Hagen

Weniger Insolvenzen in Südwestfalen - Handwerk profitiert

Das Handwerk profitiert davon, dass immer weniger Unternehmen in Südwestfalen pleite gehen.
Das Handwerk profitiert davon, dass immer weniger Unternehmen in Südwestfalen pleite gehen.
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Was wir bereits wissen
Von den sinkenden Insolvenzzahlen der Unternehmen profitiert vor allem das Handwerk. Südwestfälische Kammer konstatiert „sehr, sehr wenige Pleiten“.

Hagen. Die starke Binnenkonjunktur, günstige Finanzierungsbedingungen und die verbesserte Eigenkapitalausstattung kleinerer und mittlerer Unternehmen wirken sich positiv auf die Zahl der Unternehmenspleiten aus - auch in Südwestfalen.

Der anhaltende Rückgang im vergangenen Jahr - allein in NRW um 11 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 2001 - setzte sich auch im ersten Halbjahr 2015 fort, wie das Statistische Landesamt mitteilte. Den Angaben zufolge wurden von Januar bis Juni bundesweit 11 100 Unternehmensinsolvenzen gemeldet - acht Prozent weniger als vor Jahresfrist. Auch die Zahl der Verbraucherinsolvenzen nahm um 8,4 Prozent ab.

Enervie-Krise Auch in fast allen Kreisen Südwestfalens sind die Zahlen rückläufig. So ging die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Hochsauerlandkreis im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2013 um 20 Prozent auf 97 zurück, im ersten Quartal dieses Jahres waren es 21 Insolvenzen (-19,2 Prozent). Im Kreis Soest ging die Pleitenzahl von 2013 auf 2014 um 5,6 Prozent auf 117 zurück, im Kreis Siegen-Wittgenstein um 3,8 Prozent auf 77, im Märkischen Kreis um 11,3 Prozent auf 181 und im Kreis Olpe sogar um 24,5 Prozent auf 37 im vergangenen Jahr. Auch in der Stadt Hagen sank die Zahl um 13,6 Prozent auf 76 Insolvenzfälle. Allein der Ennepe-Ruhr-Kreis meldet eine Zunahme um 0,7 Prozent auf 145.

Hausaufgaben gemacht

„Im Augenblick läuft es gut“, berichtet Christoph Brünger, Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik bei der SIHK zu Hagen. „Die niedrige Insolvenzrate korreliert mit den positiven Konjunkturumfragen.“ Die Unternehmen hätten nach der Krise 2009 ihre Hausaufgaben gemacht und ihre Eigenkapitalquoten verstärkt.

Aber die Politik müsse auch die richtigen Rahmenbedingungen setzen, mahnt Brünger. Arbeitskosten, Gewerbesteuer, Gewerbeflächen - da bestehe noch Handlungsbedarf. Nicht zu vergessen die Energiekosten. Das Problem seien Strom und Gas. „Die energieintensiven Firmen in der Märkischen Region werden bestenfalls mit einem blauen Auge davonkommen.“

Die guten Zahlen gelten für die Industrie wie für das Handwerk gleichermaßen. Ulrich Dröge von der Handwerkskammer Südwestfalen in Arnsberg untermauert das mit Zahlen: Unter knapp 12 000 Handwerksbetrieben in Südwestfalen hätten im vergangenen Jahr nur rund 50 Insolvenz als Löschungsgrund aus der Handwerksrolle angegeben - das seien keine 0,5 Prozent. Ob das ein Tiefstwert ist, kann Dröge nicht sagen - „auf jeden Fall ist das sehr, sehr wenig.“

Kettler Der Experte bestätigt die seit Jahren „stabile Handwerkskonjunktur“ mit dem Fokus auf das Bau- und Ausbaugewerbe. Die hohe Investitionsbereitschaft der Verbraucher in die eigenen vier Wände - Stichwort Niedrigzinsen - halte an. Zu beobachten sei aber auch ein Umdenken der Firmen hin zu kapitalbildenden Maßnahmen. Die zuweilen dünne Eigenkapitalausstattung vor der Finanzkrise hatte in den vergangenen Jahren manchen Betrieb ins Aus befördert.

In der Mehrzahl gute Auftragslage

„Den Betrieben geht es gut. Sie verzeichnen in der Mehrzahl eine gute Auftragslage. Das beweisen unsere jüngsten Konjunkturumfragen mit ausgezeichneten Werten“, sagt Dirk Jedan, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft im Märkischen Kreis. „Energiesparen bleibt Thema, die Konsumfreude ist da, das Geld wird in Steine investiert.“ Vor allem hat sich nach Jedans Beobachtungen das Motto „Geiz ist geil“ überlebt.

Das heißt nicht, dass alle Probleme des Handwerks plötzlich aus der Welt sind. „Wir suchen händeringend Fachkräfte, um die Aufträge abzuarbeiten“, mahnt Dirk Jedan. Die kleinen Bäcker und Metzger hätten es trotz guter Qualität schwer, sich gegen Discounter und Supermärkte zu behaupten. Am Bau sei der Auftragsstau aber nicht mehr so groß wie früher. „Das liegt daran, dass wir keinen Winter hatten.“ Die kleineren Auftragsbestände machen ihm aber keine Sorgen - „das kommt aus dem Markt nach.“ Überhaupt sei das Bauhandwerk dramatisch geschrumpft - von 1,5 Millionen auf heute rund 700 000 Mitarbeiter. Große Bauunternehmen in der Region hätten statt früher 800 Beschäftigte derzeit nur noch 80.

Thomas Bock vom Bauunternehmen Bock in Lüdenscheid mahnt jedoch auch zur Vorsicht: „Das Umfeld ist gut, das Geld ist billig die Verbraucher investieren gern in Beton. Aber man muss auch vorsichtig sein.“ Sorgen machen ihm die EZB-Politik und die Banken. „Da kann sich schnell wieder eine Blase entwickeln. Uns steckt 2009 noch in den Knochen.“