Was Ingo Schaffranka mit dem Silvesterlauf plant

Für Organisator Ingo Schaffranka kann es nicht voll genug sein am Start des Silvesterlaufs in Werl.
Für Organisator Ingo Schaffranka kann es nicht voll genug sein am Start des Silvesterlaufs in Werl.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Silvesterlauf von Werl nach Soest elektrisiert eine ganze Region. Allerdings stagnieren die Teilnehmerzahlen. Deshalb hat sich Organisator Ingo Schaffranka Gedanken gemacht und spricht im Interview über seine Pläne.

Soest..  Als die letzten der knapp 6000 Teilnehmer gut gelaunt nach Hause gehen, als die Heerscharen von ehrenamtlichen Helfern ihren Dienst beenden, löst sich auch bei Ingo Schaffranka ein wenig die Anspannung. Er ist der Chef-Organisator von Deutschlands größtem Silvesterlauf - und zieht im Schatten der Bühne auf dem Soester Marktplatz ein gespaltenes Fazit.


Frage: Herr Schaffranka, sind Sie zufrieden mit der 33. Auflage des Silvesterlaufes von Werl nach Soest?
Ingo Schaffranka: Wir haben top Läufer gesehen, das Wetter war in Ordnung - alles gut also. Nichtsdestotrotz würde ich mir nach wie vor wünschen, dass wir mehrere Läufer der Klasse eines Thorben Dietz oder Dominik Fabianowski hier hätten. Die versammelte westfälische Elite - das müssten wir irgendwie auf die Kette kriegen. Das Problem dabei ist, dass der eine oder andere durchaus Kosten erstattet haben möchte, wir aber generell kein Startgeld bezahlen.


Die Teilnehmerzahl stagniert. Geht es nur noch darum, ein gewisses Niveau zu halten?
Nein, nein. Wir können es auch schaffen, dass die Zahl wieder steigt. Deshalb werde ich mich Anfang Februar frühzeitig mit meinem Komitee (Vertreter der ausrichtenden Vereine; d.Red.) zusammensetzen. Wir müssen lernen, unseren Lauf auch außerhalb der Region bekannt zu machen.


Sie wollen bei anderen Läufen oder Veranstaltungen Flyer verteilen?
Flyer zu verteilen, ist nicht das alleinige Heilmittel. Wir veranstalten ja eine Laufmesse, die super besucht war. Dort haben zum Beispiel der Marathon Düsseldorf und der Rhein-Ruhr-Marathon für sich geworben. Du musst vor Ort sein, du musst die Leute ansprechen und sie mit Bildern oder Videos überzeugen. Das ist auch die Aufgabe unseres neuen Videoteams.


Sie wollen Geld für Werbung in die Hand nehmen, um langfristig die Teilnehmerzahl und die Spendensumme zu steigern?
Das ist ein Prozess, den ich dem Komitee erklären muss. Das beste Beispiel ist der Paderborner Osterlauf. Dort stagnierte die Teilnehmerzahl vor Jahren bei 6000 bis 7000. Jetzt freuen sich die Paderborner über 10 000 Teilnehmer. Sie haben mit Christian Stork einen Geschäftsführer, der das genau so macht, der quer durchs Land den Paderborner Osterlauf präsentiert. Wir können das auch. Wir müssen nur bereit sein, Fahrtkosten und Übernachtungskosten zu zahlen. Und dass das alles nicht ehrenamtlich passieren kann, ist mir klar. Ein Fakt ist unverrückbar: Es gibt mittlerweile 38 Silvesterläufe am 31. Dezember. Dieser großen Konkurrenz müssen wir uns stellen.


Die Stimmung an der Strecke ist oft auch ein Argument für einen Start. Wie haben Sie sie diesmal erlebt?
Ich fand die Atmosphäre speziell in Ampen sehr, sehr genial. Das haben mir auch die Läufer bestätigt. Insgesamt können wir uns aber noch steigern. Hier und dort die eine oder andere Trommeltruppe, das wär’s. Ich möchte aber nichts Gekünsteltes an der Strecke.


Träumen Sie davon, einmal 10 000 Teilnehmer begrüßen zu dürfen?
Die Logistik dafür ist da. Aber wir sollten erstmal wieder 8000 als Marke anstreben. Besonders müssen wir die Zahl der Läufer wieder nach vorne bringen.


Der Deutsche Leichtathletik-Verband erhebt ab 2016 bei jedem angemeldeten Lauf für jeden Läufer, der das Ziel erreicht, eine Gebühr von einem Euro. Ärgert Sie das?
Der Silvesterlauf ist als Lauf, der seine Einnahmen komplett spendet, von dieser Regelung nicht betroffen. Wir müssen die Befreiung jedes Jahr neu beantragen und auch nachweisen, wer das Geld erhält. Generell wird den großen Läufen dieser Euro nicht weh tun, den kleinen, den Stadt- und Cityläufen schon. Ich habe kein Problem damit, dass diese Gebühr erhoben wird, aber noch fehlt die Antwort des DLV, wofür genau das Geld verwendet werden soll.