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Windkraft

Tausende Einwände gegen Windräder in Südwestfalen

23.01.2015 | 09:00 Uhr
Tausende Einwände gegen Windräder in Südwestfalen
Massig Gegenwind fürs Windenergie-Konzept – in Form von tausenden Einwänden.Foto: Ralf Rottmann/Funke Foto Services

Arnsberg.   Die Zahl der Einwände gegen das südwestfälische Windenergiekonzept sind fünfstellig. Die Regionalplaner in Arnsberg arbeiten die Aktenberge mühsam ab.

Nein. Weihnachtspost sieht anders aus. Friedlicher, liebevoller. Es geht nicht um liebe Grüße zum Fest. Tausende haben bis zum Ende der Frist am 22. Dezember ihre Einwände gegen das Windenergiekonzept Südwestfalen bei der Bezirksregierung in Arnsberg eingereicht. Per E-Mail, per Brief.

„Wir bewegen uns auf jeden Fall im fünfstelligen Bereich“, sagt Bettina Krusat-Barnickel, Leiterin der Regionalplanung. „Dass es viel wird, war zu vermuten, aber nicht in dieser Gesamtzahl.“ Allein aus dem Raum Schmallenberg und Olsberg ist das Dezernat 32 mit mehr als 15 000 Stellungnahmen überschüttet worden.

Sechs Mitarbeiter haben sich tagelang durch die Schreiben von Bürgerinitiativen, Kommunen, Naturschützern und Windkraftanlagenbetreibern gekämpft. Auftrag: sichten, sichern, ordnen. „Jede E-Mail“, so die 48-Jährige, „muss aus Gründen der Dokumentation ausgedruckt werden. Jetzt haben wir eine grobe Struktur in diesen Berg von Akten gebracht.“

Antwort kann dauern

Und weiter? „Alle Widersprüche arbeiten wir auf. Jedes Schreiben nehmen wir in die Hand, erfassen es und setzen uns inhaltlich damit auseinander. Zu jedem Argument gibt es eine Stellungnahme von uns.“ Dass die Absender postwendend keine prompte Antwort und selbstredend keine Eingangsbestätigung der Bezirksregierung bekommen, erklärt sich beim Anblick auf den Wust der Akten von selbst. Krusat-Barnickel weiß: „Das wird dauern.“ Die Argumente gegen Windkraftanlagen sind ihr wohl vertraut. Das fängt mit der Verspargelung und der damit verbundenen Veränderung des Landschaftsbildes an, geht weiter über die gesundheitlichen Auswirkungen des so genannten Infraschalls und hört bei der Sorge um den Wald an sich, „bislang waren hier Standorte tabu“, und die fehlende Energieeffizienz von Windrädern lange nicht auf. Wobei der Schutz gefährdeter Arten und die Sorge der Kommunen, bei der Planung übergangen zu werden, noch gar nicht genannt worden sind.

Nicht von oben herab, sondern im Gegenstrom-Prinzip will sich die Regionalplanung bei der Abstimmung über Vorrangflächen mit den Wünschen und Sorgen der Beteiligten beschäftigen. „Das geht nur mit ihnen und ist in einem solchen Planungsverfahren üblich.“

18 000 Hektar für Windenergie

Kein leichter Weg. Kritik an Rot-Grün in Düsseldorf übt die Chefin der Regionalplanung nicht. „Die Energiewende ist politisch gewollt, aber 18 000 Hektar für die Gewinnung von Windenergie in Südwestfalen vorzusehen, ist sehr großzügig und ausgesprochen ambitioniert.“ Dass Umweltminister Johannes Remmel jüngst in einer öffentlichen Diskussion Fehler bei der Vorgehensweise in Arnsberg moniert hat, dafür aber Münster als beispielhaft erwähnt, hat keine Begeisterungsstürme in den Räumen an der Seibertzstraße ausgelöst. „Im Münsterland“, so Krusat-Barnickel, „geht es um 6000 Hektar. Und es ist eine andere Landschaft- und Siedlungsstruktur als bei uns.“

Sorgen, mögliche Fristen zu verpassen, hat sie nicht: „Es gibt keine gesetzlichen Vorgaben. Wichtig ist es, das Verfahren voranzutreiben, schließlich wollen wir es umsetzen.“ Der neue Landesentwicklungsplan gibt die Ziele vor. „Solange der nicht in Düsseldorf verabschiedet worden ist, können wir unser Windenergiekonzept voranbringen, aber nicht verwirklichen.“

Also wird möglicherweise alles umsonst geplant? „Nein“, sagt Krusat-Barnickel, „wir stehen im engen Kontakt mit der Landesplanungsbehörde, tauschen uns ständig aus und lassen unsere Ergebnisse mit in den Landesentwicklungsplan einfließen.“ Kein Nachteil? „Würden wir warten, hätten wir weniger Möglichkeiten, etwas zu beeinflussen.“ Den Vorwurf, Arnsberg bremse die bisherigen Planungen der Kommunen aus, teilt sie nicht: „Wir wollen sie nicht torpedieren. Vielmehr haben wir ein vehementes Interesse daran, dass sie ihre Pläne forcieren.“ Warum? „Weil die Planung neuer Konzen­trationszonen in den Flächennutzungsplänen wesentliche Voraussetzung für den Ausbau der Windenergie in Südwestfalen ist.“

Joachim Karpa

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Tausende Einwände gegen Windräder in Südwestfalen
Tausende Einwände gegen Windräder in Südwestfalen
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2015-01-23 09:00
Sauer und Siegerland