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DRK-Einsatz in Unna-Massen

„Viele Flüchtlinge sind sehr dankbar“

19.10.2012 | 10:00 Uhr

Unna/Olpe/Hagen/Siegen.  Helfer vom Deutschen Roten Kreuz aus Olpe, Hagen und Siegen kümmern sich um Flüchtlinge in der ehemaligen Landesstelle für Aussiedler und Zuwanderer. Zur Zeit müssen sind 242 Kinder, Frauen und Männer aus 20 Nationen versorgt werden.

Halal. Das verstehen alle. Das ist das arabische Schlüsselwort, um die zögerliche Haltung bei der Essensausgabe aufzugeben. Sinngemäß übersetzt heißt das: Das Gericht entspricht den muslimischen Essvorschriften.

Die Flüchtlinge greifen zu. Es gibt Gehacktes in heißer Gemüsebrühe. Viele haben seit Tagen nichts Warmes gegessen. Dieter Selter steht der Schweiß auf der Stirn. Hinter dem 44-Jährigen, im richtigen Leben arbeitet er als Krankenpfleger im St.-Martinus-Krankenhaus in Olpe, liegt ein hartes Stück Arbeit. 400 Portionen hat er gestern am frühen Nachmittag in seiner Feldküche gezaubert.

In aller Eile, weil ein defekter Gasanschluss in der Küche zur Improvisation zwang - und nicht alleine: 15 Helfer vom Kreisverband Olpe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) verpflegen 242 Kinder, Frauen und Männer aus 20 Nationen in der ehemaligen Landesstelle für Aussiedler und Zuwanderer in Unna-Massen. In der Mehrzahl sind die Neuankömmlinge aus Mazedonien und Serbien.

Seit Freitag vergangener Woche ist die Einrichtung wiederbelebt worden. Die wachsende Zahl der Asylbewerber zwingt die Bezirksregierung Arnsberg dazu. Mit allen Schwierigkeiten und Problemen, die ein Einzug nach dreijährigem Leerstand mit sich bringt. Heizungen sind defekt, Betten müssen gebaut werden, und es gibt kein warmes Wasser.

Das DRK kümmert sich um die Menschen. Die Kreisverbände Hagen, Olpe und Siegen-Wittgenstein stellen bis Sonntag das Gros der ehrenamtlichen Kräfte. Einsatzleiter ist Heinz-Wilhelm Uphoff aus Siegen. „Wir sind mit insgesamt 58 Leuten im Einsatz.“

Probleme? „Natürlich“, sagt der 59-Jährige, „aber wir wollen nicht jammern. Sie sind da, um gelöst zu werden.“ So spricht jemand, der auf reichlich Erfahrung in Krisensituationen zurückblicken kann. Uphoff bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Stress schüttelt er ab.

So als sei es nichts, dass seit Tagen rund um die Uhr geschuftet wird, nicht wenige Helfer stehend K.o. sind, um die Unterkünfte auf die Schnelle einzurichten. Dass das Navigationsgerät bei der Anreise nicht nur die DRK-Helfer in die Prärie schickt, gehört zu den Schmonzetten am Rande: „Am Ende finden alle hierhin.“

Auch die Hagener Hilfstruppe an der Spitze mit Volker Budde. „Wir haben noch gar keine Zeit gehabt, uns mit dem Schicksal der Menschen zu beschäftigen“, sagt der 44-Jährige, „das kommt erst später.“ Philipp Schäfer aus Hemer pflichtet ihm bei. Der Ansturm bei der Sprechstunde des Arztes ist gerade vorüber. Vor ihm stapeln sich die Rezepte.

Seit zwei Stunden wird ein Bus mit 50 Flüchtlingen erwartet. Wann und wie viele eintreffen, lässt sich für die Helfer vor Ort nur schwer einschätzen. Bei der Ausgabe der Starter-Pakete, Dinge für den täglichen Bedarf, also Zahnbürste, Seife, Handtücher, wartet Lena Gertischke aus Letmathe auf den nächsten Schub. Ihr Eindruck von den Heimatlosen? „Sie sind sehr ruhig und geduldig, wirken manchmal sogar entspannt“, sagt die 19-jährige Schülerin. „Die Menschen versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.“

Zeit für Plaudereien hat sie nicht. Eine Familie aus Serbien bereitet ihr Kopfzerbrechen. Ihr kleines Mädchen leidet unter einer schlimmen Milben- und Hausstauballergie. Sie kann auf ärztlichen Rat hin, nicht in der Einrichtung bleiben. Neue Probleme. Probleme, die alltäglich sind. Probleme, die nach schnellen Antworten schreien.

Die DRK-Helfer aus dem Siegerland und Sauerland meistern sie. Ruhig . Konzentriert. Emsig. Dafür, dass viele nach einem Arbeitstag in Unna-Massen eintreffen, um klaglos zu helfen, gebührt ihnen die Anerkennung der Beobachter. Selten stehen die Helfer im Blickpunkt. Sie machen kein Aufheben um ihr Engagement. Kameras und Mikrofone in der Notunterkunft konzentrieren sich auf die Asylbewerber.

Ob es ein Dankeschön der Betroffenen gibt? „Ja“, sagt Stephan Zeppenfeld aus Olpe, der bei der Essensausgabe mitgeholfen hat. „Viele Flüchtlinge sind sehr dankbar.“ Die Gesichter der Menschen spiegeln es. Und, nicht wenige haben Schmacht auf Süßes. „Das ist richtig auffällig. Eine Tasse Kakao mit vier Päckchen Zucker ist keine Seltenheit“, sagt der 28-Jährige, der als Sanitäter im Rettungsdienst der Stadt Olpe arbeitet. In der Feldküche wird fleißig gewaschen und geputzt. Morgen ist wieder ein Tag, ob der Gasanschluss bis dahin repariert ist, weiß niemand.

Joachim Karpa



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