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Klimawandel

Wintersport: Streit über den Schnee von morgen

10.02.2016 | 22:00 Uhr
Wintersport: Streit über den Schnee von morgen
Viel Wiese, wenige Schnee: Ski-Party am Ruhrquellenlift in Winterberg im November 2014.Foto: Jakob Studnar

Winterberg/Berlin.   Antwort der Bundesregierung zu den Folgen des Klimawandels für den Wintersport verärgert Liftbetreiber und Touristiker im Sauerland.

Die Bilder hat er noch vor Augen. Bärbel Höhn stapft auf der Postwiese in Neuastenberg durch den Schnee. Es muss irgendwann im Jahr 2003 gewesen sein. Die grüne Umweltministerin des Landes zeigt sich überzeugt von der Anschubfinanzierung über vier Millionen Euro für die Wintersportarena.

„Und heute gehört sie zu den Unterzeichnern der Anfrage an die Bundesregierung über die Folgen des Klimawandels für den Wintertourismus“, sagt Michael Beckmann, Tourismusdirektor in Winterberg. „Das irritiert schon sehr. Mir ist das Brötchen im Hals stecken geblieben.“

100 Millionen Euro privat investiert

Der 51-Jährige ist verärgert darüber, wie die Politik in Berlin mit dem Thema umgeht. „Es wird so getan, als ob wir die letzten Jahre verschlafen hätten.“ Er erinnert daran, dass mehr als 100 Millionen Euro in den vergangenen zehn Jahren in den Wintersport investiert worden seien. „Nur zur Erinnerung, das waren private Mittel und mitnichten Steuergelder.“

Natürlich verschließe niemand die Augen vor dem Klimawandel. Das Tourismuskonzept der Stadt baue längst nicht ausschließlich auf den Wintersport. Markus Tressel, der Bundestagsabgeordnete der Grünen aus Saarlouis, der jede Investition in die Skiinfrastruktur als eine Fehlinvestition bezeichne, lade er herzlich ein, sich ein Bild davon zu machen, „wie wir den Tourismus im Sommer in einem deutschen Mittelgebirge befeuern“. Der Abgeordnete sei sicherlich noch nie im Sauerland gewesen: „Sonst wüsste er, worüber wir hier sprechen.“

Die los getretene Lawine über das Aus deutscher Skigebiete wurmt Liftbetreiber Christoph Klante nicht weniger. „Hier geht es offensichtlich um Ideologie. Zu viele Leute in Berlin zerbrechen sich offenbar unseren Kopf, dabei haben wir in Europa derzeit doch ganz andere Probleme.“

Kunstschnee ist Voraussetzung

Der 55-Jährige hält nicht viel von Prognosen. „Wer weiß denn, was in 20 oder 50 Jahren auf dieser Welt los ist. Das ist unseriös.“ Wenn mit öffentlichen Mitteln Logistik-Zentren für den Online-Handel entlang der Autobahnen entstehen würden, mache sich offenbar niemand einen Kopf. „Wenn wir privat in Schneesicherheit investieren, wird das heftig kritisiert. Das kann nicht sein.“ Klante hält Schneesicherheit bis weit über das Jahr 2030 hinaus im Sauerland nicht für Zukunftsmusik.

Ähnlich sieht es Meinolf Pape, Sprecher des Skiliftverbandes Sauerland. Sicherlich sei die Beschneiung mit Kunstschnee Voraussetzung dafür, „dass das funktioniert“. Früher sei der Naturschnee auch stark schwankend gewesen, „heute liegen wir mit der Schneelage viel besser als in den 1960er oder 1980er Jahren“.

Widersprüchliche Aussagen

Von einer Unverfrorenheit spricht der 58-Jährige angesichts widersprüchlicher Aussagen in der Antwort der Bundesregierung. Auf der einen Seite werde zwei Dritteln deutscher Skigebiete die Zukunft abgesprochen, auf der anderen Seite schreibe der Monitoringbericht 2015 zur Schneesicherheit in den Jahren 1970 bis 2012, dass keine signifikanten Änderungen natürlicher Schneesicherheit registriert worden seien. Pape: „Die Politiker wissen nicht, worüber sie sprechen.“

So weit will Thomas Weber, Geschäftsführer vom Sauerland-Tourismus, nicht gehen. Seiner Ansicht nach haben sich die Urlaubsabsichten stark gewandelt. „Die Leute wollen eine Auszeit nehmen. Für sich, mit der Familie. Mit Schnee ist es schön, aber ohne ist es auch ein Gewinn.“ Daran arbeite die Branche. Außerdem glaube er nicht an den schnellen Klimawandel. „Das ist ein schleichender Prozess. Vor drei Jahren hatte wir so viel Schnee wie lange nicht.“

Joachim Karpa

Kommentare
14.02.2016
00:41
Wintersport: Streit über den Schnee von morgen
von Schiebener | #4

Es würde der Diskussion helfen, wenn der Monitoringbericht 2015 hier verlinkt wäre. Dann könnte man die Behauptungen von Herrn Pape überprüfen.

Ich...
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http://www.derwesten.de/region/sauer-und-siegerland/wintersport-streit-ueber-den-schnee-von-morgen-id11554535.html
2016-02-10 22:00
Sauer und Siegerland