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Winterberger Bergretter – "Rote Engel" von der Skipiste

22.01.2016 | 22:00 Uhr
Winterberger Bergretter – "Rote Engel" von der Skipiste
Unterwegs mit den Männern der Bergwacht. Mit modernen Motorschlitten und Quads sind die Retter in wenigen Minuten am UnfallortFoto: Ralf Rottmann

Winterberg.   Die "roten Engel" der Bergwacht Winterberg helfen verletzten Wintersportlern. Fast 600 mal mussten die 40 Mitarbeiter 2015 ausrücken.

Der Notruf geht gegen 11 Uhr bei der Leitstelle in Meschede ein: ein verletzter Skifahrer an der Talstation Poppenberg im Gebiet des Skiliftkarussells Winterberg. Ein Fall für die Männer von der Bergwacht Winterberg.

Patrick Sangermann und Philip Nöker schwingen sich auf ihren Motorschlitten und düsen erst einen Hang hinauf und dann eine andere Piste hinunter.

Ein Jugendlicher aus den Niederlanden hatte seine Skier verkantet und war gestürzt. Jetzt schmerzt der rechte Unterschenkel. Patrick Sangermann spricht ihn auf Englisch an („die jüngeren Niederländer können nicht mehr so gut Deutsch wie die älteren“) und schaut sich das Bein an. Die Blessur stellt sich als harmlos heraus, wenig später kann der junge Niederländer wieder Schwünge üben.

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Wer Markus Hennecke, Tobias Lutter, Marc Sartorius und Jörg Köster auf der Piste kennenlernt, hat meist ein Problem - und zwar ein gesundheitliches.

Ein überflüssiger Einsatz, oder? „Nein“, sagt Markus Hennecke, auch ein Angehöriger des Bergretter-Teams, „wir sind Dienstleister und für Gäste da, die Nöte haben.“ Eben „rote Engel“, wie die Bergretter auch genannt werden.

Der Besuch bei der Bergwacht beginnt in der Wache am Winterberger Bremberg. Aus dem Fernseher an der Wand ertönt Musik des österreichischen Radio-Senders Ö3. Die Alpen im Sauerland.

Keine Show-Effekte

Apropos Fernsehen: Gibt es die Helfer-Dramatik, wie sie in der ZDF-Serie „Die Bergretter“ präsentiert wird? Patrick Sangermann muss lachen: „Natürlich seile ich mich ständig von einem Hubschrauber ab oder springe gleich direkt aus dem Helikopter.“ Im Ernst: „Show-Effekte haben mit unserer täglichen Arbeit nichts zu tun“, sagt Markus Hennecke.

40 Mitarbeiter sind für die Bergwacht Winterberg - einer Einrichtung des DRK-Kreisverbandes Brilon - im Einsatz, pro Schicht sind es zwei bis sechs Bergretter. Der überwiegende Teil von ihnen arbeitet als Rettungsassistent im Rettungsdienst südwestfälischer Kreise und kümmert sich in Freischichten um Skifahrer und Snowboarder, die die üblichen Verletzungen zu beklagen haben: ausgekugelte Schultern oder verdrehte Knie zum Beispiel. 15 der Bergretter sind auch ausgebildete Skiwachtler der „Stiftung Sicherheit im Skisport“ des Deutschen Skiverbandes und für Präventionsmaßnahmen auf den Pisten - u.a. das Erkennen von Gefahrenstellen - zuständig.

Gegen 11.30 Uhr werden die roten Engel zum nächsten Einsatz gerufen. Eine 18-jährige Schülerin vom Niederrhein liegt unterhalb des Brembergkopfes im Schnee. Sie hat sich das Knie verdreht. Mitschüler haben gekreuzte Skier in den Schnee gestellt. „Die Unfallstelle ist vorbildlich abgesperrt“, sagt Markus Hennecke. Patrick Sangermann und Philip Nöker erkennen sofort, dass die junge Frau zum Röntgen in die Klinik gebracht werden muss. Sie legen ihrer Patientin eine Vakuum-Beinschiene an, heben sie auf den Anhänger ihres Motorschlittens, schließen den Wärmesack und zurren die Befestigungsschnüre fest. Dann geht es zum 50 Meter entfernten Übergabepunkt, wo der Rettungswagen die Schülerin in Empfang nimmt.

Leichtsinn auf der Piste

„Viele Verletzungen sind auf Leichtsinn zurückzuführen“, sagt Markus Hennecke, insbesondere bei blutigen Anfängern. „Die leihen sich Skier, steigen in den Sessellift und fragen sich oben, wie sie den Berg hinunter kommen.“

2015 haben die Winterberger Bergretter 573 Einsätze an 120 Skitagen gezählt. Der Rekord lag bei 26 Einsätzen an einem Tag. Das ist nur mit Teamgeist zu schaffen - und einer fundierten Aus- und Weiterbildung. „Wir arbeiten auf einem hohen Standard, müssen uns vor den Alpenländern nicht verstecken“, sagt Markus Hennecke.

Es ist eine unkomplizierte wie eingeschworene Truppe, die sich den Reportern präsentiert. Eine, die aber bei aller Lockerheit ihre Aufgabe sehr ernst nimmt. Warum er Bergretter geworden ist? Martin Babilon, mit 13 „Dienstjahren“ einer der erfahrensten im Team, lächelt. „Schauen Sie einfach aus dem Fenster!“ Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein, traumhafte Pistenverhältnisse in einer bezaubernden Landschaft. Da können selbst die Bergretter aus dem Fernsehen kaum mithalten.

Rolf Hansmann

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Winterberger Bergretter – "Rote Engel" von der Skipiste
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2016-01-22 22:00
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