Zweifelhafte SMS an Frauen - Pfarrer soll Seelsorger bleiben

Die neugotische Sankt-Ida-Kirche im Lippetaler Ortsteil Herzfeld. hier hat ein Pfarrer Dutzende zweifelhafte Nachrichten an Frauen aus der Gemeinde verschickt.
Die neugotische Sankt-Ida-Kirche im Lippetaler Ortsteil Herzfeld. hier hat ein Pfarrer Dutzende zweifelhafte Nachrichten an Frauen aus der Gemeinde verschickt.
Foto: Hans Blossey
Was wir bereits wissen
Ein Pfarrer hatte Frauen in Lippetaler Gemeinde Dutzende SMS aufgedrängt. Der Mann bleibt als Seelsorger im Dienst - aber nur in der zweiten Reihe.

Lippetal.. „Hat unser Pfarrer denn etwas Böses getan“, fragt ein älterer Herr in der Gemeindeversammlung der Katholischen Pfarrgemeinde St. Ida in Herzfeld und Lippborg und verursacht ein Raunen unter den 400 Zuhörern im Bürgerhaus. Domkapitular Hans-Bernd Köppen aus Münster ergreift das Wort: „Er hat nichts Kriminelles getan. Aber richtig war es nicht.“

Der ehemalige Pastor von St. Ida hat teilweise massenhaft elektronische Nachrichten an mehr als zehn weibliche Gemeindemitglieder verschickt, teilweise mitten in der Nacht. Eine junge Frau erhielt in einem Jahr 1000 SMS, E-Mails und Whatsapp-Nachrichten, bestätigt der Domkapitular. Und Weihbischof Stefan Zekorn ergänzt: „Es war unkluges Verhalten und ein unangebrachter Umgang mit Kommunikationsmitteln.“

Nachrichten waren laut Weihbischof nicht "sexuell übergriffig"

Der Umgang mit den Gerüchten und späteren eindeutigen Hinweisen hat die Kirchengemeinde im Kreis Soest – mit Mitgliedern aus zwei Lippetaler Ortsteilen – über Monate vor eine Zerreißprobe gestellt. Das spüren Beobachter in der Gemeindeversammlung am Mittwochabend, die die Fronten aufweichen und offene Fragen beantworten sollte.

Religion Eine Kommission, so Weihbischof Zekorn, habe eindeutig festgestellt, dass die Inhalte der elektronischen Nachrichten nicht „sexuell übergriffig“ waren. Aber er habe zum Teil sehr viele SMS verschickt und teilweise zu „Unzeiten“ – „verständlich, dass sich die jungen Menschen bedrängt gefühlt haben“.

„Er hat als Seelsorger gute Arbeit geleistet"

Straf- und kirchenrechtlich aber habe sich der Geistliche nichts zu schulden kommen lassen. Zekorn: „Er hat als Seelsorger gute Arbeit geleistet. Er war den Menschen nah.“

Adressaten der Nachrichten waren „jüngere Mädchen bis hin zu gestandenen Frauen“, sagt Domkapitular Köppen und erteilt der „Radikalforderung“, den Pfarrer nicht mehr in einer Gemeinde im Bistum Münster einzusetzen, eine Absage. Der Pastor werde eine Therapie machen und wieder seelsorgerisch eingesetzt: „Nicht als leitender Pfarrer, sondern in der zweiten Reihe.“