Willemsen - Von der Speerwerferin zum Wintersport-Superstar

Elfje Willemsen (re.) mit Anschieberin Annelies Holthof.
Elfje Willemsen (re.) mit Anschieberin Annelies Holthof.
Foto: imago/Ed Gar
Was wir bereits wissen
Bei der Weltmeisterschaft in Winterberg hat sie ein großes Ziel: Eine Medaille im Zweierbob. Und die Chancen dafür stehen nicht schlecht.

Winterberg.. Elfje Willemsen erinnert sich an den Moment, der ihr Leben veränderte, noch genau. Wie sie das erste Mal in diesem ausrangierten lettischen Bob saß, wie ihr Kopf hin und her schleuderte und sie am liebsten nach der x-ten Kurve ausgestiegen wäre, weil das ihr damals so unbekannte Sportgerät immer schneller und schneller wurde. „Sieben Jahre ist das her“, sagt die 30-jährige Belgierin und schüttelt ihren Kopf vor Lachen. Nur sieben Jahre.

Mittlerweile ist sie nach Teilnahmen an Olympischen Spielen in Vancouver und Sotschi nicht nur in ihrer Heimat ein Wintersport-Star, sondern auf der gesamten Welt - und besonders im Hochsauerland. Dort, wo alles begann, wo sie zum ersten Mal einen Eiskanal hinunter rumpelte, schnell hinunter rumpelte. „Von meinem Wohnort Turnhout bin ich in etwa drei Stunden hier“, erklärt die Bobpilotin, warum die Anfänge ihrer zweiten Karriere in Winterberg liegen.

Als Speerwerferin war Willemsen in Belgien eine bekannte Sportlerin. Bei 55 Metern stand ihre Bestmarke. Als ein Fernsehsender nach den Olympischen Spielen 2006 in Turin eine Kampagne startete, um Frauen zu finden, die Belgien beim Bobfahren vertreten, setzte sich Willemsen mit Eva Willemarck unter gut 70 Kandidatinnen durch. Ohne zu wissen, welche Tortur unter ständiger Begleitung der Fernsehkameras in Zukunft auf sie zukommen würde.

„Es war eine Dokumentation, wir hätten jederzeit aufhören können“, sagt sie. Doch Willemsen entdeckte ihre Liebe zum Bobfahren – startete mit Willemarck als Anschieberin in Vancouver und belegte Rang 14. Vier Jahre später in Sotschi raste sie auf Rang sechs, im Gesamtweltcup dieser Saison wurde sie Vierte. „Bei der WM wollen wir eine Medaille“, sagt sie. Als Fünfte ist die Belgierin erste Verfolgerin des deutschen Trios auf den Plätzen zwei, drei und vier. Eine Medaille – und der Bob-Boom in ihrem wenig Wintersport affinen Heimatland würde weiter gesteigert. „Bobfahren wird immer beliebter“, erzählt Elfje Willemsen. Fast 100 junge Frauen folgten letztens ihrer Einladung zu einer Selektion, um Nachwuchs für ihre Sportart zu finden. Die vielen belgischen Fans in Winterberg sind ebenfalls nicht zu übersehen.

Bobfahren ist Spaß

„Bobfahren ist Spaß, alle sind untereinander gut bekannt“, sagt die Pilotin. Trotzdem – und trotz ihrer Erfolge - vermisst sie die Leichtathletik. „Es ist Sommer, es ist warm, wenn man dort startet“, sagt sie und lacht. In Winterberg schneit es gerade. Wie vor sieben Jahren.