Waltringer Schützen ohne König

Ense..  324 Jahre lang ging alles gut. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr aber steht die Schützenbruderschaft St. Marien in Ense-Waltringen ohne König da. Drei Stunden haben die Schützen am Samstagabend vergeblich auf den Vogel angehalten. Als nach 150 Schuss die Dämmerung hereinbrach, beschloss der Vorstand einstimmig, die Suche nach einem neuen Regenten abzubrechen und auch am darauffolgenden Sonntag nicht fortzusetzen. Stattdessen regiert nun Vorjahreskönig Christian Koerdt weiter – gemeinsam mit Kaiser Sascha Steiner, der bereits am Freitag den Vogel von der Stange geholt hatte. Mit beiden Regenten will der Verein die Feiern bestreiten.

Nicht die ersten

Wenn auch im Jubiläumsjahr ungewöhnlich, so sind die Waltringer Schützen nicht die ersten, deren Thron nicht oder nur mit Mühen besetzt werden konnte. Bei einem Drittel der Bruderschaften gebe es Probleme, schätzte ein Sprecher des Bundes der historischen deutschen Schützenbruderschaften anlässlich früherer Problemfälle. Während man in Warstein-Suttrop vor einigen Jahren einen ortsfremden König kürte, hat man bei der Schützenbruderschaft St. Michael in Werl-Holtum längst Reformen vorgenommen. Nachdem dort vor zehn Jahren der Vogel ungerupft auf der Stange blieb, verringerte man den Aufwand für den Festumzug. „Es ist noch zu früh, über Konsequenzen zu entscheiden“, erklärt dagegen am Tag nach dem Königsschießen, Guido Stahlberg, stellvertretende Brudermeister der Waltringer Schützen.