Das aktuelle Wetter NRW 14°C
Hürth.

Vorsprung durch Technik

17.10.2013 | 00:19 Uhr

Hürth. 100 Stunden. Jeden Monat. Ohne Bezahlung. Seit knapp zwei Jahren. Das ist der Aufwand, den der Fröndenberger Markus Fleige treibt, seit er mit Mendener Schulfreunden den Verein „Technik begeistert“ gegründet hat, der die eigene Begeisterung für das Bauen und Programmieren von Robotern weitergibt, indem er die World Robot Olympiad (WRO) organisiert. So erfolgreich, dass die Teilnehmerzahl von 32 auf 111 Teams gestiegen ist. Und 2014 wächst alles noch weiter. Und deshalb darf sich Markus Fleige seit gestern „Mint-Botschafter 2013“ nennen.

Mit diesem Titel zeichnet die von der deutschen Wirtschaft gegründete Initiative „Mint Zukunft schaffen“ jedes Jahr einige ihrer mittlerweile 12 000 Botschafter aus, die sich besonders verdient gemacht haben um die Förderung von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Das geschieht auf sogenannten Botschafter-Konferenzen, die in verschiedenen Orten Deutschlands stattfinden und sich außer um Lob und Ehre auch noch um ein besonderes Spezialthema kümmern. Gestern im rheinischen Hürth war das die soziale Mobilität.

„Mint ist ein Weg nach oben“

Was die mit Mint zu tun hat? Eine ganze Menge. „Technisch-naturwissenschaftliche Studiengänge sind nicht nur wirtschaftlich von großer Bedeutung für Deutschland, sondern auch sozial- und gesellschaftspolitisch“, erläuterte Oliver Koppel vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, „sie sind der Katalysator für den Bildungsaufstieg.“ In Zahlen: 72 Prozent der Ingenieure stammen aus Nicht-Akademiker-Haushalten, aber nur 50 Prozent der Mediziner und 43 Prozent der Juristen.

Aber funktioniert der Aufstieg noch, nachdem der Anteil Studierender, deren Eltern keine Hochschule besucht haben, seit Jahren sinkt? Die OECD hat Deutschland sogar vorgeworfen, mehr Bildungsabsteiger als Bildungsaufsteiger zu produzieren. Koppel hält beides für Fehlinterpretationen: Dass der Akademikeranteil unter den Eltern stark gestiegen sei, mache sich eben statistisch bemerkbar. Und den Auf- und Abstieg müsse man im Verhältnis zum durchschnittlichen Abschluss beider Eltern bewerten. Dann habe Deutschland 36 Prozent Aufsteiger und 19 Prozent Absteiger. Und Mint sei ein Weg nach oben. Für die Gesellschaft und den Einzelnen: „Da kommt es darauf an, was Sie können“, sagt Koppel, „der soziale Habitus ist weniger wichtig.“

Das „Sie“ meint das Publikum in Hürth, das aus Schülern aus ganz NRW besteht. Sie kommen von den 43 Schulen, die zum Ende der Veranstaltung als „Mint-freundliche Schule“ ausgezeichnet wurden. Darunter sind die Friedrich-Harkort-Schule in Herdecke, die Gesamtschule Fröndenberg, das Städtische Gymnasium Bad Laasphe und das Städtische Reichenbach-Gymnasium Ennepetal.

Aber erst waren die Botschafter des Jahres dran. Bundeskanzlerin Angela Merkel gratulierte per Videobotschaft, dankte allen Beteiligten, „die über Talentförderung Zukunft schaffen“ und erinnerte daran, dass Mint im Englischen für Minzbonbon steht: „Das macht frisch und munter.“

Das gilt auch für die Ideen der Jahresbotschafter. Einige Beispiele: Johann Beurich aus Radebeul, heute Student in Dresden, komponiert und produziert Mathe-Songs und hatte schon mehr als vier Millionen Klicks bei Youtube. Zwei Ausbilder vom Versicherer HDI lassen ihre IT-Azubis die anderen Azubis zu IT-Themen schulen. Der Bielefelder Lehrer Kirsten Biedermann hat Kriminalfälle entwickelt, die nur mit Mint-Know-how zu lösen sind. Versicherungsmathematiker Michel Fröhlich erklärt Schülern auf unterhaltsame Weise den Sinn der Mathematik. Und der Essener Student Björn Schäfer engagiert sich in Kindertagesstätten.

4000 Stunden für die Olympiade

Und dann ist da eben Markus Fleige. Der 24-Jährige, der in diesem Jahr seinen Bachelor in Wirtschaftsinformatik an der FH Dortmund abgeschlossen hat und nun an der Fernuni Hagen studiert, weil ihm das mehr Möglichkeiten für sein ehrenamtliches Engagement bietet, ist stolz auf die Auszeichnung. Er hofft, dass diese Anerkennung bei der Sponsorensuche hilft. Er sieht den ganzen Verein als Gewinner: „Unser Team hat von Januar bis September 4000 Stunden für die WRO aufgewendet, parallel zum Abitur, dem Studium oder der Ausbildung.“ Was zeigt: Nur Begeisterte können andere begeistern. Viel Arbeit ist es trotzdem.

Harald Ries

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
Scheunenparty 2016 in Eisborn
Bildgalerie
Volles Haus
Kunstgemälde im Osthaus-Muesum
Bildgalerie
Ausstellung
Kanupolo beim KC Wetter
Bildgalerie
Bundesliga
Garagenrock in Wehringhausen
Bildgalerie
Freizeit
article
8569926
Vorsprung durch Technik
Vorsprung durch Technik
$description$
http://www.derwesten.de/region/sauer-und-siegerland/vorsprung-durch-technik-aimp-id8569926.html
2013-10-17 00:19
Sauer und Siegerland