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Was die Gesundheitskosten in die Höhe treibt

07.11.2011 | 18:17 Uhr
Was die Gesundheitskosten in die Höhe treibt
Experten auf dem Podium: Dr. Matthias Gansel, Dr. Gerhard Koch, Dr. Marc Schüßler, Ralf Bigell, Dr. Friedrich-Wilhelm Riffelmann, Dr. Ludger Schulte.

Hagen. Nichts zu tun ist schwer. Aber manchmal das Beste. Und das Günstigste obendrein. Doch dies zu glauben, fällt Patienten wie Angehörigen offenbar immer weniger leicht. Ein Grund, warum die Kosten im Gesundheitswesen in die Höhe schnellen.

Ein langes Leben ohne Krankheit, Schmerzen und Leid ist für die meisten Menschen wohl Wichtigste. So bedeutsam ist dieses Ziel offenbar, dass mancher sich bei dessen Verfolgung gleichsam verläuft, wie Dr. Gerhard Koch, Chefarzt der Kinderklinik am Allgemeinen Krankenhaus in Hagen (AKH) nun auf dem Expertenforum dieser Zeitung beklagt hat.

Koch erzählt zum Beispiel von Eltern, die Antibiotika für ihr Kind fordern, weil das Kleine bereits seit drei Tagen eine fiebrige Erkältung habe. Koch erzählt, wie schwierig es ist, diesen Eltern klar zu machen, dass es manchmal besser sei abzuwarten. Einem Kind ein Medikament zu verabreichen, das komme einer Operation gleich, erklärt Koch. „Als Kinderarzt muss ich mich stets fragen, welchen Preis ein Patient in vielleicht 30 oder 40 Jahren dafür bezahlt, dass ich ihm diese Medizin heute verabreiche“, warnt er.

Vermutlich würde Koch sich wünschen, dass sich nicht nur Kinderärzte und vor allem auch Patienten diese Frage häufiger stellten: „Wir müssen genau überlegen, wann wir Menschen besser heilen können als die Natur.“

Er glaubt: „Dann haben wir genug Geld.“ Dieses müsse im Gesundheitswesen aber sinnvoll und effizient eingesetzt werden. Zum Beispiel für mehr Prävention, wie alle Experten auf dem Gesundheitsforum betonen. „Die Hälfte aller Krankheiten, die uns bedrängen, sind die Folge einer falschen Lebensweise“, sagt Dr. Marc Schüßler, Chefarzt der Frauenklinik im AKH Hagen. Und er fügt hinzu: „Wenn wir heute mehr Geld in die Aufklärungsarbeit stecken, können wir in 20 Jahren viel sparen.“

Vorbeugung, das ist allerdings nicht nur eine Sache der Krankenkasse, sondern jedes einzelnen, lässt Schüßler auch durchblicken. Sport nämlich sei die beste Prävention gegen Demenz - und viele andere Erkrankungen auch. Da sind sich die Schulmediziner mit einem alternativen Gesundheitsexperten wie Qi-Gong-Lehrer Ralf Bigell einig. Auch darin, dass die Patienten dafür manchmal in die eigene Tasche greifen müssten, statt allein auf die Krankenkassen zu vertrauen.

Eine vernünftige Ernährung von Kindesbeinen an gehöre ebenso zur Prävention. Dr. Friedrich-Wilhelm Riffelmann Facharzt für Allergologie von der Klinik Kloster Grafschaft in Schmallenberg behandelt Patienten mit Nahrungsmittelallergien. „Viele wären vielleicht nie erkrankt, wenn sie sich vernünftiger ernährt hätten“, mahnt er.

Es müsse folglich ein Umdenken in der Gesellschaft geben, fordern die Experten. „Man muss die Leute umerziehen“, sagt Dr. Ludger Schulte, Facharzt für innere Medizin aus Balve, ganz deutlich. Er versucht es, indem er seinen Patienten erklärt, welche Behandlung, welche Maßnahme wie viel kostet.

Denn nur im Dialog könnten Ärzte und Patienten klären, was man sich leisten und worauf man verzichten will. Da scheinen sich die Mediziner einig. Ob sich die Hüftoperation für die alte Dame über 80 Jahren noch lohnt, will sich zum Beispiel Dr. Matthias Gansel, Chefarzt Allgemeine Orthopädie an der Klinik Volmarstein, keinesfalls von der Politik oder der Ökonomie vorschreiben lassen, sondern in jedem Einzelfall mit den Betroffenen abwägen.

Nina Grunsky

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