Tüfteln an der automobilen Zukunft

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Lippstadt/Attendorn.. Die Erwartungen sind hoch gesteckt: Rund um zwei Forschungszentren soll in der Zulieferer-Hochburg Südwestfalen ein bundesweit einzigartiges Netzwerk entstehen, in dem Wirtschaft und Wissenschaft bald Hand in Hand an der automobilen Zukunft tüfteln. Und nach mehr als zwei Jahren der Planung und Vorbereitung kommt das Regionale-Projekt „Automotive Kompetenzregion“ jetzt ins Rollen.

Das Kompetenzzentrum Fahrzeug Elektronik (KFE) in Lippstadt steht zumindest virtuell schon in den Startlöchern. Noch bevor am Samstag der Förderbescheid des Landes über 5,8 Millionen Euro einging, listet die Internetseite bereits die Palette künftiger Dienstleistungen auf - vom Klima-Rollenprüfstand bis zum Batterie-Labor. Insgesamt acht Millionen stehen für drei Jahre zum Aufbau des KFE zur Verfügung; 2,2 Millionen davon tragen die Gesellschafter. Dazu zählen neben den regionalen Hochschulen unter anderem Unternehmen wie Hella und Infineon.

Ein Gebäude gibt es indes noch nicht. Das werde die Stadt Lippstadt von März an auf dem Gelände des Technologie- und Entwicklungszen-trums Cartec errichten lassen, berichtet Friedrich Waldeyer, Geschäftsführer und bislang einziger Mitarbeiter des KFE. Die ersten Mess- und Prüfeinrichtungen sollen nach seiner Planung im Oktober oder November in Betrieb gehen.

Aber, so Waldeyer: „Ich bin schon handlungsfähig, ohne dass ein Gebäude existiert.“ Die enge Cartec-Anbindung und die Unterstützung durch die Hochschule Hamm-Lippstadt als KFE-Partner macht’s möglich. „Wir fangen schon im März mit Simulationen an“, berichtet Waldeyer. Dabei geht es um das zentrale KFE-Thema Elektromobilität und die Prüfung der Belastbarkeit wichtiger Teile wie der Batterien. Die Federführung haben hier die Hochschul-Professoren Peter Kersten und Jürgen Krome, die schon länger am Elektro-Antrieb forschen.

Waldeyer, früher Geschäftsführer des Gemeinschaftsunternehmens und KFE-Partners Behr-Hella Thermocontrol (BHTC), sondiert derweil den Arbeitsmarkt - und ist schon fündig geworden. Drei Ingenieure starten bereits zum 1. April beim KFE, weitere sieben sollen bis zum Jahresende folgen. Gesucht werden Prüfingenieure, Experten für Simulation und Fachleute für Hochleistungsbordnetze.

Auch anderthalb Autobahnstunden weiter südlich, in Attendorn, kommen die Vorbereitungen für das Automotive Center Südwestfalen (ACS) in die heiße Phase. Dort soll an der Umgehungsstraße L539 nahe der JVA ein Forschungs- und Entwicklungszentrum für den automobilen Leichtbau entstehen. „Der Mietvertrag mit dem Investor ist so gut wie unterschrieben. Sobald der Boden frostfrei ist, geht’s los“, sagt ACS-Geschäftsführer Helmut Schulte. Im Spätherbst, so hofft er, kann der Einzug beginnen.

Seit Ende Januar steht die Förderzusage des Landes über 14,6 Millionen Euro, weitere 4,4 Millionen steuern die Gesellschafter bei - darunter Kirchhoff, Gedia und zahlreiche weitere Zulieferer aus der Region. Ein Großteil der Mittel werde in Einrichtung und Geräte fließen, so Schulte, wofür die Ausschreibungen gerade angelaufen seien. Parallel dazu beginnt die Personalauswahl. „Wir haben in der Vorphase schon unsere Fühler ausgestreckt.“ 18 Mitarbeiter, Ingenieure und hochqualifizierte Facharbeiter, will das ACS am Ende beschäftigen. Aber vor allem, so Schulte, solle das Zentrum als Plattform dienen für die gemeinsamen Projekte der Forscher aus den Hochschulen und der Entwickler aus den Partner-Unternehmen. Um die Entwicklung dieser Projekte zu den drei ACS-Schwerpunkten Umformtechnik und Werkstoffe, Kunststofftechnik sowie Füge- und Montagetechnik, darum gehe es auch jetzt schon, sagt der Siegener Universitätsprofessor Dr. Volker Grienitz, der im ACS das Technologie- und Innovationsmanagement übernehmen soll. „Der Aufbau des Unternehmens - das ist das, was jetzt im Vordergrund steht.“

Bis 2015 ist die millionenschwere Förderung der beiden Kompetenzzentren ausgelegt. Als Anschubfinanzierung - danach sollen sich die Einrichtungen als Dienstleister vollständig selbst tragen. „Wir werden auch auf den freien Markt gehen“, kündigt Waldeyer an. Und Grienitz weiß: „In drei Jahren müssen wir ein Leistungsprogramm etablieren, das der Wirtschaft hilft.“