfte zur Verfügung“. Der Sprecher räumt allerdings ein, dass davon nicht alle Schulen profitieren können: „Einen zusätzlichen ‚Vertretungspool’ gibt es für die Grundschulen, nicht für die Gymnasien“.

Wieder ein Punkt, der Harald Willert in Oberhausen nicht mehr von „Glück“ reden lässt: Im August 2013 „hab’ ich ein Problem“ – weil dann seine neun Referendare die Schule verlassen. Um die Zeit bis zum nächsten Einstellungstermin zu überbrücken aber kann Willert, wie er sagt, keinen zusätzlichen Lehrer einstellen: „Das geht nur bei Elternzeit oder Schwangerschaft“. Fehlende Lehramtsanwärter gelten da nicht.

Dagobert Ernst

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Kommentare
14.10.2012
15:20
Unterrichtsausfall – verkürzte Lehrerausbildung bringt Schulen in Nöte
von OBnrw | #9

Genau das wird uns auch treffen. Die Kollegin hat ihre Prüfung super bestanden und wird jetzt natürlich richtiges Geld verdienen wollen für das, was sie leistet. Geschichte dürfte kein Problem sein. Aber wer unterrichtet die Klasse jetzt in Französisch im Wahlpflichtbereich?

In NRW hat für Schulpolitik schon immer gegolten: Avanti Dilettanti!

14.10.2012
14:33
Unterrichtsausfall – verkürzte Lehrerausbildung bringt Schulen in Nöte
von altesholz | #8

@ Peter_M ich bin zwar kein intellektueller überflieger, wie sie unterstellen, sondern ein gut informierter unternehmer, der auch akademiker beschäftigt und einen ausbildungsbetrieb besitzt. daher weiß ich auch, dass sie keine ahnung haben. denn das system der staatsexamen ist in nrw und in den meisten bundeslaendern doch längst abgeschafft. es gibt nur noch den ba und den master, auch fürs lehramt. und hören sie mal mit der mitleidstour auf. lehrer verdienen genug, haben mehr freizeit als andere arbeitnehmer und sind auch als angestellte im gehobenen dienst gut versorgt. andere studierte angestellte fangen im tvöd auch "unten" an. so ist das eben nach der abschaffung des bat. das hat verdi und die gew anstandslos mitgemacht. manch ein ingenieur von der fh oder uni wäre dankbar, solche privilegien zu besitzen. überhaupt gehört das gesamte beamtensystem auf den prüfstand, nicht nur bei lehrern.

1 Antwort
Unterrichtsausfall – verkürzte Lehrerausbildung bringt Schulen in Nöte
von Majobo | #8-1

Stammtischvorurteile gegenüber dem Lehrerberuf...klasse Argumentation. Sie haben zwar Recht, dass das Lehramtsstudium nun mit dem Master of Education angeschlossen wird, nichtsdestotrotz wird dieser Abschluss in das 1. Staatsexamen umgewandelt, so dass die Referendare im Februar alle ihr 2. Staatsexamen absolvieren. Also Vorsicht vor voreiligen Beleidigungen!
Und wegen dem ins-kalte-Wasser-Schmeißen, würden Sie wollen, dass ihre Kinder in der Einführungsphase der Oberstufe in abiturrelevanten Fächern von unerfahrenen Anfängern auf ihr Abitur vorbereitet werden?!

14.10.2012
14:00
Unterrichtsausfall – verkürzte Lehrerausbildung bringt Schulen in Nöte
von lyx7 | #7

Partik | #5 beschreibt die Lage zutreffend. Es ist vom Land schlicht eine Unverschämtheit, dass von Lehrlingen (und nichts anderes sind Referendare schließlich) erwartet wird, dass sie bereits die Leistung eines voll ausgebildeten Lehrers erbringen sollen.

Oder überspitzt gefragt: Wer möchte tatsächlich von einem Arzt operiert werden, der erst noch lernt - am Patienten? Nichts anderes aber geschieht in übertragenem Sinne in unseren Schulen. Hauptsache, es ist ein billiges Sparmodell für den Landesfinanzminister.

14.10.2012
13:08
Unterrichtsausfall – verkürzte Lehrerausbildung bringt Schulen in Nöte
von greybeard | #6

Zitat: "Im NRW-Schulministerium gesteht man ein: „In der einzelnen Schule können durch den nicht durchgängigen Einsatz der Lehramtsanwärter Schwankungen in der Unterrichtserteilung entstehen.“ Um das zu verhindern, müssten die Schulen eben organisatorisch „gegensteuern“, sagt ein Ministeriums-Sprecher."
D.h. Das Schulministerium macht den Fehler, weiß auch darum, überlässt es aber der einzelnen Schule, diesen Fehler auszubügeln. Das nenne ich doch mal eine gelungene Politik. Lang lebe die Kompetenz unseres Schulministeriums!

14.10.2012
12:45
Die Ausbildungszeiten ...
von Partik | #5

... sind aber gar nicht das Problem. Auch wenn es auf dem gesamten Arbeitsmarkt mittlerweile Normalität geworden ist, Auszubildende jeglicher Art als billige Teilzeitkraft zu missbrauchen, so ist die Form der Ausbildung sicher keine Stümperei, wenn die Ausbildungszeiten nicht perfekt darauf ausgerichtet sind.

Und wie das im Wirtschaftsleben aussieht, kennt man ja: nach der Uni erstmal ein paar Jahre lang nur eine Stelle als Praktikant oder als "second second Assistent Manager" mit mieser Bezahlung, der den Altgedienten die Arbeit abnimmt, bevor er in den erlauchten Kreis der Festangestellten hinein darf ...

Es ist letztliche eine Unverschämtheit, aus Kostengründen massenweise Referendare fest einzuplanen, uns sich dann von allen Seiten zu beschweren, dass die Ausbildung schon vor dem Antreten der Nachfolger endet.

Wenn genügend Referendare da wären, würde sich wahrscheinlich wiederum darüber beschwert, dass die Schüler von zu wenig Fachkräfte mit langer Praxis unterrichtet würden.

14.10.2012
12:07
Unterrichtsausfall – verkürzte Lehrerausbildung bringt Schulen in Nöte
von Peter_M | #4

@ altesholz
Sie scheinen ja ein intellektueller Überflieger zu sein. Ich bin zwar kein Lehrer, weiß aber im Gegensatz zu Ihnen recht gut wie deren Ausbildung ausschaut. Studium zur Erlangung des 1. Staatsexamens, danach Ausbildung im Studienseminar zur Erlangung des 2. Staatsexamens. Seit diesem Jahr wird im Studienseminar nur noch 18 Monate Ausgebildet. So schaut die Ausbildung für Lehrer aus. Getätschelt wird da keiner. Während der 18monatigen Ausbildung wird für 1100 Brutto gelernt und gelehrt. Leider seit der Kürzung auf 18 Monate eher gelehrt als gelernt (billige Arbeitskraft). Bzgl der Steuer, gerne würden Lehrer mehr Steuern zahlen, dass würde nämlich auch bedeuten dass sie mehr Gehalt bekommen. Die meisten Lehrer heute nach einer 7-8jährigen Ausbildung in den Beruf starten sind Angestellte. Die Anfangsgehälter sind bei Grund-, Haut-, Real-, und Gesamtschullehrern Sek 1 Brutto 2724.76 Netto 1676.21 und Bei Sek 2 und Förderlehrern Brutto 3150.61 Netto 1872.51 € (StKl1)

14.10.2012
10:40
Unterrichtsausfall – verkürzte Lehrerausbildung bringt Schulen in Nöte
von altesholz | #3

wann hört dieses getätschel endlich auf? immer wieder gibt es sonderrechte für die priviligierte berufsgruppe der lehrer. andere menschen haben auch studiert und müssen nach ihrer ausbildung sofort ins kalte wasser des berufs springen. da hält auch niemand händchen. entweder ist man geeignet - oder nicht! im gegensatz zu den gut versorgten lehrern müssen diese akademiker aber jeden tag zusehn, wo sie bleiben, zahlen steuern bis zum abwinken und müssen sich um ihre altersversorgung sorgen. bei den lehrern sollte die politik den ball endlich flach halten, weil der unmut in der bevölkerung allmählich steigt.

2 Antworten
Unterrichtsausfall – verkürzte Lehrerausbildung bringt Schulen in Nöte
von KritischeBuergerin | #3-1

Ihr Kommentar ist ja witzig. Anscheinend mache ich was falsch. Erklären Sie mir doch kurz, wie ich es anstelle, keine Steuern mehr bis zum Abwinken zu zahlen, da ich doch Lehrer bin. Danke im Voraus für hilfreiche Tipps!

Unterrichtsausfall – verkürzte Lehrerausbildung bringt Schulen in Nöte
von freundedernacht | #3-2

Das Getätschel der Shift-Taste hat bei Ihnen wohl auch schon länger aufgehört, altesholz. Dabei schreiben Sie leider völlig am Thema vorbei. Hier geht es nicht um irgendeine privilegierte Berufsgruppe, sondern darum, wie junge Leute in ihrer 2. Ausbildungsphase praktisch ausgebildet werden sollen, und welche organisatorische Großleistungen dazu im Ministerium ausgedacht worden sind. Vom wirklichen Berufsleben sind die jungen LAA noch so weit weg, wie Sie von der Realität abseits eines mittlerweile anachronistischen Stammtischdenkens.
Wie PeterHahn schon schreibt, werden angehende Mediziner auch nicht direkt in den OP geschickt, Juristen durchlaufen ein zweijähriges Referendariat und viele meiner Kollegen haben sich in den letzten Jahren in der Praktikumsschleife ihre Erfahrung erwerben müssen, unentgeltlich.
Toll ist die Situation auch für die Schüler - vor wichtigen Prüfungen wie ZAP oder Zentral-Abitur noch einen systembedingten Lehrerwechsel zu durchlaufen ist sehr sinnvoll.

14.10.2012
09:39
Unterrichtsausfall – verkürzte Lehrerausbildung bringt Schulen in Nöte
von PeterHahn | #2

Haben Sie was gegen die Beihilfe? Spricht da Neid oder Unwissenheit?

ZT: Die LAAs sind nicht dazu da, der unfähigen Regierung aus der Patsche zu helfen. Immerhin sind sie in der Ausbildung! Was hat die mit dem Schuljahr und dem Bedarf zu tun? Als langjähriger Ausbilder von LAAs weiß ich, dass der bedarfsdeckende Unterricht auch zur Katastrophe und persönlichen Niederlage werden kann - mit der (falsche) "Erkenntnis", für den Beruf nicht geeignet zu sein! Einen Medizinstudenten lässt man auch nicht allein operierend auf die Patienten los, aber wahrscheinlich kommt das auch noch.

14.10.2012
09:19
Nur gut, daß Deutschland keine Bildungsrepublik ist,
von vantast | #1

sonst müßte man alle Schulministerien wegen (immer wieder) erwiesener Unfähigkeit schließen. Leidtragende sind die jungen Leute, die für die institutionelle Inkompetenz immer wieder neu zahlen müssen. Zum Glück bleiben aber wenigstens die beihilfeberechtigten Arbeitsplätze in der umfangreichen Bürokratie erhalten.

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