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Wie Kindergärten auch in Südwestfalen kämpfen

21.03.2016 | 12:00 Uhr
Wie Kindergärten auch in Südwestfalen kämpfen
Entspannt mag der Kindergarten-Alltag für die meisten Kleinen sein. Die Träger der Einrichtungen jedoch sorgen sich mancherorts um ihre Existenz.Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Hagen.   Lange Jahre waren die Pauschalen vom Land zu niedrig. Nun haben die Tariferhöhungen viele freie Träger in die Bredouille gebracht .

Bullerbü, Inbegriff unbeschwerter Kindheit, bereitet Peter Vogt Kopfzerbrechen. „Wir kämpfen sehr“, schildert er die Lage in der Kindertagesstätte. Peter Vogt ist Vorstandsmitglied der Elterninitiative, die Träger der Einrichtung in Sprockhövel ist – und dem Kassierer fehlt es an Geld: „Auf lange Sicht bekommen wir existenzgefährdende Probleme.“ Die lange Sicht liegt vermutlich in gar nicht ferner Zukunft.

Die Lage

Bullerbü ist überall in NRW. Sechs Kindergärten betreibt der Gemeinnützige Verein für Sozialarbeiten in Herdecke. Doch ohne die Hilfe der Stadt geht es nicht mehr. 100 000 Euro schießt die Kommune zu, damit die Kindertagesstätten erhalten bleiben. Auch in Hagen hat man beschlossen, die freien Kindergartenträger zu unterstützen. Im Märkischen Kreis zieht sich die katholische Kirche aus einigen Kindergärten zurück, wie in Halver.

Die Ursache

Neu ist das Problem eigentlich nicht, nur jetzt verschärft worden durch den hohen Tarifabschluss im vergangenen Herbst. Das Grundübel aber ist das im Jahr 2007 in Kraft getretene Kinderbildungsgesetz (Kibiz). Demzufolge bekommen die Tagesstätten je nach Kinderzahl und Betreuungsstunden eine Pauschale. Jährlich wird der Betrag angepasst – bisher um 1,5 Prozent. Die Löhne der Erzieher jedoch sind in den vergangenen Jahren stärker gestiegen. So sei über die Jahre eine Deckungslücke von 12 Prozent aufgerissen, erklärt Martin Künstler vom Paritätischen Wohlfahrtsverband.

Zwar hat das Land versprochen, ab dem Sommer die Pauschalen jährlich um drei Prozent aufzustocken und will dazu die frei gewordenen Mittel aus dem Betreuungsgeld in die Kitas stecken. Doch bis dahin müssen die Kitas in Vorlage gehen.

Zudem genüge diese Aufstockung gerade einmal, um die letzte satte Erhöhung im vergangenen Herbst und derzeit mit der Gewerkschaft Verdi laufende weitere Verhandlungen auszugleichen, rechnet Künstler vor. Die alte Lücke von 12 Prozent bleibt: „Manche Träger sind am Rande der Insolvenz.“ Insbesodnere die, die weiter nach Tarifvertrag zahlen – wie die Kita Bullerbü.

Die Kommunen

„Viele Träger sind davon abhängig, dass die Kommunen ihre Defizite ausgleichen“, erklärt Martin Künstler. Das kommt die Gemeinden günstiger, als wenn sie selbst einen Kindergarten betreiben. Denn die freien Träger bekommen vom Land höhere Pauschalen als Kommunen. „Wir sind Erfüllungsgehilfen der Kommunen“, so Peter Vogt. Ein weiterer Konstruktionsfehler des Kibiz, sagt Johannes Anft von der Awo Hagen-Märkischer Kreis.

Die Erzieher

Doch vielleicht noch nicht der schlimmste. Denn abhängig davon, wie viel Stunden Eltern für ihre Kinder buchen – 45, 35 oder 25 – werden die Pauschalen jedes Jahr für jeden Kindergarten neu berechnet. Das macht die langfristige Personalplanung schwierig, sagt Anft, „und den Beruf unattraktiv“.

Fünf Stellen kann er deshalb nicht besetzen, dazu eine Leitungsposition. Es fehlt an Nachwuchs. Denn auch die Stellen für Jahrespraktikanten müssen aus den knappen Pauschalen bezahlt werden. Deshalb schrieben immer wenige Träger Stellen für Berufsanwärter aus, so Johannes Anft. Dabei bräuchte man mit steigender Einwandererzahl mehr Kräfte.

Immerhin: das Kibiz soll geändert werden. Eckpunkte sollen im Sommer vorliegen. Bis das Gesetz in Kraft ist, wird es „zwei Jahre dauern“, schätzt Anft. Für die Kita Bullerbü vielleicht zu lange.

Nina Grunsky

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2016-03-21 12:00
Sauer und Siegerland