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Flächenverbrauch

Wie vom Erdboden verschluckt

20.01.2012 | 18:56 Uhr
Wie vom Erdboden verschluckt

Wetter/Olpe.Die virtuelle Uhr tickt nicht. Lautlos meldet die digitale Anzeige den Verlust von Natur. Jede Sekunde sind es in Nordrhein-Westfalen zwei Quadratmeter. Die Aktion „Stoppt Landfraß“ der Landwirtschaft ist gestern in Wetter angekommen. Grund für den Protest von Naturschützern und Bauern gibt es genug: In Volmarstein soll im Landschaftsschutzgebiet das Gewerbegebiet „Am Stork“ entstehen. Für sie ein Fall von Landfraß.

„Wir fordern neues Denken“, sagt Bernd Kettler, stellvertretender Vorsitzendes des Kreisverbandes Ennepe-Ruhr/Hagen des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes. „Die Erde ist nur einmal verfügbar. Für alle Zeiten.“

Die Zahlen für Wetter hat er parat: in einer Stunde sind 3, an einem Tag 72 Quadratmeter landwirtschaftlicher Nutzfläche für immer verloren. „Wir verlieren den Boden unter den Füßen.“

Mit dem Verlust der Flächen steht auch die Existenz der Landwirte auf dem Spiel. In der Regel haben sie Grund und Boden von der Stadt Wetter gepachtet. Kettler: „Man kann nicht hundert Kühe auf drei Hektar halten.“

Landwirt Karsten Klinkmann pflichtet bei. Zu seinem 70 Hektar großen Hof, 30 Hektar Ackerfläche, 40 Hektar Grünfläche, gehören 170 Stück Rindvieh: „Sollte das Gewerbegebiet kommen, verliere ich 80 Milchkühe. In Wetter ist es nahezu unmöglich gleichwertige Ersatzflächen zu bekommen.“

Hand in Hand, das gibt es nicht immer, wehren sich Landwirte und die örtlichen Naturschützer vom BUND gegen den Verlust der Landschaft. Sie haben sich in der Interessengemeinschaft Stork zusammengeschlossen. Gemeinsam halten sie die Schilder mit einer deutlichen Botschaft in die Höhe: „Stoppt Landfraß“. Ihre Sprecherin, Christina Kramer, hat Zahlenmaterial aufgearbeitet, das die Dimension für Wetter aufzeigt: „Von 1993 bis 2008 wurden 72 Hektar in Siedlungs- und Verkehrsfläche umgewandelt, das entspricht einem durchschnittlichen Flächenverbrauch von 4,8 Hektar pro Jahr oder 131,5 Quadratmetern am Tag.“ Der Pro-Kopf-Verbrauch an Natur liegt nach ihrer Rechnung derzeit bei 348 Quadratmetern pro Wetteraner, 1993 seien es noch 312 Quadratmeter gewesen.

Mit Zahlen in seinem Bereich kann Martin Voss, Geschäftsführer des Kreisverbandes Siegen-Wittgenstein/Olpe nicht aufwarten. Der Flächenverlust ist seiner Einschätzung nach bedenklich: „Die landwirtschaftliche Nutzfläche wird immer kleiner. Meistens gehen bei Gewerbeansiedlungen beste Ackerflächen verloren.“

Voss bedauert, dass die gesetzlichen Regelungen für Ausgleichsflächen nicht greifen. „Beim Wald ist das ganz anders. Der ist sakrosankt.“ Aus seiner Sicht müssen Industriebrachen besser genutzt werden. „Da passiert gar nichts.“ Unterdessen tickt die Uhr weiter. Im 45-minütigen Gespräch in Volmarstein sind in NRW 5400 Quadratmeter Natur weg - wie vom Erdboden verschluckt.

Joachim Karpa

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Kommentare
21.01.2012
14:47
Wie vom Erdboden verschluckt
von Schuecke.N | #1

Diesen Artikel würde ich auch gerne unter Wetter/Ruhr lesen.
Die IG.Stork hat auch eine eigene Seite: www.stork-retten.de

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