Das aktuelle Wetter NRW 13°C
Forst

Waldlobbyist Guttenberg fühlt sich von Politikern abgespeist

08.03.2013 | 18:37 Uhr
Waldlobbyist Guttenberg fühlt sich von Politikern abgespeist
„Ein Landwirt kann unter einer Stromtrasse weiter ackern, aber wir verlieren unsere Produktionsgrundlage damit", sagt Philipp Freiherr zu Guttenberg, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände. Foto: Thomas Nitsche

Olpe.   Philipp Freiherr zu Guttenberg zeigt auf dem Waldbauerntag in Oberveischede als Präsident der Waldbesitzer, dass er seinem Bruder als Redner in nichts nachsteht. In der Sache fordert er höhere Entschädigungen für Waldbesitzer, die für den Bau von Stromtrassen enteignet werden.

Die Waldbesitzer sehen sich bei der Entschädigung für die Abgabe ihrer Flächen für neue Stromtrassen abgespeist. „Ohne Netzausbau geht es nicht. Und die Leitungen werden durch den ländlichen Raum führen“, sagte Philipp Freiherr zu Guttenberg (38), jüngerer Bruder des über eine Plagiatsaffäre gestolperten ehemaligen Verteidigungsministers und Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände, als Gast des Waldbauerntages Olpe in Oberveischede.

Die Entschädigungsregelungen für Enteignungsverfahren sähen vor, dass die Betroffenen mit 10 bis 20 Prozent des Verkehrswertes abgespeist würden, so von Guttenberg - „das ist ein Problem.“ Selbst bei einer am Marktwert orientierten Abgeltung und wiederkehrender Vergütung für die Waldbesitzer kämen auf den Privathaushalt nur 28 Cent Mehrkosten im Jahr zu, argumentierte der Baron und fügte hinzu: „Ein Landwirt kann unter einer Stromtrasse weiter ackern, aber wir verlieren unsere Produktionsgrundlage damit.“

Ausgleich nach Rendite

Hintergrund: Die Pläne für die Trassen sind unlängst von der Netzagentur vorgestellt worden, die Netzbetreiber rechnen vor, ein sachgerechter, an ihrer Rendite ausgerichteter Ausgleich für die Waldbesitzer verteuere den Strompreis abermals deutlich.

Lesen Sie auch:
Zu wertvoll zum Verbrennen - Holz wird teurer

Private Kaminofenbesitzer rangeln mit Spanplattenherstellern und der Zellstoffindustrie um den begehrten Rohstoff Holz. Denn der ist - trotz der Kostenexplosion - immer noch günstiger als Erdöl. In Südwestfalen gibt es bisher noch keine Engpässe.

In seiner kämpferischen, bereits vom Wahlkampf und von bundespolitischen Themen geprägten Rede wandte sich von Guttenberg, selbst Besitzer riesiger Waldbestände in Bayern und Österreich, scharf gegen die so genannten Stilllegungspläne rot-grüner Landesregierungen sowie Umweltverbände. Die Forderung, weitere Wälder aus der Nutzung zu nehmen und sich selbst zu überlassen, ist nach seiner Ansicht „eine Verabschiedung von der Nachhaltigkeit.“ Die Abkehr von der „Multifunktionalität deutscher Wälder“ wäre fatal - sie seien „weder reine Baumfabrik noch Urwald.“

Luxus von Wildnisflächen

Außerdem, so der grüne Baron, sei es unmoralisch, die Nutzung aus Europa in andere Gebiete in der Welt zu verlegen, die nicht nachhaltig wirtschafteten: „Wir leisten uns den Luxus von Wildnisflächen, aber wenn ich heute in Deutschland auf 10 Millionen Festmeter Holz verzichten will, muss ich sie morgen aus Togo holen.“ 10 Prozent weniger Waldfläche in Deutschland bedeuteten den Abbau von rund 90.000 Arbeitsplätzen: „Diese Stillegungsdiskussion schadet dem ländlichen Raum“, so von Guttenberg. Im übrigen sei nicht der Forstwirt, der den Wald bewirtschaftet, der Böse, sondern „die Konsumgesellschaft, die mit ihrem Lebensstil den Forst an die Wand fährt.“

Lesen Sie auch:
Gefahr für Sägewerke im Sauerland

Am 26.11. fällt das Oberlandesgericht Hamm ein Urteil, das Auswirkungen auf den Landesetat und Folgen für die Rundholzversorgung der zahlreichen Sägebetriebe im Sauerland haben könnte

Die Auswilderung von Wölfen in die deutschen Wälder, bereits Praxis in östlichen Bundesländern, lehnte der Freiherr ab. „Wir dürfen nicht Disney spielen, wir haben einfach den Lebensraum nicht mehr. Das ist ein Schnellschuss - fehlgeleitete Umweltpolitik.“

Stefan Pohl



Kommentare
10.03.2013
14:59
Waldlobbyist Guttenberg fühlt sich von Politikern abgespeist
von silera | #5

Wer schützt uns den vor Stromtrassen ? Wir wollen sie bei uns auch nicht durch den Garten oder in unmittelbarer Nachbarschaft. Wir sollen sogar dafür noch Geld abgeben.
Wenn ich auf Einkommen verzichten soll dann können Andere das auch.

10.03.2013
13:32
Wie peinlich, die Nachfahren der Raubritter und Ausbeuter von einst
von meigustu | #4

heulen und jetzt die Tasche voll.

Fördern und fordern kann man da nur sagen.

Die 28 Cent zahle ich gerne, wenn dann die Erbschaftssteuer der Herrschaften nach den gleichen Grundsätzen festgelegt wird, nach denen sie jetzt ihre Entschädigung berechnen.

09.03.2013
22:50
Waldlobbyist Guttenberg fühlt sich von Politikern abgespeist
von fogfog | #3

der arme adel. immer in geldnöten und der steuerzahler soll bluten.

09.03.2013
18:12
Waldlobbyist Guttenberg fühlt sich von Politikern abgespeist
von jessiesrevenge | #2

tja...so is das wenn man Geldschützer ist...ach ähm Waldschützer tschuldigung.....

09.03.2013
17:02
Waldlobbyist Guttenberg fühlt sich von Politikern abgespeist
von BR01 | #1

Der eine ist nicht besser wie der andere.

Aus dem Ressort
Wer bockig wird, darf länger warten
Lkw-Kontrolle
Auf Kontrollfahrt mit den Mitarbeitern des Bundesamtes für Güterverkehr auf der A 1 zwischen Hagen und Gevelsberg. Jedes fünfte Fahrzeug mit Beanstandungen. Keine Besserung in Sicht
Wer bockig wird, darf länger warten
Lkw-Kontrolle
Auf Kontrollfahrt mit den Mitarbeitern des Bundesamtes für Güterverkehr auf der A 1 zwischen Hagen und Gevelsberg. Jedes fünfte Fahrzeug mit Beanstandungen. Keine Besserung in Sicht
Südwestfalens Städte bleiben auf den Asylkosten sitzen
Asylbewerber
Immer mehr Flüchtlinge kommen nach Deutschland und Nordrhein-Westfalen. Doch das Land übernimmt teils nicht einmal 20 Prozent der Leistungen, die die Kommunen für die Asylbewerber erbringen. Auch in Südwestfalen klagen Städte daher über die Finanzlücke – und fordern Hilfe.
Laser oder LED - das ist die Frage in der Autobeleuchtung
Lichttechnik
Quantensprünge in der Autobeleuchtung: Während Hella auf die LED setzt, prescht Osram mit Laserlicht vor. Beispiel: der neue Elektrosportwagen BMW i8.
Geheimniskrämerei um Matsch-Spektakel in Herdringen
Tough Mudder
Der Aufbau läuft und doch weiß noch keiner, was die 7000 Teilnehmer und die Zuschauer beim "Tough Mudder" in Arnsberg-Herdringen erwartet. 15 Kilometer geht's im Schlosspark über Hindernisse und durch den Match. Während der Vorbereitung auf das Matsch-Spektakel sind Zaungäste unerwünscht.
Umfrage
Kommunen im Sauerland wollen schärfer gegen besonders laute Motorräder vorgehen. Die Bußgelder werden drastisch erhöht. Was halten Sie davon?

Kommunen im Sauerland wollen schärfer gegen besonders laute Motorräder vorgehen. Die Bußgelder werden drastisch erhöht. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos
Stolpersteine in der Wesselbach
Bildgalerie
Stolpersteine
38. Stadtfest in Lennestadt
Bildgalerie
Stadtfest
Motorrad-Festival in Olsberg
Bildgalerie
Motorräder
Kärmetze in Wenden 2014
Bildgalerie
Kirmes