Traditionsunternehmen Sudhaus: Für neue Ideen aufgeschlossen

Die Firma Sudhaus in Iserlohn stellt Schlösser und Schließsysteme her.
Die Firma Sudhaus in Iserlohn stellt Schlösser und Schließsysteme her.
Foto: Lars Heidrich
Was wir bereits wissen
Die Mitarbeiter des Traditionsunternehmens Sudhaus in Iserlohn setzen Schlösser für Spinde, Koffer, Taschen und Tornister von Hand zusammen – seit 1844.

Iserlohn.. Der Tag beginnt mit Sudhaus. „In der ersten Stunde nach dem Aufstehen kommt nahezu jeder Deutsche einmal mit unseren Produkten in Berührung“, glaubt Geschäftsführer Michael Hartmann. Die Kinder, wenn sie den Tornister auf- und zumachen. Die Erwachsenen vielleicht, wenn sie ihre Tasche packen oder den Koffer. Wenn sie den Autoschlüssel einstecken. Wenn sie am Arbeitsplatz ihre Sachen in den Spind schließen. Oder, wenn sie den Müll hinausbringen.

Echte Handarbeit Denn das Iserlohner Unternehmen hat sich auf die Entwicklung und Produktion von Schlössern spezialisiert. Keine Türschlösser. Keine Fahrrad- oder Vorhängeschlösser. Sondern Schlösser für Schränke, Koffer, Taschen und Ranzen vor allem. Und zwar für hochwertige Produkte. „Wir fühlen uns im Premiumsegment wohl“, so Geschäftsführer Hartmann. Eine Strategie, die das Unternehmen gerettet hat. 2008, als Hartmann einstieg, war der Betrieb „sanierungsbedürftig“. So kehrte Hartmann zurück zu den alten Stärken des Unternehmens: Manufakturteile und innovative Entwicklungen.

37 Einzelteile

„Wenn ein Koffer weniger als 200 Euro kostet, dann rechnet sich ein Schloss von uns darin kaum“, so Michael Hartmann. Denn die Mitarbeiterinnen am Standort Iserlohn setzen die Schlösser noch von Hand zusammen. Vor allem die kleinen Serien und die Prototypen neuer Entwicklungen. Wenige Millimeter große Federbeine, winzige Metallscheiben und Kügelchen friemeln sie zusammen. „Das lässt sich nicht automatisieren.“

Allein 37 Einzelteile sind es für das Zahlenschloss 1844. Eine Entwicklung, auf die Produktionsleiter Karlheinz Schein ganz besonders stolz ist. Immer wieder führt er vor, wie die richtige Zahlenkombination, kaum dass der Knopf zum Öffnen herumgedreht ist, augenblicklich auf Null zurückschnellt. So sei der Code kaum auszuspähen, erklärt er. Und wenn der Besitzer des Spinds, den das Schloss sichert, einmal seinen selbst gewählten Nummerncode vergessen hat, bleibt noch der Generalschlüssel zum Öffnen. Ein Modell, das Passagiere zum Beispiel „in getunter Form“ in der ersten Klasse des Airbus A 380 vorfinden, um ihre Habseligkeiten zu verstauen.

Eine selbstinitiierte Entwicklung des Unternehmens, die Geschäftsführer Hartmann besonders lieb ist, weil ein solches Produkt frei an viele Kunden zu liefern sei. Magnetschlösser für Schulranzenhersteller wie Scout dagegen, Kofferschlösser für Samsonite und Titan gehen nur an den Kunden, der die Entwicklung auch in Auftrag gegeben hat.

100. 000 Mülltonnen-Schlösser

Zwei Millionen Euro steckt das Unternehmen jedes Jahr in frische Ideen und Produkte. „Das sind etwa fünf Prozent unseres Umsatzes“, so Hartmann.

Hat sich ein Prototyp bewährt, lässt Sudhaus große Stückzahlen an den Standorten in Tschechien zusammensetzen. Zum Beispiel etwa 100.000 Mülltonnenschlösser, die automatisch aufschnappen, wenn die Müllabfuhr die Tonne nur weit genug kippt. Die aber dicht halten, wenn Fremde ihren Abfall abladen wollen. Oder, wenn Waschbären die Tonnen plündern möchten – wie etwa in Kanada.

150 Mitarbeiter sind in Tschechien beschäftigt. 250 sind es in Iserlohn. Am Stammsitz sind Entwicklung, Design, Werkzeugbau, Fertigung der Einzelteile für die Schlösser untergebracht.

Die Arbeitsplätze zu erhalten, das ist Michael Hartmann das größte Anliegen für die Zukunft. Stellen abzubauen, das wäre für den Mitgesellschafter das Schlimmste. „Die Mitarbeiter sollen ihr Leben hier verbringen können, wenn sie wollen.“