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Zu wenig Bio-Hähnchen - Steigende Nachfrage bei Verbrauchern

09.02.2012 | 18:17 Uhr
Zu wenig Bio-Hähnchen - Steigende Nachfrage bei Verbrauchern
Bio ist kein Massengeschäft. Ein Hähnchen kostet bis zu 20 Euro. Foto: Horstgünter SiemonFoto: WR

Hagen.  Weder Brust noch Keule? Wer beim Hähnchen auf Bio setzt, kann derzeit bisweilen den in der Überflussgesellschaft sonst sehr ungewohnten Satz hören: „Das ist aus.“ Die Produktion hält mit der steigenden Nachfrage nicht immer Schritt.

Die veränderten Vorlieben mancher Verbraucher hängen zusammen mit dem Ende vergangenen Jahres bekanntgewordenen flächendeckenden Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung. Doch das ist, man weiß es aus vielen Lebensmittelskandalen, ein vor­übergehendes Phänomen.

Das ist Eva Lisges, der stellvertretenden Geschäftsführerin vom Biokreis ökologischer Landbau NRW in Hilchenbach, bewusst: „In der Spitze bröckelt das wieder. Aber ein Teil der Kunden bleibt immer hängen. Deshalb wächst die Nachfrage seit Jahren stetig - und das schneller, als die Erzeuger mithalten können.“

Bio-Hähnchen kostet rund 20 Euro

Das muss nicht immer zu Lieferengpässen führen. „Wir haben unsere festen Lieferanten, mit denen wir seit Jahren gut zusammenarbeiten“, sagt Susanne Timmerbeil vom Wehringhauser Bioladen in Hagen. „Die lassen uns jetzt nicht im Stich.“ Die neue Kühltruhe für Frischgeflügel rentiere sich. Auch wenn sich die Kunden noch nicht um die Ware prügeln: „Der Preis ist eben deutlich höher.“ Für ein Bio-Hähnchen, das 1,5 bis 2 kg wiegt, sind gut 20 Euro fällig. Beim Discounter gibt es Massenware schon für 2,99 oder 3,99 Euro.

In den Regalen gibt es hier und da Engpässe bei Bio-Produkten. Foto: WAZ

„Bio ist kein Massengeschäft“, sagt Josef Bochem. Er ist bei der Edeka-Tochter Fleischhof Rasting in Meckenheim zuständig für den Einkauf von Frischgeflügel. „Nur wenige Kunden wollen die hohen Preise bezahlen.“ Allerdings würden es langsam und kontinuierlich mehr. Wegen der begrenzten Kapazitäten könne es in der Spitze schon einmal zum Engpass kommen.

Rewe setzt auf Ki-Roy-Hähnchen

Bei Rewe in Dortmund, zuständig für Ruhrgebiet und Sauerland, setzt man nicht auf Bio, sondern auf das Ki-Roy-Hähnchen, das „wie früher schmeckt“, von westfälischen Höfen stammt, mehr Platz hat und mehr Getreide frisst. Ein Kompromissgockel zum Preis von 5,49 Euro pro Kilo, der aber nicht in allen Läden erhältlich ist.

Mehr Bauern sollen ihre Betriebe auf Bio-Geflügel ausrichten. Foto: Hornemman

Rewe-Sprecherin Kira Limbrock sieht auch hier eine verstärkte Nachfrage. Den Absatz könne man durch vorübergehende Angebote steuern, aber kurzfristige Steigerungen, um auf Verbraucherwünsche zu reagieren, seien nicht möglich: „Da müssten wir erst die Bauern finden.“

Die sucht auch der in Südwestfalen stark vertretene Biokreis: „Wir ermuntern Betriebe, sich auf Mastgeflügel zu verlegen und machen im März ein Seminar zum Thema“, sagt Eva Lisges, „denn deutsche Landwirte können die Marktnachfrage nicht decken“.

Harald Ries

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