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Humanität

Wie ein Gevelsberger Entwicklungshilfe im Kongo betreibt

17.08.2012 | 22:18 Uhr
Wie ein Gevelsberger Entwicklungshilfe im Kongo betreibt
Georg Dörken von der Welthungerhilfe im Kongo.

Gevelsberg/Goma.   Der gebürtige Gevelsberger Georg Dörken ist für die Welthungerhilfe im Kongo unterwegs - ein gefährlicher Job, aber, so sagt er: "der schönste der Welt". Dörken ist der Landeskoordinator für den Staat in Zentralafrika, organisiert die humanitäre Hilfe dort. Was das heißt, erzählt er im Interview.

Wer anderen Menschen in Krisengebieten in ihrer Not hilft, spielt mit seinem Leben - und ist selbst schuld. Frauen und Männer im humanitären Einsatz blitzen bei Versicherungen ab. Die Todesrate unter internationalen Helfern ist rasant gestiegen, die Zahl der Entführungen nimmt massiv zu. „Uns versichert keiner“, sagt Georg Dörken. Der gebürtige Gevelsberger ist Landeskoordinator der Welthungerhilfe für den Kongo.

Die Hälfte seiner Zeit im Jahr verbringt er im Land, die andere arbeitet er im Büro in Bad Godesberg. „Nach unserer vierten Evakuierung in letzter Minute hatte meine Frau Barbara die Nase voll.“ Mit den beiden Kindern ging die Familie zurück nach Deutschland. Das war vor zehn Jahren. „Wenn mein 16-jähriger Sohn Maliq, das heißt übersetzt ,der kleine König’, in zwei Jahren Abitur macht, wollen wir wieder ganz hin.“

In der Regel hält sich der Agraringenieur im Südosten des Landes auf. Der Teil, in dem Rebellen-Gruppen und die kongolesische Armee immer wieder in Auseinandersetzungen verwickelt sind. „Mit ethnischen Konflikten hat das nichts zu tun. Es geht um Rohstoffe, um gute Weidegründe.“

Die Zivilbevölkerung leidet

Und zuerst, so seine Erfahrung, leidet die Zivilbevölkerung. „Sie wird als erstes bestraft. Dabei sind systematische Vergewaltigungen ebenso ein Werkzeug der Kriegsführung wie Plünderungen und die Rekrutierung von Kindersoldaten.“

Über Nacht stehen die Opfer auf der Flucht vor dem Nichts. Die Ursachen der Konflikte bleiben, die brutalen Überfälle wiederholen sich. „Natürlich gibt es viele frustrierende Momente, aber man kann die Menschen nicht ihrem Schicksal überlassen.“ An eine langfristige Entwicklung der Region ist vorläufig nicht zu denken. „Wir leisten in der Hauptsache humanitäre Hilfe.“

Kinder, Frauen und Männer werden mit dem Nötigsten zum Überleben versorgt, vom Maismehl bis zum Topf über Zelte und Decken. Hilfe bei der Wasserbeschaffung, der Entwässerung und dem Latrinenbau gehören ebenfalls zu den Aufgaben der Welthungerhilfe-Mitarbeiter. „Von uns sind 21 Kräfte entsandt worden, dazu kommen 350 lokale Helfer.“

Gier und Egoismus

Entmutigen lässt sich Georg Dörken nicht. „Ich lieben den Kongo und seine Menschen. Bei allem Elend sind die Leute so unglaublich lebenslustig und lebensbejahend.“ Aus seiner Sicht sind es nur ein paar Prozent an der Spitze, die das Land durch Korruption, Gier und Egoismus kaputt machen. Für das brutale Vorgehen der Soldaten hat er eine Erklärung: „Ihnen wird der Sold vorenthalten und ihre Essensrationen tauchen auf dem Markt auf. Und wer verletzt wird, dem hilft niemand mehr. Seine Familie muss die Dienstwohnung verlassen.“

Freunden in Deutschland beschreibt er das Leben im Kongo schon lange nicht mehr. „Das habe ich mir abgewöhnt. Es entzieht sich ihrer Vorstellungskraft. Wenn ich meinen Kopf mal wieder frei bekommen möchte, spreche ich mit meiner Frau. Ihr muss ich nichts erklären.“ Beim Blick auf Afrika relativieren sich für ihn hierzulande viele Probleme. „Ich denke oft, uns geht es gut, sehr sehr gut.“

In zwei Wochen bricht er wieder Richtung Kongo auf. Wie immer mit gemischten Gefühlen. Das Sicherheitssystem ist ihm vertraut. Alle 20 Minuten setzt er, wenn er unterwegs ist, ein Code-Wort ab, das sagt: alles in Ordnung.. „Wenn ich mich nach 20 Minuten nicht melde, wird ein Suchtrupp losgeschickt. Man ist gut beraten, die Regeln einzuhalten. Angst? „Ja, sie ist eine gute Begleiterin. Nur so lasse ich die nötige Vorsicht walten.“ Den Schritt als Agraringenieur in den Kongo zu gehen, hat er nie bereut. Es klingt unglaublich: „Ich habe den schönsten Job der Welt.“

Joachim Karpa



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