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"Grüne Woche"

Verbraucherminister Remmel fordert bewusste Ernährung

17.01.2013 | 18:17 Uhr
Verbraucherminister Remmel fordert bewusste Ernährung
Die Burg Altena wirkt wie mit Puderzucker bestreut.Foto: Guido Raith

Hagen/Düsseldorf/Berlin.  Die "Grüne Woche" beginnt am Freitag in Berlin. Südwestfalen präsentiert sich als Vorzeigeregion Nordrhein-Westfalens zum ersten Mal auf der weltweit größten Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau. Verbraucherminister Johannes Remmel (Grüne) aus Siegen spricht mit unserer Zeitung über Industrie im Grünen, die Regionale 2013 und Fleischkonsum.

Am Freitag beginnt in Berlin die "Grüne Woche". Südwestfalen präsentiert sich als Vorzeigeregion Nordrhein-Westfalens zum ersten Mal auf der weltweit größten Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau. Verbraucherminister Johannes Remmel (Grüne) aus Siegen spricht mit unserer Zeitung über Industrie im Grünen, die Regionale 2013 und bewussten Umgang mit Lebensmitteln.

Warum spielt Südwestfalen in diesem Jahr eine besondere Rolle?

Johannes Remmel: NRW ist auf der Messe immer mit guten regionalen Produkten, Themen zum Verbraucherschutz und mit Pilotprojekten aus der Landwirtschaft vertreten. Und, nicht zu vergessen, auch wenn es um erfolgreiche regionale Entwicklung geht. Da ist Südwestfalen in diesem Jahr dran. Die Bildung regionaler Identitäten und die Strukturförderung im ländlichen Raum, also neue Arbeitsplätze durch Netzwerke und innovative Ideen, stehen im Blickpunkt.

Thema der NRW-Halle in der Hauptstadt ist "Lust aufs Land". Widerspricht das nicht dem Anspruch Südwestfalens, sich als drittstärkste Industrieregion zu zeigen und nicht als Naturidyll?

Remmel: Im Gegenteil. Wir sind eine starke Industrieregion im Grünen, das eine gehört zum anderen. So ist der Wald ebenso wie das Wasser typisch für die Region. Diese Natur prägt die Menschen. So ist Südwestfalen mit der Industrie und dem Leben am Wasser sowie der Energie aus Wasser gewachsen. Viele Unternehmen sehen ihre Chance in der Umweltwirtschaft. Insofern passt das: Südwestfalen ist eine Region im Grünen mit einer Industrie, die an den Herausforderungen und den Problemen der Zukunft arbeitet. Sei es in der Verfahrenstechnik, bei erneuerbaren Energien oder der Herstellung von Maschinen, die energieeffizient arbeiten.

Metten Fleischwaren aus Finnentrop ist der kulinarische Botschafter der Region in Berlin. Nach dem Fleischatlas vom BUND und der Heinrich-Böll-Stiftung isst jeder Bundesbürger im Schnitt in seinem Leben 1094 Tiere. Ist dass das richtige Signal?

Remmel: Es predigt ja niemand von unserer Seite Fleischverzicht um des Fleischverzichts willen. Es geht um einen bewussten und wertschätzenden Konsum. Und natürlich gehören gute Produkte aus der Region, auch Fleischprodukte, dazu. Der Fleischatlas macht darauf aufmerksam, dass wir bei zunehmend wachsender Bevölkerung die Art und Weise der Verteilung der Ernährung, wie wir sie heute organisiert haben, sehr energielastig, sehr fleischlastig, nicht noch 30 Jahre fortschreiben können. Das wird nicht funktionieren. Schon heute sind eine Milliarde Menschen von Hunger bedroht. Diese Entwicklung wird hinterfragt, aber nicht das gute Angebot aus dem Sauerland.

Wie viel Fleisch essen Sie?

Remmel: Mir reicht wie früher der Sonntagsbraten, aber das muss jeder für sich entscheiden. Ich bin kein Kostverächter. Mir ist der bewusste und wertschätzende Umgang mit Lebensmitteln ein Anliegen. Rund 20 Prozent der Lebensmittel werden weggeworfen. Das Verhältnis zu Lebensmitteln und Mitteln zum Leben muss sich wieder ändern.

Für viele ist die Regionale 2013 sehr abstrakt. Gelingt es mit ihr, das Kirchturmdenken in der Region zu überwinden?

Remmel: Die Regionale 2013 ist bereits heute ein Erfolg. Vor sieben, acht Jahren war es doch kaum denkbar, dass sich die Landräte zusammensetzen und überlegen: Was können wir für unsere Region tun? Es war auch ständige Praxis in den Gesprächen in Düsseldorf oder Berlin, sich mit einem gewissen Unterton zu beklagen, man sei zu kurz gekommen, das Ruhrgebiet oder der Köln-Bonner Raum würden bevorzugt. Dafür gab es keinen Anlass. Es war so eine Grundhaltung.

Wie ist es heute?

Remmel: Durch den Regionale-Prozess ist deutlich geworden, wie stark die Region ist, die Region tritt heute sehr viel selbstbewusster auf. Wenn man sich die Arbeitslosenzahlen anschaut und die wirtschaftliche Dynamik: Wir haben in der Region fast wirtschaftliche Verhältnisse wie in Bayern oder Baden-Württemberg. In einigen Bezirken herrscht Vollbeschäftigung. Die Bewältigung der Krise 2008/2009, hat gezeigt, dass die Region mit ihrer Bildungslandschaft und ihren mittelständischen inhabergeführten Unternehmen mit Weltmarktbezug eine Zukunftsregion ist. Südwestfalen gehört zu den Boomregionen in Nordrhein-Westfalen.

Wie wichtig sind die Anstöße der Sterne-Projekte, sei es die Neugestaltung der Siegener Innenstadt oder der Aufzug zur Burg Altena?

Remmel: Das ist wichtig, aber genauso wichtig sind die die regionalen Klammern, das Zuordnen zu regionalen Themen. Markant finde ich die Weiter- und Ausbildungsoffensive in ihrer ganzen Breite, auch wenn man da kein Gebäude sieht. Die Bildungslandschaft unter der Überschrift „Zukünftige Ingenieure und Fachkräfte“ zu bündeln, ist vorbildhaft.

Joachim Karpa


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