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Zu nass, zu kalt, zu windig - Gastwirte klagen übers Wetter

14.06.2013 | 15:58 Uhr
Zu nass, zu kalt, zu windig - Gastwirte klagen übers Wetter
Laue Sommerabende - davon hatten die Wirte im Sauerland bislang viel zu wenige.Foto: Ulrich von Born

Hagen/Siegen.  Das ausgefallene Frühjahrs- und Frühsommergeschäft in der Gastronomie Südwestfalens hat Spuren hinterlassen. Gastwirte berichten von bis zu 40 Prozent Umsatzminus. Jetzt hoffen sie auf besseres Wetter, insbesondere an den Wochenenden. Zu warm darf es allerdings auch nicht werden.

Entweder war es zu nass oder zu kalt oder zu windig. Meist kam alles zusammen. Und dazu noch das Rauchverbot ab Mai. Gemeint ist das ausgefallene Frühjahrs- und Frühsommergeschäft, das nicht nur in der Außengastronomie Südwestfalens seine Spuren hinterlassen hat. Auf 20 bis 40 Prozent schätzt Lars Martin, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) für Südwestfalen in Hagen die bisherigen Umsatzverluste in den Kneipen und Biergärten der Region.

„Draußen sitzen ging nicht“

„Bei Regen macht es keinen Spaß, sich in einen Biergarten zu setzen“, meint er. „In den Kneipen sind die Leute wegen des Rauchverbots weggeblieben - sie wollten sich zum Rauchen nicht in den Regen stellen - und draußen sitzen ging auch nicht“ , so Martin. Bis sich die Leute daran gewöhnt hätten, dass sie in Kneipen nicht mehr rauchen dürfen, werde es viele Betriebe nicht mehr geben. Das treffe auch Eisdielen. Investiert werde daher vor allem in Raucherunterstände in Hof oder Garten. „Die Betriebe wollen ihre rauchenden Gäste ja nicht an der Straße zur Schau stellen.“

 Ursache des Problems ist das ungewöhnlich kalte und nasse Frühjahr. Erst wollte die Kälte nicht weichen, dann kam der Regen hinzu, wobei der Norden Deutschlands deutlich besser abschnitt als der Süden. Aber nicht gut genug für gute Geschäfte an lauen Biergartenabenden. „Um das aufzuholen brauchen wir eine Dürreperiode“, sagt der Geschäftsführer. Aber zu heiß darf es auch nicht werden. „Bei über 27 Grad gehen die Leute nicht mehr in die Biergärten.“

Auch Tages- und Wandertourismus hat gelitten

Aber auch der Tages- und Wandertourismus im Sauerland hat gelitten. „Es gibt Umsatzrückgänge wegen des schlechten Wetters“, bestätigt Anna Galon vom Sauerland-Tourismus in Bad Fredeburg. „Das ist besonders ärgerlich in Monaten mit vielen Feiertagen.“ Das Sauerland sei nun einmal ein Kurzzeit-Ziel. „Was uns bis jetzt fehlt, sind die Spontan-Bucher, die aufbrechen, nachdem sie den Wetterbericht gelesen haben. Die Leute wollten wandern, radfahren und draußen sitzen.“

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Die Verbraucherschutzminister der Länder träumen von der Hygiene-Ampel. Für Gastwirte könnte sie zum Alptraum werden. Denn das Internet vergisst keine schlechten Noten. In Duisburg und Bielefeld soll im Juni ein Modellversuch starten für ein Gaststätten-„Kontrollbarometer“.

Karl-Anton Schütte vom Landhotel Schütte in Oberkirchen etwa ist sich zwar bewusst, dass das Terrassengeschäft im Sauerland „nicht so früh im Jahr beginnt.“ Aber sein Umsatzminus durch das schlechte Wetter im Mai und Juni von rund vier Prozent sei nicht mehr aufzuholen. Die Gäste buchten für die Ferien sehr kurzfristig. Daher sei das Wetter der nächsten drei Wochen entscheidend. „Nur bei wirklich guten Aussichten fahren die Leute ins Sauerland und nicht an die See“.

Die von der Außengastronomie abhängigen Brauereien schlagen zwar noch keinen Alarm, müssen nun aber auf einen Bomben-Hochsommer setzen. „Bis heute hatten wir noch keine Periode mit durchgehend warmem Biergarten- oder Grillwetter“, ärgert sich Ulrich Biene, Pressesprecher der Veltins Brauerei aus Grevenstein. „Die hochsommerlichen Korridore der vergangenen Jahre sind diesmal komplett ausgefallen.“

Schützenfeste laufen gut

Aber: Traditionsveranstaltungen wie die Schützenfeste im Sauerland laufen durchweg gut, auf manchen hat Veltins deutlich mehr Fassbier verkauft als zuletzt. „Aber da geht es auch um das Thema Event“, analysiert Biene. Motto: Unseren Spaß am Fest lassen wir uns durch das Wetter nicht vermiesen.

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Eine Absatz-Delle will der Veltins-Sprecher daher noch nicht ausmachen, weist aber vorsorglich darauf hin, dass der nationale Biermarkt bis April drei Prozent oder 800.000 Hektoliter verloren hat - das mit Abstand schlechteste Ergebnis überhaupt und nicht mehr aufzuholen, wie Biene anmerkt.

„Wir haken den Sommer noch nicht ab“, gibt er sich zuversichtlich - mit einer Einschränkung: „Die Urlaubszeit naht, und damit kommt stets eine gewisse Konsumzurückhaltung bei den Verbrauchern.“ Bienes Wunsch: „Hochsommer innerhalb der Woche ist schön. Aber nur, wenn er am Wochenende andauert, nutzt er auch Gastronomen und Brauereien.“

Stefan Pohl


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