Schäden auch an den Hauptträgern

Duisburg..  Nicole de Witt beschönigt nichts: „Eigentlich ist das Bauwerk am Ende“, sagt die Brückenexpertin vom Landesbetrieb Straßen NRW. 100 000 Autos pro Tag , darunter normalerweise knapp 11 000 Lkw – für so viel Verkehr war die A40-Rheinbrücke bei Duisburg-Neuenkamp im Jahr 1970 nicht gebaut worden. De Witt und Kollegen haben in der müde gewordenen Brücke praktisch überall Risse und Brüche entdeckt, jetzt auch im Bereich der Hauptträger. Weil der Neubau aber noch auf sich warten lässt, müssen zumindest die großen Risse aufwändig saniert werden – und das dauert länger als zunächst angenommen.

Immer neue schlechte Nachrichten für Pendler und die heimische Wirtschaft: Die Teilsperrung in Fahrtrichtung Essen dauert drei Wochen länger, teilte das NRW-Verkehrsministerium gestern mit. Bis Anfang Mai steht hier nur eine Spur zur Verfügung, damit an der Brücke in Ruhe geschweißt werden kann. Dann folgt voraussichtlich bis Mitte Juni die Fahrtrichtung Venlo. Fünf Wochen lang steht auch da nur eine Spur zur Verfügung, Lkw müssen über die A 42 ausweichen.

Neue Brücke frühestens2025 oder 2026 fertig

Wenn diese Arbeiten beendet sind, sollen auch wieder Lkw über die Brücke rollen können, hieß es gestern. Schon jetzt ist aber klar: Die angeschlagene Rheinquerung wird nicht mehr so viel Verkehr aufnehmen können wie vorher. Statt drei in jede Richtung wird es künftig nur zwei Spuren geben. Die Staugefahr steigt also auch so. „Mit dem Auftreten weiterer Schäden muss zudem gerechnet werden“, betonte Fachfrau de Witt. Bereits im Herbst stehen wieder Arbeiten an. Dann wollen die Fachleute aber mit Teilsperrungen an Wochenenden auskommen. Zumindest etwas Gutes konnte Minister Michael Groschek (SPD) gestern verkünden: Der Bund hat die Neuenkamper Brücke ins verkürzte Planungsverfahren aufgenommen. Zudem soll eine Machbarkeitsstudie für das neue, mehr als 160 Millionen Euro teure Bauwerk noch in diesem Frühjahr vorliegen. Das war es dann aber auch mit dem Guten. Bis die neue Rheinquerung komplett zur Verfügung steht, gehen wohl noch mindestens zehn Jahre Land. Planung und Vergabe sind aufwändig. Ein Baubeginn erscheint frühestens 2020 möglich (fertig dann: 2025/2026) Ein Neubau der baugleichen, ebenfalls maroden Leverkusener Rheinbrücke soll 2023 fertig sein – wenn es gut läuft.

Die Wirtschaft sieht den Zustand mit großer Sorge: „Mit jedem Tag Teilsperrung leidet die Erreichbarkeit unseres internationalen Industrie- und Logistikstandortes“, so Burkhard Landers, Präsident der Niederrheinischen IHK. Die Kammer hat nach einer Umfrage bei Firmen einen volkswirtschaftlichen Schaden von 3,5 Mio Euro errechnet – pro Woche.