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Wenn die Suche nach dem perfekten Mitbewohner zur Odyssee wird

23.09.2012 | 17:23 Uhr
Wenn die Suche nach dem perfekten Mitbewohner zur Odyssee wird
Zwei Studentinnen suchen eine Wohnung am schwarzen Brett der Uni.Foto: Alex Büttner

Hagen/Siegen.   Die Suche nach einem Studentenzimmer treibt merkwürdige Blüten. Fiona Moertter, die in Siegen auf der Suche ist, musste allerlei über sich ergehen lassen.

Eigentlich ist Fiona Moertter, eine gelernte Immobilienkauffrau, vom Fach. Doch bei der Suche nach einem Studentenzimmer in Siegen hilft ihr das derzeit kaum weiter.

Noch wohnt Fiona Moertter in Krefeld, arbeitet in Viersen. Das sind jeweils zwei Stunden Fahrt bis Siegen. Zwei Mal pro Woche legt sie die Strecke derzeit zurück, entweder abends nach der Arbeit oder am Wochenende sonntags. Elf so genannte WG-Castings hat sie bereits mitgemacht, hat sich also in Wohngemeinschaften vorgestellt, neugierige Fragen beantwortet und fiese Kommentare geschluckt, wie man sie eigentlich nur aus Fernseh-Shows kennt, wo Super-Stars gesucht werden.

Denn die alteingesessenen WG-Bewohner prüfen jeden Kandidaten für ein Zimmer offenbar gründlich: Viele haben Fragebögen vorbereitet, die sie Punkt für Punkt durchgehen, um die Bewerber kennen zu lernen. „Und fast alle haben Fotos von uns Kandidaten gemacht“, erzählt Fiona Moertter. Schließlich gibt es pro Zimmer mindestens 20 Interessenten. Da wird es ohne Bild eben schwer, am Ende einer Bewerbungsrunde jedem Namen, jedem Fragebogen das richtige Gesicht zuzuordnen.

Auch die Haustiere ziehen mit ein

„Hast du ein Problem mit Eidechsen?“ lautete zum Beispiel eine der Fragen, die Fiona Moertter beantworten musste, weil einer der Bewohner diese Reptilien als Haustiere hält und sie gern in der Wohnung frei herumlaufen lässt. „Machst du eigentlich Sport? Du siehst gar nicht so aus ...“, musste sich die 22-Jährige auch Bemerkungen über ihre Figur gefallen lassen.

Als fünf Herren per Inserat ausdrücklich eine weibliche Mitbewohnerin suchten, machte sie sich noch keine Gedanken. Als sie aber das schmutzige Geschirr sah, das sich in der Küche türmte, den Geruch nach altem Schweiß schnupperte, da ahnte sie, warum die Männer gern wollten, dass eine Frau bei ihnen einzog.

Ein anderer Herr öffnete ihr im langen schwarzen Ledermantel die Tür, hatte die Wohnung mit Bildern von Totenköpfen dekoriert. „Sei tolerant“ dachte sich Fiona Moertter erst - und kam dann doch zu dem Schluss, dass man nicht zusammen passte.

„Knebelverträge“ wurden ihr angeboten mit einem Jahr Laufzeit. Vor Ende dieser Frist zu kündigen und auszuziehen, wäre nicht möglich gewesen. „So etwas unterschreibe ich nicht“, sagt die Immobilienkauffrau.

Bei der Wohnungssuche gibt man vieles von sich preis

Die Wohnungen, die sie hätte haben können, wollte sie nicht. „Da wäre ich lieber in eine Zelt gezogen.“ Und die, die sie gern genommen hätte, weil die Mitbewohner ihr so sympathisch waren, hat sie nicht bekommen. Dabei hat sie sich sehr bemüht, einmal sogar mit einem der Bewohner, der bei der Vorstellungsrunde nicht dabei sein konnte, weil er ein Auslandssemester im Libanon verbrachte, per Videotelefon gesprochen. Eine Stunde hat sie mit dem jungen Mann geplaudert - ohne Erfolg.

„Man gibt in den Gesprächen sehr viel von sich preis“, sagt Fiona Moertter, „weil man offen sein, Vertrauen gewinnen möchte.“ Dass ihr die Leute, denen sie so viel Privates erzählt hat, in den kommenden Jahren im kleinen Siegen immer wieder über den Weg laufen, gibt ihr ein unbehagliches Gefühl.

„Ich bin mittlerweile verzweifelt“, sagt sagt sie. Es geht ihr nicht allein so. „Die Lage spitzt sich zu“, bestätigt Julian Hopmann von der Siegener Studentenvertretung Asta. Zusammen mit dem Bürgermeister, dem Hochschulrektor, dem Geschäftsführer des Studentenwerkes hat der Asta daher an die Siegener appelliert, Wohnungen zur Verfügung zu stellen. „Der Platz ist da. Es gibt viele Leerstände in Siegen“, erklärt er.

Nur nicht in den Wohnheimen: Dort sind die etwa 800 Plätze längst vergeben, 300 Namen stehen bereits auf der Warteliste. Wenn es noch enger wird, werde man vielleicht Notquartiere in der Uni-Turnhalle einrichten, überlegt Hopmann.

Fiona Moertter hat es jetzt aufgegeben, einer WG gefallen zu wollen. Sie hat inzwischen zwei Kommilitonen gefunden, mit denen sie gut auskommt. Und gemeinsam suchen Sie nun eine Drei- bis VierZimmer-Wohnung, um ihre eigene WG aufzumachen.

Nina Grunsky

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